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Zusammenhang zwischen Geruchssinn und Hormonsystem Durch die Nase hormongesteuert

Redakteur: Christian Lüttmann

Ob man jemanden gut riechen kann oder nicht, kann auch etwas über sexuelle Anziehungskraft aussagen. Mit einer Studie an weiblichen Mäusen haben Forscher von der Uni des Saarlandes nun nachgewiesen, dass es Sinneszellen in der Nase gibt, die direkt mit dem eigenen Hormonspiegel gekoppelt sind und so das Verhalten beeinflussen – etwa das Interesse an Männchen.

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Ob eine Maus ihren Partner interessant findet, hängt auch vom Hormonpegel und dem darüber beeinflussten Geruchssinn des Weibchens ab (Symbolbild).
Ob eine Maus ihren Partner interessant findet, hängt auch vom Hormonpegel und dem darüber beeinflussten Geruchssinn des Weibchens ab (Symbolbild).
(Bild: gemeinfrei, Syl Pierce / Unsplash)

Saarbrücken – Vor einigen Jahren gab es eine kurze Welle an sehr ungewöhnlichen Dating-Konzepten: Partnersuchende bekamen dort statt Profilfotos Geruchsproben von den verschwitzten T-Shirts diverser Kandidaten. Der Gedanke: über den persönlichen Geruch sollte die Partnerwahl besonders zuverlässig gelingen. Da diese Form der Partnersuche sich nicht durchgesetzt hat, lässt sich erahnen, dass es allein aufs Riechen reduziert doch nicht so gut funktioniert. Aber völlig abwegig ist die Verbindung von Duft der wahrgenommenen Anziehung nicht. Zumindest zeigt eine neue Studie, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Geruchssinn und dem Hormonsystem gibt.

Wenn Mäuse sich beschnuppern

Die Studie hatte nichts mit etwaigen Dating-Konzepten zu tun, sondern untersuchte das Sozialverhalten von Mäusen. Schlüsselelement der Forschungsarbeit war das Hormon Prolaktin, welches die Produktion von Muttermilch bei weiblichen Säugetieren steuert.

Schon länger ist bekannt, dass Prolaktin das Brutpflegeverhalten steuert; das bedeutet, dass sich insbesondere die Mütter um den Nachwuchs kümmern. Nun haben Wissenschaftler um Ulrich Boehm, Professor für Experimentelle Pharmakologie an der Universität des Saarlandes, herausgefunden, dass es Sinneszellen in der Nase gibt, die das soziale Verhalten beeinflussen können – und zwar abhängig vom Prolaktin-Spiegel des Tieres.

Interesse an Männchen variiert mit Geruchssinn

Haben die Maus-Weibchen in der Studie männlichen Urin gerochen, der auch zur Kommunikation untereinander dient, zeigten sie je nach Prolaktin-Spiegel in ihrem Körper unterschiedliches Verhalten. Verantwortlich dafür ist laut den Wissenschaftlern eine bestimmte Untergruppe von Sinneszellen in der Nase, die empfindsam auf Prolaktin im weiblichen Körper reagieren. Fehlt diesen Zellen der Prolaktinsensor, verlieren die Weibchen das Interesse an den Männchen.

„Wir konnten außerdem feststellen, dass diese prolaktinempfindlichen Sinneszellen in der Nase fest mit dem Gehirn verbunden sind“, sagt Studienleiter Boehm. „Bislang war nur wenig darüber bekannt, wie das Gehirn den Geruchssinn und das endokrine System miteinander verbindet.“ Diese direkte Verbindung unterstreicht die Bedeutung des Mechanismus für das Verhalten und somit letztlich für das Überleben der Spezies. „Die Tiere müssen äußere Signale mit dem inneren hormonellen Zustand verbinden, um ein Verhalten zu zeigen, das für eine bestimmte physiologische Situation angemessen ist. Dies ist besonders wichtig bei weiblichen Tieren, die während ihres Lebenszyklus dramatisch schwankende Prolaktin-Spiegel aufweisen, was mit deutlichen Verhaltensänderungen einhergeht“, erklärt der Experte.

Originalpublikation: Aoki M, Gamayun I, Wyatt A, Grünewald R, Simon-Thomas M, Philipp S, Hummel O, Wagenpfeil S, Kattler K, Gasparoni G, Walter J, Qiao S, Grattan DR, Boehm U: Prolactin-sensitive olfactory sensory neurons regulate male preference in female mice by modulating responses to chemosensory cues, Science Advances, 8 Oct 2021, Vol 7, Issue 41; DOI: 10.1126/sciadv.abg4074

(ID:47731642)