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LABORPRAXIS-Newsticker Deutsche Chemie wird Krisenprofiteur des Iran-Kriegs

Aktualisiert am 31.08.2026 Quelle: dpa 6 min Lesedauer

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Aktuelle Nachrichten aus der Laborbranche, Entdeckungen aus den Naturwissenschaften, Meldungen aus der Pharmaindustrie, der Energiepolitik und weitere branchenrelevante News finden Sie hier im LABORPRAXIS-Newsticker. Der Beitrag wird fortlaufend aktualisiert.

Aktuelle Nachrichten aus Labortechnik, Pharmaindustrie und den Naturwissenschaften(Bild:  viperagp - stock.adobe.com)
Aktuelle Nachrichten aus Labortechnik, Pharmaindustrie und den Naturwissenschaften
(Bild: viperagp - stock.adobe.com)

28.8. – Deutsche Chemie wird Krisenprofiteur des Iran-Kriegs

München (dpa) 10:59 Uhr – Die Stimmung in der krisengeplagten deutschen Chemieindustrie hat sich schlagartig aufgehellt: Erstmals seit vier Jahren schätzten die Chemieunternehmen ihre aktuelle Geschäftslage im zu Ende gehenden August wieder positiv ein, wie das Münchner Ifo-Institut mitteilte. Der Indikator ist von minus 14,6 Punkten im Juli auf nunmehr plus 11,6 Punkte gestiegen. Ursache sind demnach durch den Iran-Krieg bedingte Ausfälle asiatischer Lieferungen. Der aus aktueller Geschäftslage und den Erwartungen für die kommenden Monate zusammengesetzte Indikator für das Geschäftsklima in der Branche stieg von minus 26,3 auf minus 2,4 Punkte.

Ifo-Wissenschaftlerin Anna Wolf sprach von einer „Sonderkonjunktur“. Denn der Iran-Krieg und die Sperrung der Straße von Hormus haben die Lieferung von Erdgas und anderen chemischen Grundstoffen nach Asien schwer beeinträchtigt. Folge sind Produktionsrückgänge. Außerdem hatte China Ausfuhrbeschränkungen für Schwefelsäure erlassen, eine für die Düngerherstellung und etliche andere Produkte benötigte Chemikalie. Und da die mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen im Jemen nach wie vor die Schifffahrt im Roten Meer und damit den Zugang zum Suezkanal bedrohen, nehmen viele Schiffe aus Asien den weiten Umweg um die Südspitze Afrikas, mit entsprechend höheren Kosten und längeren Lieferzeiten.

Da kein Ende des Kriegs in Sicht ist, rechnen die deutschen Chemieunternehmen laut Ifo mit einer Fortsetzung der Sonderkonjunktur. Das bedeutet demnach jedoch nicht, dass die grundlegenden Strukturprobleme in Deutschland gelöst wären. Der Umfrage zufolge ist daher weiterer Stellenabbau in der Chemiebranche zu erwarten.

26.8. – Chemie steckt Rekordgelder in Forschung – und fürchtet China

Frankfurt/Main (dpa) 10:30 Uhr – Die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie investiert Rekordsummen in Forschung und Entwicklung (F&E) und warnt zugleich vor Konkurrenz aus Asien. 2025 lagen die Forschungsbudgets der Branche bei knapp 16 Milliarden Euro, wie der Chemieverband VCI in Frankfurt mitteilte. Das sind 0,2 Prozent mehr als 2024 und fast sechs Milliarden Euro mehr als 2015, als gut zehn Milliarden in F&E flossen. Drei Viertel der Firmen entwickeln demnach neue Produkte und Verfahren.

„Wir haben zwar noch nie so viel in Forschung und Entwicklung investiert wie 2025“, sagte Thomas Wessel, Vorsitzender des VCI-Ausschusses Forschung, Wissenschaft und Bildung. „Aber gleichzeitig ist die Zahl der Patente im Bereich Chemie und Pharma seit Jahren rückläufig.“ Der Anteil der Branche an den weltweiten Patenten habe sich von 14 Prozent 2010 auf 7,6 Prozent 2024 fast halbiert. „Im Vergleich zu anderen Ländern gerät der Standort Deutschland damit immer mehr ins Hintertreffen.“

Laut VCI erwarten 29 Prozent der Chemie- und Pharmafirmen sinkende F&E-Ausgaben in Deutschland. Nur knapp jedes fünfte Unternehmen plane steigende Budgets. Dagegen prognostizierten 41 Prozent wachsende Forschungsetats im Ausland. Gerade China habe eine klare Innovationsstrategie, warnt der VCI. Der Anteil Chinas an den weltweiten Patentanmeldungen in Chemie und Pharma habe sich von 2010 bis 2024 auf 19 Prozent fast vervierfacht.

Damit liege die Volksrepublik nach den USA auf Rang 2, vor Japan, Südkorea und Deutschland. In China werde der Transfer von der Forschung bis zur Marktreife sichergestellt und von Schutz geistigen Eigentums flankiert, schilderte Wessel. Von der Politik fordert er bessere Bedingungen für Forschung in Deutschland, darunter eine verlässliche Finanzierung, die Einbettung in Sozial- und Wirtschaftsreformen und mehr Berechenbarkeit.

Die Pharma- und Chemiebranche gibt traditionell viel Geld für Forschung aus, etwa an neuen Arzneien oder Materialien für die Industrie. Rund 47.000 Menschen sind laut VCI in den Forschungslaboren der Branche tätig. Mehr als 60 Prozent der F&E-Ausgaben kommen aus der Pharmaindustrie.

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24.8. – Chemieforschungszentrum eröffnet erste Büros in Merseburg

Merseburg (dpa) 17:47 Uhr – Das Chemie-Großforschungszentrum CTC hat seine ersten Büros auf dem Campus der Hochschule Merseburg eröffnet. Mit bis zu zehn Arbeitsplätzen ist das Center for the Transformation of Chemistry (CTC) damit erstmals dauerhaft an seinem künftigen Standort in Sachsen-Anhalt vertreten.

Die neuen Büros sollen vor allem den Austausch mit der Hochschule Merseburg erleichtern. Beide Seiten haben dafür eine Kooperationsvereinbarung geschlossen. Künftig wollen sie unter anderem gemeinsam Forschungsprojekte auf den Weg bringen, Drittmittel einwerben und den Austausch von Forschenden und Lehrenden ermöglichen. Die Zusammenarbeit soll zudem helfen, wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in die Wirtschaft zu bringen und Fachkräfte auszubilden.

Die Büros sind ein weiterer Schritt auf dem Weg zum dauerhaften CTC-Standort in Merseburg. Bis voraussichtlich 2031 soll auf dem Hochschulcampus ein eigenes Forschungsgebäude entstehen. Langfristig sollen dort rund 300 Menschen arbeiten. Ein Schwerpunkt soll ein hochautomatisiertes Pharma-Labor sein. Der Hauptsitz des CTC entsteht im nordsächsischen Delitzsch, wo unter anderem an der Vision eines vollständig recycelbaren Autos geforscht werden soll.

Bund, Sachsen und Sachsen-Anhalt fördern den Aufbau des Großforschungszentrums bis 2038 mit bis zu 1,1 Milliarden Euro. Bis zu 330 Millionen Euro davon fließen nach Sachsen-Anhalt. An den Standorten Merseburg und Delitzsch sollen bis 2038 insgesamt bis zu 1.000 Forschende arbeiten.

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19.8. – Chemiepark setzt auf Batterien und Halbleiter-Vorprodukte

Bitterfeld-Wolfen (dpa/sa) 16:36 Uhr – Chemikalien für Batterien, Vorprodukte für Halbleiter und die Verarbeitung kritischer Rohstoffe: Der Chemiepark Bitterfeld-Wolfen will seine verbliebenen Flächen verstärkt für jene Produkte reservieren, die Europas Chip-, Batterie- und Energieindustrie unabhängiger von Lieferungen aus Asien machen können. „Es gibt Wachstumsmöglichkeiten in Europa“, sagte Max Fuhr, der seit Anfang August die bisher zweiköpfige Geschäftsführung verstärkt.

Bei seiner offiziellen Vorstellung machte der 44-Jährige deutlich, wo er Chancen für den Standort sieht: vor allem bei Batteriechemie, Vorprodukten für die Halbleiterindustrie und Materialien für Energiespeicher. Auch Lithium und seltene Erden spielen eine Rolle.

Dabei will Bitterfeld-Wolfen nicht mit großen Chip- oder Batteriefabriken konkurrieren, sondern Spezialchemikalien und Materialien für solche Industrien produzieren lassen. Bei einigen dieser Verarbeitungsschritte befänden sich derzeit 95 bis 100 Prozent der weltweiten Kapazitäten in Asien, sagte Fuhr. Chancen sieht er auch durch Lithiumvorkommen im Erzgebirge und in der Altmark sowie seltene Erden im Raum Delitzsch.

Zur strategischen Ausrichtung passt auch eine jüngst angekündigte Forschungsplattform zur Kreislaufwirtschaft. Das Land Sachsen-Anhalt unterstützt den Aufbau mit 4,5 Millionen Euro. In den kommenden vier Jahren soll dort unter anderem an der Rückgewinnung kritischer Rohstoffe aus Industrieabfällen geforscht werden.

18.8. – Automatisierung beschleunigt Forschung an Tropenkrankheiten

Jena (Analytik Jena) 15:00 Uhr – Die Entwicklung neuer Wirkstoffe gegen Infektions- und Tropenkrankheiten erfordert leistungsfähige Forschungsinfrastrukturen und die enge Zusammenarbeit von Wissenschaft und Industrie. Welche Rolle moderne Laborautomatisierung dabei spielt, stand am 13. August beim Besuch des Bundestagsabgeordneten Sascha van Beek (CDU) am Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie (Leibniz-HKI) in Jena im Mittelpunkt. Im Rahmen seiner Sommertour zu vernachlässigten Tropenkrankheiten (NTDs) informierte sich der Sprecher des Parlamentarischen Beirats des Deutschen Netzwerks gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten (DNTDs) über die automatisierte Wirkstoffforschung am Institut und den Beitrag industrieller Partner wie Analytik Jena.

Ein Programmpunkt des Besuchs war die Robotik-Plattform JenXplor, die am Leibniz-HKI für die automatisierte Durchführung komplexer Forschungsprozesse eingesetzt wird. Die Plattform wurde gemeinsam mit Analytik Jena entwickelt und unterstützt die Forschenden dabei, große Probenzahlen effizient zu bearbeiten und neue Wirkstoffkandidaten schneller zu identifizieren.

Die Zusammenarbeit zwischen Leibniz-HKI und Analytik Jena zeigt beispielhaft, wie wissenschaftliche Forschung und industrielle Innovationskraft zusammenwirken können. Während das Leibniz-HKI neue Ansätze zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten erforscht, bringt Analytik Jena seine Expertise in den Bereichen Laborautomatisierung und intelligente Analyselösungen ein.

„Die Herausforderungen bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten erfordern die enge Zusammenarbeit von Forschungseinrichtungen, Technologieanbietern und Industriepartnern. Als Spezialist für Laborautomatisierung und Analysetechnik schaffen wir die technologischen Voraussetzungen, um Forschungsprozesse effizienter zu gestalten und Innovationen schneller voranzubringen“, sagt Lars Böttcher, Vice President Technology bei Analytik Jena.

Der Austausch verdeutlichte zudem die Bedeutung des Innovationsstandorts Jena. Die enge Vernetzung von Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Technologieunternehmen schafft wichtige Voraussetzungen, um wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in konkrete Anwendungen für die Gesundheitsversorgung zu überführen.

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