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Psychische Belastung im Beruf nimmt zu

Die 5 Hauptursachen für Berufsunfähigkeit

| Redakteur: Christian Lüttmann

Bürojobs sind ungefährlicher als körperliche Arbeit – dies scheint angesichts der Statistik zur Berufsunfähigkeit des Lebensversicherungskonzerns Swiss Life eine Fehleinschätzung zu sein. Denn demnach sind es vor allem psychische Leiden, die einen vorzeitigen Austritt aus dem Beruf erzwingen. Was die Hauptursachen für Berufsunfähigkeit und Deutschland sind, und welche Unterschiede sich dabei zwischen Männern und Frauen ergeben, zeigt der folgende Beitrag.

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Berufsunfähigkeit trifft jeden vierten Arbeitnehmer im Laufe des Berufslebens.
Berufsunfähigkeit trifft jeden vierten Arbeitnehmer im Laufe des Berufslebens.
(Bild: ©Zerbor - stock.adobe.com)

Die Zahl psychischer Erkrankungen nimmt deutlich zu, das zeigt auch der Report Berufsunfähigkeit des Lebensversicherungskonzerns Swiss Life. „Allein in den letzten zehn Jahren registrieren wir in diesem Segment eine Zunahme um 40 Prozent“, sagt Amar Banerjee, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter der Versicherungsproduktion von Swiss Life Deutschland.

Lag die Quote für psychische Erkrankungen im Jahr 2009 noch bei 26,5 Prozent, haben 2018 über 37 Prozent aller Leistungsfälle für Berufsunfähigkeitsversicherungen psychische Probleme oder Nervenkrankheiten als BU-Ursache. Sehr wahrscheinlich ist dieser Anstieg die Folge von zunehmendem von Stress, Leistungsdruck und mangelndem Ausgleich im Arbeitsumfeld vieler Berufstätiger.

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Jeder vierte wird berufsunfähig

Laut Aussage vieler Versicherungsunternehmen wird im Mittel etwa jeder vierte Arbeitnehmer bis zum Renteneintrittsalter wenigstens einmal berufsunfähig. Berufsunfähigkeit bedeutet, dass man nicht mehr in der Lage ist, den ursprünglich erlernten Beruf weiter auszuführen, z.B. nach einem Unfall oder wegen einer chronischen Erkrankung. Dass ein Viertel der Berufstätigen davon betroffen sein soll, klingt zunächst unrealistisch hoch. Man muss aber berücksichtigen, dass der Begriff Berufsunfähigkeit nicht zwangsläufig bedeutet, dass man vollständig aus der Arbeitswelt ausscheidet. In manchen Fällen ist eine Umschulung und ein Wechsel in ein anderes Arbeitsfeld möglich. Auch kann es durchaus sein, dass man nach einer gewissen Zeit der Genesung (z.B. durch neue Therapie-Methoden oder Medikamente) wieder in den alten ursprünglich erlernten Beruf zurückkehren kann.

Nichtsdestotrotz ist der Anteil an BU-Fällen nicht zu unterschätzen. Sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und eine Beratung für eine Berufsunfähigkeitsversicherung in Anspruch zu nehmen ist auf jeden Fall die Zeit wert.

Wenn Sie mehr über die Aussage „Jeder vierte wird berufsunfähig“ erfahren möchten, lesen Sie den Beitrag auf Seite 6 der Mitteilungen der Deutschen Aktuarvereinigung, Ausgabe 44, Dezember 2018 (pdf-Download). Dort wird die Herkunft dieser Aussage näher diskutiert und mit einigen Daten unterfüttert.

Nach den psychischen Erkrankungen gelten Erkrankungen des Bewegungsapparats mit 24 Prozent als zweithäufigste BU-Ursache, gefolgt von Unfällen mit knapp 14 Prozent. Das ergab eine aktuelle Auswertung des Lebensversicherers Swiss Life Deutschland. Es folgen Krebs mit neun Prozent, Herz-/Kreislauferkrankungen mit acht Prozent und mit jeweils vier Prozent Innere bzw. sonstige Krankheiten als BU-Ursachen.

Was sind die Hauptgründe für eine Berufsunfähigkeit? Erfahren Sie es in dieser Bildergalerie:

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Haupt-BU-Grund bei jungen Frauen ist die Psyche

Beim Vergleich der Geschlechter ergeben sich einige interessante Unterschiede in der BU-Statistik. So sind Frauen laut der Studie mit 44 Prozent anteilsmäßig deutlich häufiger wegen einer psychischen Erkrankung berufsunfähig als Männer (Anteil 28 Prozent). Auffällig ist hierbei der besonders hohe Anteil unter jungen Frauen. Allein in der Altersgruppe der 30-jährigen ist mit 47 Prozent fast jede zweite Frau von psychischen Erkrankungen betroffen.

Bei Männern hingegen tauchen psychische Erkrankungen wie von Depressionen oder Burn-out erst in der zweiten Lebenshälfte häufiger auf, und zwar vorwiegend in akademischen Berufen. Bei Frauen hingegen tritt die BU-Ursache Psyche unabhängig von einer bestimmten Berufsgruppe auf.

Bei jungen Männer sind Unfälle BU-Ursache Nummer eins

Während junge Frauen häufig wegen psychischer Erkrankungen berufsunfähig werden, ist für junge Männer das hohe Unfallrisiko als BU-Ursache besonders auffällig. „Die Unfälle als BU-Ursache bei jungen Männern stechen in unserer Statistik mit einem Anteil von 33 Prozent sehr deutlich hervor, gerade im direkten Vergleich der Frauen mit knapp neun Prozent“, sagt Banerjee.

Dass junge Männer häufiger aus physischen statt psychischen Gründen berufsunfähig werden, könnte auch erklären, warum es Männern laut der Studie häufiger gelingt, in den Beruf zurückzukehren. Da Frauen deutlich häufiger aufgrund von Psyche berufsunfähig werden, ist hier eine rasche Rückkehr in das Berufsleben deutlich unwahrscheinlicher als bei anderen Ursachen, da psychische Erkrankungen oftmals eine jahrelange Krankheitsdauer nach sich ziehen.

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