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Kreative Tiere Erfinderische Riesen: Wenn Elefanten mit ihrer Stimme spielen

Autor / Redakteur: Alexandra Frey* / Dr. Ilka Ottleben

Elefanten sind dazu in der Lage, ungewöhnliche Laute zu erfinden und voneinander zu lernen. Das haben Forscher der Universität Wien in einer aktuellen Studie herausgefunden. Das Imitieren, aber auch das Kreieren von neuen Lauten bildet eine der Grundlagen für die Entwicklung einer Sprache.

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Angela Stöger bei der Datenaufnahme im Rahmen dieser Studie in Botswana.
Angela Stöger bei der Datenaufnahme im Rahmen dieser Studie in Botswana.
(Bild: © Natalia Cerqueira)

Wien/Österreich – Elefanten kommunizieren sehr viel und ausgiebig miteinander und spielen mit ihrer Stimme. Es kommt auch vor, dass sie Laute produzieren, die eigentlich nicht Teil ihres natürlichen Lautrepertoires sind. Angela Stoeger und Anton Baotic vom Department für Verhaltens- und Kognitionsbiologie der Universität Wien untersuchten nun drei Typen solcher ungewöhnlicher Laute bei Elefanten in Botswana und im Zoo von Dresden und verglichen sie mit einem riesigen Datensatz an schon vorhandenen gesammelten Lauten. Das faszinierende Ergebnis: Es handelt sich um Laute, die tatsächlich bisher nicht beschrieben wurden.

Elefanten: Kreative Stimmkünstler

Elefanten sind wahre Stimmkünstler und dabei sehr kreativ: Der Großteil der Laute bei Afrikanischen Elefanten befindet sich im tieffrequenten Infraschallbereich, es kommt aber auch vor, dass sie, ähnlich einem Papagei, Laute imitieren oder neu kreieren.

Die aktuelle Studie verglich die ungewöhnlichen Laute mit bereits seit 2003 gesammelten Daten. Dabei konnte festgestellt werden: Die Elefanten haben sie neu entwickelt und sich diese dann vermutlich voneinander „abgeschaut“. Die Tiere verwenden um die Laute zu produzieren auch nicht ihren Kehlkopf, sondern Muskeln des Rüssels oder auch des Mauls: sie saugen Luft durch die Rüsselspitze ein, um ein außergewöhnlich hochfrequentes Quietschen zu erzeugen, oder ziehen Muskeln an der Rüsselbasis immer wieder zusammen, wodurch sie pulsierende Laute mit niedriger Frequenz produzieren. Zudem zeigte sich, dass jeder Elefant für sich seine eigene, unverwechselbare Strategie zur Erzeugung dieser speziellen Laute entwickelt hat.

Rüssel und Maul helfen bei der Tonerzeugung

Besonders bemerkenswert ist ein sehr hochfrequenter Laut, ein Quietschen, welches bei Sawu, einer Elefantenkuh aus dem Zoo Dresden beobachtet wurde und eine Frequenz von 1800 Hz erreicht (im Vergleich, ihre tieffrequenten Rumbles liegen bei 16 Hz). Ein kleines Meerschweinchen quietscht bei maximal 1500 Hz Grundfrequenz.

In diesem Video können Sie Sawu zuhören:

Es ist für Sawu unmöglich diese Töne mit ihren massigen Stimmbändern zu erzeugen, daher verwendet sie dazu ihren Rüssel. Dabei presst sie ihre Rüsselspitze zusammen, verschließt einen Nasengang, saugt Luft über den anderen ein, und produziert so ihre hohen Quietscher - eine bis dato völlig unbekannte Weise der Schallproduktion bei Elefanten.

Angela Stoeger vom Department für Verhaltens- und Kognitionsbiologie der Universität Wien.
Angela Stoeger vom Department für Verhaltens- und Kognitionsbiologie der Universität Wien.
(Bild: Universität Wien)

„Wir konnten zeigen, wie kreativ Elefanten in der Schallerzeugung sind und wie sie ihre kognitive und motorische Flexibilität nutzen, um neue Laute zu erzeugen, Gehörtes zu imitieren, oder Vorhandenes zu modifizieren. Diese Fähigkeit macht Elefanten speziell: Sie sind in der Lage, Laute zu erlernen – eine Fähigkeit, die man außer bei uns Menschen nur bei wenigen anderen Tieren findet“, so Angela Stoeger.

Grundlage für die Entwicklung einer Sprache

Das Imitieren, aber auch das Kreieren von neuen Lauten bildet eine der Grundlagen für die Entwicklung einer Sprache. Die Erforschung dieser grundlegenden Eigenschaften bei verschiedenen Tiergruppen wie Papageien, Walen oder Elefanten wird auch zu einem besseren Verständnis der Evolution der menschlichen Sprache beitragen, die auf ähnlichen kognitiven Prozessen aufbaut.

Auch Poch-Geräusche umfasst das Stimm-Repertoire der Elefanten, z.B. das von Jabu und Morula. Die Forscher gehen davon aus, dass sie durch Kontraktionen der oberflächlichen Rumpfmuskulatur am oberen Nasenvokaltrakt erzeugt werden:

Mehr Videos von den ungewöhnlichen Lauten finden Sie im Zusatzmaterial zur

Originalpublikation: Stoeger, A.S.; Baotic, A.; Heilmann, G.:Vocal Creativity in Elephant Sound Production. Biology 2021, 10, 750. https://doi.org/10.3390/biology10080750 .

* A. Frey: Universität Wien, 1010 Wien/Österreich

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