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Krankheitserreger und Pestizid-Rückstände

Frisch oder tiefgekühlt: Wie belastet ist Beerenobst?

| Autor / Redakteur: Nina Banspach* / Dr. Ilka Ottleben

Lebensmittel im Blickpunkt: Beerenobst kann auch Träger von Krankheitserregern sein. (Symbolbild)
Lebensmittel im Blickpunkt: Beerenobst kann auch Träger von Krankheitserregern sein. (Symbolbild) (Bild: gemeinfrei / Pixabay)

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BVL Bundesamt für Verbraucher- schutz und Lebensmittelsicherheit Dienststelle Berlin-Mitte

Frische Erdbeeren, Himbeeren oder Heidelbeeren. Der Sommer ist paradiesisch für Liebhaber von Beerenobst und den Winter überbrückt so manch einer davon mit entsprechenden Tiefkühlprodukten. Doch frische wie gefrorene Beeren können mit potenziell krankmachenden Keimen und Rückständen von Pflanzenschutzmitteln belastet sein. Wie stark, zeigen verschiedene Untersuchungsprogramme der Lebensmittelüberwachung.

Berlin, Braunschweig – Ob frische Erdbeeren, tiefgekühlte Himbeeren in sommerlichen Getränken oder Mischungen verschiedener Beeren auf Kuchen und Desserts – gerade im Sommer wird Beerenobst besonders häufig verzehrt. Beeren schmecken nicht nur lecker, in ihnen stecken auch viele Vitamine, Mineralien und Ballaststoffe. Beerenobst kann aber auch Träger von Krankheitserregern sein sowie Rückstände von Pflanzenschutzmitteln enthalten, wie Ergebnisse aus verschiedenen Untersuchungsprogrammen der Lebensmittelüberwachung zeigen.

Vor allem Erdbeeren können aufgrund ihres Kontaktes zum Erdboden unterschiedlich stark mit Mikroorganismen belastet sein. Neben für den Menschen ungefährlichen Keimen können auch Zoonoseerreger auf die Erdbeeren gelangen. Zoonoseerreger sind Krankheitserreger, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden und bei diesem Erkrankungen auslösen können. Die Tiere scheiden manche dieser Erreger über den Kot aus, was zu deren Verbreitung in der Umwelt und unter Umständen zu einer Kontamination von pflanzlichen Lebensmitteln führt.

Keimbelastung von Erdbeeren

Um die Belastung von frischen Erdbeeren mit Zoonoseerregern abzuschätzen, wurden im Jahr 2013 im Rahmen des vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) koordinierten Zoonosen-Monitorings insgesamt 825 Proben von Erdbeeren aus landwirtschaftlichen Erzeugerbetrieben und dem Einzelhandel auf das Vorkommen von Salmonella spp., Campylobacter spp., Listeria monocytogenes und shigatoxin-/verotoxinbildenden Escherichia coli (STEC/VTEC) untersucht.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass von frischen Erdbeeren nur ein geringes Risiko für eine Infektion des Menschen mit Zoonoseerregern ausgeht, da weder Salmonellen noch STEC/VTEC nachgewiesen wurden und nur einzelne Proben mit Campylobacter (0,3% positive Proben aus dem Einzelhandel) und Listeria monocytogenes (etwa 1% positive Proben aus Erzeugerbetrieben und dem Einzelhandel) belastet waren.

Viren in Tiefkühlkost

Tiefgefrorenes Beerenobst wird in großen Mengen importiert. Es wird insbesondere verwendet für die Herstellung von Produkten wie

  • Fruchtjoghurt,
  • Konfitüre,
  • Eiscreme oder
  • Backwaren

Mit Hepatitis-A-Viren oder Noroviren kontaminierte tiefgefrorene Beeren waren schon mehrfach Auslöser von lebensmittelbedingten Krankheitsausbrüchen. So etwa im Jahr 2012 in Deutschland, als tausende Kinder und Jugendliche erkrankten, nachdem sie in der Schulspeisung mit Noroviren belastete tiefgekühlte Erdbeeren aus China verzehrt hatten. Der Vorfall führte dazu, dass anschließend in die EU importierte Tiefkühl-Erdbeeren aus China verstärkt kontrolliert wurden.

Aufgrund entsprechender Meldungen im Schnellwarnsystem für Lebens- und Futtermittel werden bereits seit Oktober 2015 verstärkt tiefgekühlte Himbeeren aus Serbien beim Import in die EU auf Noroviren kontrolliert. Serbien liefert derzeit mehr als 60% der in die EU importierten tiefgefrorenen Himbeeren (ca. 40.000 t pro Jahr). Die Ergebnisse dieser verstärkten Kontrollen zeigen, dass immer wieder tiefgekühlte Himbeeren importiert werden sollen, die Noroviren enthalten. Ursachen einer Kontamination mit Noroviren können beispielsweise sein:

  • verunreinigtes Bewässerungswasser,
  • unsachgemäße Düngung oder
  • mangelnde Personalhygiene bei der Ernte und Weiterverarbeitung der Beeren

Das LABORPRAXIS-Dossier „Verbraucherschutz“ Pestizide im Lebensmittel, Mikroplastik in Zahnpasta, Hormone im Trinkwasser? Dank immer sensitiverer Analytik fallen Verunreinigungen in Alltagsprodukten häufiger auf als früher. Im LP-Verbraucherschutz-Dossier finden Sie Forschungsberichte zur Qualität unserer Lebensmittel und Ergebnisse aus weiteren verbraucherrelevanten Projekten.

Untersuchung von Lebensmitteln auf Noroviren und Hepatitis-A-Viren störanfällig

Im Rahmen des Zoonosen-Monitorings 2017, bei der Ware aus dem Einzelhandel untersucht wurde, wurden allerdings lediglich in einer von 432 Proben Tiefkühl-Himbeeren Noroviren und in keiner Probe Hepatitis-A-Viren nachgewiesen. Ähnliche Ergebnisse wurden auch im Rahmen des risikoorientierten Untersuchungsprogramms Bundesweiter Überwachungsplan (BÜp) im Jahr 2015 erzielt. Dort waren in einer Probe tiefgekühlter Erdbeeren von mehr als 150 untersuchter Proben Tiefkühlbeeren Noroviren nachgewiesen worden. Hepatitis-A-Viren wurden in keiner Probe gefunden.

Allerdings sind Untersuchungen von Lebensmitteln auf das Vorkommen von Noroviren und Hepatitis-A-Viren komplizierte und störanfällige Laboranalysen, bei denen der molekularbiologische Nachweis nicht in jedem Fall gelingt. Falsch negative Ergebnisse sind daher nicht ausgeschlossen.

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