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Laboranalytik Fehlervermeidung bei der Laboranalytik beginnt beim Patienten

| Autor/ Redakteur: Claudia Storm* / Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Unplausible Messwerte? Schnell gerät das Labor als Verursacher in Verdacht. Dabei passieren bei der Plasma- und Serumanalytik über 60% aller Fehler in der präanalytischen Phase, zu einem Zeitpunkt also, zu dem die Probe oft noch gar nicht im Labor angekommen ist.

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(Bild: Roche)

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit: Ein IVD-Test liefert nur dann richtige Werte, wenn die In-vitro-Probe die patientenindividuellen In-vivo-Verhältnisse repräsentativ widerspiegelt. Das Messergebnis kann demnach nur so gut sein, wie die Probe es zulässt. Auf dem Weg der Probe von der Blutentnahme – und sogar noch davor – bis auf das Analysesystem gibt es jedoch etliche Fehlerquellen.

Da in der Regel verschiedene Funktionsbereiche in die Präanalytik involviert sind, wird es kaum gelingen, den Gesamtprozess in einem ähnlich hohen Maß zu standardisieren wie die Analytik selbst – obwohl automatisierte präanalytische Lösungen innerhalb des Labors zweifellos zur Fehlervermeidung beitragen. Damit bleibt als beste Möglichkeit, bei allen Beteiligten das Bewusstsein für mögliche Fehlerquellen zu schärfen.

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Vielfältige Fehlerquellen

Die präanalytische Phase umfasst alle Vorgänge vor der eigentlichen Analyse bis zum Abschluss der Probenvorbereitung. Daran beteiligt sind

  • der Patient als „Probenlieferant“,
  • der Arzt, der die Anforderungen formuliert,
  • das Praxis- oder Pflegepersonal für die Blutentnahme und die Weiterleitung der Probenröhrchen,
  • teilweise Fahrdienste für den Transport der Probe zum Analysenort sowie
  • Labormitarbeiter zur Probenerfassung und -vorbereitung.

In der Verantwortung von Praxis bzw. Klinik liegt die Aufklärung des Patienten darüber, welche Faktoren Laborergebnisse verfälschen können und welche Verhaltensrichtlinien vor einer Blutentnahme sich daraus ergeben. Sie sind außerdem zuständig für die fachgerechte Probengewinnung sowie die Dokumentation werterelevanter Patientendaten. Diese Abläufe sind nur bedingt standardisierbar – für einen hohen Qualitätsstandard muss der Schwerpunkt daher auf Ausbildung und speziellen Schulungen liegen [4]. Innerhalb des Labors ist die präanalytische Automatisierung (vom Probeneingang über Sortierung, Zentrifugation, Decappen bis zum Laden der Racks) ein wichtiger Schritt, die Fehlerwahrscheinlichkeit zu reduzieren.

Der kaum standardisierbare Gesamtprozess ist der Grund dafür, dass ca. 62 % der insgesamt im IVD-Prozess auftretenden Fehler in der präanalytischen Phase passieren [9]. Die postanalytische Phase ist für 23 %, die Analytik dagegen für nur 15 % aller Irrtümer verantwortlich [1, 2].

Die gute Nachricht ist, dass die allermeisten präanalytischen Fehler vor der Messung von Labormitarbeitern erkannt werden [2]. Das betrifft beispielsweise Proben mit fehlendem oder falsch geklebtem Barcode, unterfüllte Röhrchen, Hämolyse oder nicht vollständig geronnene Serumproben. Ein weiterer Anteil fällt nach der Messung durch unplausible Ergebnisse oder Verlaufswerte auf.

Aber etwa 6 % der fehlerhaften Proben bleiben unentdeckt – mit potenziell weitreichenden Konsequenzen, wenn Patienten aufgrund des falschen Laborwertes falsch therapiert werden [4]. Die Gefahr für Patienten ist die eine Seite. Auf der anderen Seite generieren die Fehler darüber hinaus aber auch unnötige Kosten [3, 5].

Patientenbezogene Einflussgrößen verändern kurz- oder langfristig die Konzentration, Aktivität oder Beschaffenheit einer Messgröße in-vivo, also bereits vor und unabhängig von einer Blutentnahme. Sie sind immer methodenunabhängig (s. Tab. 1).

Für etliche Analyte ist z.B. die Zeitspanne zwischen Einflussfaktor und Blutabnahme relevant. Zwei Stunden nach einer Standardmahlzeit von 800 kcal zeigen GOT, GPT, Bilirubin, Phosphat, Glukose und Kalium einen Anstieg von 10-20 % [7, 8], fettreiches Essen erhöht die Triglyceridkonzentrationen [8]. Hoher Alkoholkonsum hemmt die hepatische Glukoneogenese, daher misst man zwei bis drei Stunden später mehr Harnsäure und Laktat, dagegen weniger Glukose [8]. Zigarettenkonsum unmittelbar vor der Blutentnahme erhöht CO-Hb um 15 % und Glukose bzw. Cortisol um 40 %. Die gleiche Auswirkung auf Cortisol haben 200 mg Koffein aus zwei Tassen Kaffee [7].

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