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800 Hektar Wald, 700.000 Euro

Erstaunlich effizient: Mit Flughunden Afrikas Wälder aufforsten

| Autor / Redakteur: Dr. Harald Rösch* / Dr. Ilka Ottleben

Palmenflughunde lieben Früchte über alles, zum Beispiel Dattelpalmen und Mangos – oder wie in diesem Fall Zuckerpflaumen, die Früchte von Uapaca kirkiana... (Ausschnitt)
Palmenflughunde lieben Früchte über alles, zum Beispiel Dattelpalmen und Mangos – oder wie in diesem Fall Zuckerpflaumen, die Früchte von Uapaca kirkiana... (Ausschnitt) (Bild: © MPI f. Ornithologie / Christian Ziegler)

Dass Tiere Samen von Pflanzen verbreiten und damit zu intakten Ökosystemen beitragen, ist bekannt. Doch wie stark ist dieser Effekt tatsächlich und was nützt dies dem Menschen – auch finanziell? Das ist im Einzelfall schwer zu beziffern. Genau das haben Max-Planck-Forscher für den Palmenflughund nun getan.

Radolfzell/München – Wenn die Tiere am Abend zu ihren Fressplätzen aufbrechen, verdunkelt sich förmlich der Himmel: Eine einzelne Kolonie des Palmenflughundes (Eidolon helvum) kann aus mehreren hunderttausend Individuen bestehen. Tagsüber hängen die Fledertiere kopfüber in den Kronen alter Bäume und schlafen. Bei Sonnenuntergang werden sie aktiv und begeben sich auf Futtersuche.

Wenn die Tiere in Kolonien leben und die Konkurrenz um Futter groß ist, fliegen sie dabei bis zu 95 Kilometer weit zu geeigneten Futterbäumen und kehren erst am nächsten Morgen wieder an ihre Schlafplätze zurück. Unterwegs verteilen sie die Samen der gefressenen Früchte über große Gebiete mit ihren Ausscheidungen. Palmenflughunde besitzen eine Flügelspannweite von bis zu 80 Zentimetern und ernähren sich von Nektar und Früchten.

Auf diese Weise tragen die Flughunde zur Artenvielfalt der Wälder und deren genetische Diversität bei, denn gesunde Wälder können nur gedeihen, wenn Früchte-fressende Tiere wie Flughunde die Samen der Bäume über größere Entfernungen hinweg verbreiten. Dank des weiträumigen Transports durch die Fledertiere können junge Bäume in einer Umgebung ohne direkte Konkurrenz durch Artgenossen und auf sie spezialisierte Pflanzenfresser keimen und aufwachsen. Dadurch können selbst in gerodeten Gebieten neue Wälder entstehen.

Flughunde sind Langstreckenflieger – im Gegensatz zu anderen „Früchtefressern“

Dina Dechmann vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell erforscht mit ihren Kollegen aus Schweden und Ghana seit Jahren den in Afrika lebenden Palmenflughund. „Die meisten Früchte fressenden Tierarten verlassen die schützenden Baumkronen ihres Waldes nicht und verteilen deshalb Samen nur in einem kleinen Umkreis“, erzählt Dechmann. Der Palmenflughund dagegen überfliegt bei seiner nächtlichen Futtersuche Waldgrenzen, fliegt über offene Landschaften und kann die Samen der gefressenen Früchte bis zu 95 Kilometer weit verbreiten. Außerdem frisst er viele verschiedene Arten von Früchten und lebt in Kolonien von tausenden bis Millionen von Individuen.

Wie entscheidend die Verbreitung von Samen für gesunde Wälder ist, erklärt dieses Video (© MPI f. Ornithologie):

Die Forscher haben die Bewegungen der Palmenflughunde mit GPS-Sendern verfolgt und die nächtlichen Flugrouten aufgezeichnet. In Fütterungsexperimenten haben sie außerdem die Dauer gemessen, bis Samen nach der Verdauung verbreitet werden. Demnach scheiden die Tiere einen Teil der Samen erst relativ spät aus und begünstigen so deren Verbreitung über weite Strecken.

Rekordflieger, Bienen Afrikas, „Forstarbeiter“ ... mehr über das bewegte Leben der Flughunde erfahren Sie in diesem Video (© Max-Planck-Gesellschaft / Sandra Müller)

Ökologisch wie ökonomisch: Hoher Nutzen für den Menschen

Mithilfe der Daten über Flugbewegung und Ausscheidungszeit der Samen konnten die Forscher das Potential einer ganzen Kolonie berechnen, Samen über lange Strecken zu verteilen und in gerodete Gebiete zu transportieren. Auf diese Weise haben sie herausgefunden, dass eine Kolonie von 150.000 Palmenflughunden in einer einzigen Nacht über 300.000 Samen verteilen kann.

„Die Palmenflughunde verbreiten unter anderem schnell wachsende Bäume, die als Pionierarten die richtige Umgebung für das Ansiedeln und Wachsen weiterer Baumarten schaffen“, erklärt Dechmann. Dadurch könnten pro Jahr allein in Ghana 800 Hektar Wald wieder aufgeforstet werden. Der Gewinn, der dabei für die Bevölkerung durch essbare Früchte, erhöhte Bodenfruchtbarkeit und Holz entsteht, liegt rechnerisch bei über 700.000 Euro. Da die Palmenflughunde durch ganz Afrika migrieren, profitieren viele Gemeinden von ihren Dienstleistungen.

Palmenflughunde durch Jagd und Verlust von Lebensraum bedroht

Die Zahl der in Afrika lebenden Palmenflughunde geht jedoch immer weiter zurück. Die Tiere werden in großer Zahl gejagt und auf Märkten zum Essen angeboten. Aber auch die Abholzung großer Bäume, die die Tiere als Schlafplätze brauchen, bedroht die Bestände. „Das ist ein unglaublicher Verlust, denn die Palmenflughunde helfen mit beim Erhalt der Wälder in Afrika. Die Bevölkerung muss deshalb dringend über die Bedeutung der Palmenflughunde informiert werden“, sagt Dechmann. Mit gutem Beispiel voran geht dabei ein lokaler König in Kibi, einer Stadt im Süden Ghanas: Die Kolonie Palmenflughunde, die in seinem Garten lebt, hat er unter seinen persönlichen Schutz gestellt

Originalpublikation: Mariëlle L. van Toor, M. Teague O'Mara, Michael Abedi-Lartey, Martin Wikelski, Jakob Fahr, Dina K.N. Dechmann: Linking colony size with quantitative estimates of ecosystem services of African fruit bats. Current Biology; 1 April, 2019

* Dr. H. Rösch: Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V., 80539 München

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