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Forum Laborbau zum Biozentrum I der Uni Mainz

Die Kunst des Laborbaus

| Autor: Christian Lüttmann

Der Neubau ist als kompakter Baukörper konzipiert und bietet auf einer Nutzfläche von rund 4.700 Quadratmetern moderne Labore sowie Büros mit direkter Verbindung zu den Laboren und Seminar- und Besprechungsräume.
Der Neubau ist als kompakter Baukörper konzipiert und bietet auf einer Nutzfläche von rund 4.700 Quadratmetern moderne Labore sowie Büros mit direkter Verbindung zu den Laboren und Seminar- und Besprechungsräume. (Bild: Peter Pulkowski)

An der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz steht ein neues Forschungszentrum für die Biologie zum Einzug bereit. Laborpraxis war im Rahmen des Forums Laborbau zur Besichtigung vor Ort und verrät, welche Besonderheiten das Gebäude auszeichnen und mit welchen Schwierigkeiten die Planer bei der Realisierung zu tun hatten.

Mainz –Die Universität Mainz freut sich über wachsenden Zustrom an Studenten und Berufungen im Fachbereich Biologie. Vor einigen Jahren wurde jedoch klar, dass langfristig der Platz für die neuen Mitarbeiter fehlen wird. Die Idee eines neuen Forschungsbaus formte sich, der die veralteten Laborgebäude ersetzen und neuen Raum schaffen sollte. Im Juli 2014 starteten offiziell die Projektvorbereitungen für das Biozentrum I. Bei dem Forum Laborbau von Klinkner & Partner am 27. September 2018 gaben nun die Beteiligten des Projekts Einblicke in dessen Verlauf.

Biologie mit Blick auf den Botanischen Garten

In einem Ausschreibungswettbewerb setzte sich das Design des Architektenbüros Hammeskrause durch. Der Anspruch: Der neue Bau sollte seine Nähe zum Botanischen Garten nutzen und formal integrieren. Zudem war den Architekten die Kommunikation unter den Mitarbeitern wichtig. „In der Horizontalen funktioniert das in der Regel gut, aber in der Vertikalen kommt es oft vor, dass sich die Mitarbeiter aus den übereinanderliegenden Etagen gar nicht kennen“, sagt Peter Just, der das Design des neuen Gebäudes mitkonzipierte.

Um diesen Zustand der Trennung aufzubrechen, haben die Architekten ein offenes Atrium im Gebäudekern entworfen. Die verspringenden Treppen und Stege erlauben bestmögliche Sicht nach oben und unten. „Man darf nicht unterschätzen, dass Forschung nicht mehr nur an der Laborbank stattfindet, sondern auch zwischen den Laboren“, betont Just. Er hofft, dass das freie Design des Atriums den Austausch unter den Wissenschaftlern fördern wird.

Labore im Tageslicht

Mit anderen Sorgen hatte Nutzerkoordinatorin Stephanie Mitz zu tun. Sie war beauftragt, als Mittelsfrau zwischen Bauherr und Nutzerwünschen zu verhandeln. „Das ist eine nicht zu unterschätzende Aufgabe, die nicht einfach nebenbei laufen kann“, sagt Mitz. In den meisten Fällen kam man nach nur zwei Runden zu einer Einigung. In Ausnahmen zog sich der Prozess jedoch bis zu sechs Runden hin, bis jedes Mikroskop und jeder Abzug in der Planung einen Platz gefunden hatte, mit dem alle Seiten zufrieden waren.

Die fertigen Labore, für deren Konzeption maßgeblich Dr. Christoph Heinekamp mit seinem Laborplanungsunternehmen zuständig war, zeichnen sich durch ihr funktionales Raumkonzept aus: Der Laborbereich ist von Fluren aus rundum zugänglich und wird durch Schiebetüren aus Glas von den Dokumentationsplätzen abgetrennt. Dort geben große Fenster den Blick Richtung Botanischen Garten frei und lassen so viel Tageslicht herein, dass das tiefe Labor nicht dunkel wirkt. Da im Dokumentationsbereich nur Zuluftanschlüsse installiert sind, strömt die Luft stets von den Schreibtischplätzen in den Laborbereich und nicht umgekehrt, wie Heinekamp betont. Um den Laborbereich herum sind die Büroräume untergebracht, sodass die Laufwege während der Arbeit möglichst kurz gehalten werden.

Rennechsen und Römersteine

Die Römersteine auf dem Grundstück des BioZentrums I sind mittlerweile im Fundament des Neubaus konserviert.
Die Römersteine auf dem Grundstück des BioZentrums I sind mittlerweile im Fundament des Neubaus konserviert. (Bild: campus-digital-mainz)

Im Keller des Gebäudes finden die Tierlabore Platz. Auf der Bewohnerliste stehen neben Ameisen und den üblichen Drosophila-Fliegen auch Bienenwölfe und Rennechsen, die dort bald einziehen sollen. Die Tiere werden dann von einer präzisen Klimatechnik umsorgt, die im Bereich von -5 °C bis 40 °C auf ein Grad Celsius genau einstellbar ist. Auch eine eigene Belüftung für die Ameisen wurde mit berücksichtigt. „So muss die Laborleiterin ihre Studenten nicht mehr anweisen, alle paar Stunden mit der Labortüre zur Frischluftzufuhr zu wedeln“, scherzt Nutzerkoordinatorin Mitz.

Neben den Tierlaboren ist im Fundament eine weitere Besonderheit verborgen, die den Bauplanern einiges Kopfzerbrechen bereitet hatte: Insgesamt 18 Römersteine traten bei der Freilegung des Baugrunds im nördlichen Teil der Anlage zutage. Zum Glück für die Planer genehmigte der Denkmalschutz es, die alten Aquäduktpfeiler im Fundament zu konservieren. So musste zwar ein Teil des Kellers aufgegeben werden, der Rest des Gebäudes konnte aber wie geplant errichtet werden.

Zweiter Bauabschnitt in Arbeit

Neben dem Biozentrum I ist bereits der Bau des Biozentrums II im Gange.
Neben dem Biozentrum I ist bereits der Bau des Biozentrums II im Gange. (Bild: LABORPRAXIS)

Im Mai 2018 erfolgte 21 Monate nach der Grundsteinlegung die Fertigstellung des Baus und die offizielle Übernahme. „Insgesamt ist das Projekt so gut gelaufen, dass der nun begonnene zweite Bauabschnitt mit demselben Team und dem gleichen Konzept realisiert wird“ sagt Mitz.

Einer offiziellen Besichtigung der fertigen Labore und zentraler Räumlichkeiten wie der Systemtechnik konnten die Teilnehmer des zweitägigen Forums Laborbau am 27. September 2018 beiwohnen. Wir haben einige Eindrücke der Laborbesichtigung in unserer Bildergalerie für Sie festgehalten. Weitere Veranstaltungen von Klinkner & Partner finden Sie auf deren Homepage www.klinkner.de.

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