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50 Jahre Mondlandung

Die verlorenen Mondkrümel

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Während Zähringer schon einen ersten wissenschaftlichen Blick auf das Mondgestein geworfen hatte, begann Wänke erst am Abend des 18. September 1969 mit den Analysen. Er wollte die Zusammensetzung des Materials untersuchen, um Fragen zur Geburt des Mondes, dessen Alter und den Einfluss des Sonnenwindes zu klären. „Wir standen am Anfang einer neuen Phase der Mondforschung“, sagt Wänke. Und da war Eile geboten: „Die instabilen Radioisotope zerfielen mit jedem Tag weiter und wurden somit immer schwieriger zu messen.“ Am 10. Oktober erhielt das Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie noch einmal 140 Gramm vom Mond.

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Proben sicher verschlossen – ohne Schlüssel

Der Stoff, aus dem die Träume der Planetologen waren, durfte nicht einfach im Labor liegen bleiben. Die NASA hatte verfügt, dass das Mondmaterial in einem Panzerschrank aufzubewahren sei. Die Mainzer MPI-Forscher besorgten sich einen und installierten ihn im Büro von Direktor Wänke. „Von einem Schlüssel zum Absperren hielten die Amerikaner nichts“, sagt Wänke lächelnd, „das musste schon ein Safe mit Zahlenkombination sein.“ Verständlicherweise hatten die Wissenschaftler damals Wichtigeres im Kopf als diese Zahlenkombination – so kam es wie es kommen musste: Irgendwann war der Zettel mit dem Code verschwunden und der Safe konnte nur mit einigem Aufwand von einer Spezialfirma wieder geöffnet werden …

Wie ist der Mond entstanden?

„Geben Sie mir ein Stück Mond, und ich werde Ihnen sagen, wie unser Sonnensystem entstanden ist“, hatte der amerikanische Nobelpreisträger Harold C. Urey vor den Apollo-Flügen gesagt. Diese Hoffnung trog – nicht zuletzt deshalb, weil Steine und Staub von der Oberfläche keineswegs reiner Urstoff sind. Vielmehr hat sich der Mond im Laufe der Äonen durch Schmelzprozesse verändert, ist also nicht der geologisch primitive Himmelskörper, für den ihn die meisten Fachleute früher hielten.

Das Landschaftsbild des Erdtrabanten prägen Krater, die beim Absturz kosmischer Brocken entstanden. Lavaergüsse, wie sie nach der Kollision besonders großer Trümmer in der Kindheit des Mondes über die Oberfläche schwappten, formten die so genannten Meere. Außerdem pulverisiert das ständige Bombardement kleinerer Meteoriten das Gestein und legt eine meterdicke Staubschicht über den Mondboden. Dieses Regolith enthält nicht nur Sandkörner, sondern auch glasige Einschlüsse. In den Proben fanden die Forscher ein Dutzend Mineralien, vor allem Pyroxen, Plagioklas und Ilmenit.

Die wichtigste Frage aber lautete: Wie ist der Mond entstanden? Eine Altersbestimmung des Mondgesteins ergab, dass er nicht viel jünger als die Erde sein kann, also rund viereinhalb Milliarden Jahre. Überhaupt fiel eine große Verwandtschaft mit unserem Planeten auf: „Der Mond erschien uns wie ein Stück der Erde“, sagt Heinrich Wänke. Aus seinen Untersuchungen leitete der Wissenschaftler die Theorie ab, dass der Trabant tatsächlich von unserem Planeten stammt. Danach soll ein marsgroßer Himmelskörper die Urerde in einer Art Streifschuss getroffen haben. Der Zusammenstoß schleuderte große Mengen Material aus Kruste und Mantel in die Umlaufbahn – wo sich daraus der Mond bildete. „In den 1980er-Jahren haben Computersimulationen dieses Szenario bestätigt“, sagt Wänke.

Keine Chance für Verschwörungstheorien

Und noch etwas stellten die Analysen der Forscher klar: Die Amerikaner waren wirklich auf dem Mond! Denn neben den Apollo-Proben erhielten die Mainzer später auch Material von unbemannten russischen Sonden. „Die Proben beider Missionen stimmten so gut überein, dass dies der Theorie, die Amerikaner hätten die Landung in Hollywood-Studios inszeniert, den Todesstoß versetzte – es sei denn, die Russen haben mitgespielt“, sagt Friedrich Begemann, ehemals Direktor der Abteilung Isotopenkosmologie.

Den Mond in der Nase

Zurück ins Jahr 1969. An einem klaren Herbstabend kehrt Wänke damals aus dem Büro von MPI-Direktor Begemann zurück. Die beiden Wissenschaftler hatten dort Mondgestein in einem Mörser zerstäubt. Jetzt steht die volle Scheibe des Erdtrabanten am Himmel. Wänke sieht mit bloßem Auge das Mare Tranquillitatis und muss sich schnäuzen. Da stutzt er: Im Taschentuch sind zwei winzige dunkle Körnchen – Material vom Mond, eingeatmet während der Arbeit mit dem Stößel. „Das war ein Schreck, denn die NASA bestand darauf, über das Schicksal jedes einzelnen Stäubchens exakt Buch zu führen“, erklärt Wänke mit einem Schmunzeln. „Nach langem Nachdenken habe ich mich entschlossen, über meinen Fund doch kein Protokoll zu schreiben. Die Amerikaner wissen bis heute nichts davon."

Die NASA ist übrigens der rechtmäßige Eigentümer der Proben. Die letzten Krümel vom Mond gab das Max-Planck-Institut für Chemie im Herbst 2008 zurück – sofern nicht noch irgendwo ein Körnchen Mondgestein unbemerkt in der Nase eines Wissenschaftlers verschwunden ist. Die NASA hat jedenfalls im Frühjahr 2009 eine Bestätigung über den ordnungsgemäßen Erhalt der Proben geschickt.

Die im Text zitierten Wissenschaftler Heinrich Wänke und Friedrich Begemann sind mittlerweile verstorben.

* H. Hornung, Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, 80539 München

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