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Analytica Forschungspreis 2010 Grundlegende Arbeiten zu Mikrochips und Zellanalytik ausgezeichnet

| Redakteur: Dr. Ilka Ottleben

Der Analytica Forschungspreis, vergeben durch die Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM) und Roche, geht in diesem Jahr an Prof. Dr. Petra S. Dittrich und Dr. Matthias Selbach für ihre Arbeiten auf den Gebieten von Mikrochips und Zellanalytik.

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Bei der feierlichen Preisübergabe von links: GBM-Präsident Prof. Dr. Nikolaus Pfanner, die Preisträger Dr. Matthias Selbach und Prof. Dr. Petra Dittrich sowie Dr. Bodo Eickhoff, Marketing-Leiter bei Roche Applied Science
Bei der feierlichen Preisübergabe von links: GBM-Präsident Prof. Dr. Nikolaus Pfanner, die Preisträger Dr. Matthias Selbach und Prof. Dr. Petra Dittrich sowie Dr. Bodo Eickhoff, Marketing-Leiter bei Roche Applied Science
( Bild: LaborPraxis )

München - Die beiden Wissenschaftler Prof. Dr. Petra S. Dittrich (36), Laboratorium für Organische Chemie an der ETH Zürich, und Dr. Matthias Selbach (39), Arbeitsgruppe „Zelluläre Signalwege und Massenspektrometrie“ am Max-Delbrück-Centrum, Berlin-Buch, sind am Abend des ersten Messtages mit dem Analytica Forschungspreis 2010 ausgezeichnet worden. Die beiden Forscher teilen sich den mit insgesamt 50000 Euro dotierten Wissenschaftspreis für ihre grundlegenden Arbeiten auf den Gebieten von Mikrochips und Zellanalytik. Vergeben wird der Preis von der Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM) und Roche, die mit der Auszeichnung neue methodische Entwicklungen und neue wissenschaftliche Erkenntnisse auf dem Gebiet der molekularen, biologischen sowie biochemischen Analytik anerkennen. „Darüber hinaus ist der Preis auch als Stärkung für den Wissenschaftsstandort und die Forschung in Deutschland zu verstehen“, betont Dr. Johannes Ritter, Leiter Kommunikation Roche Penzberg. Die Preisträger wurden durch eine Jury, bestehend aus Vertretern der GBM und von Roche, ausgewählt und im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz vorgestellt.

Roche ist als innovatives Gesundheitsunternehmen an der Entwicklung von neuen Konzepten und Technologien sehr interessiert“, begründet Dr. Gerd Grenner, Chief Technology Officer Diagnostics, Roche Basel, das Engagement von Roche bei der Vergabe des Analytica Forschungspreises. „Die beiden Preisträger verkörpern die Ansprüche, die wir an die moderne medizinische Forschung stellen. Über mehrere Fachdisziplinen hinweg denken und arbeiten, neue Wege gehen aber dabei nie das Ziel aus dem Auge verlieren.“

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Scheckkartengroße Chips mit miniaturisierten Laborkomponenten

Die Chemikerin Prof. Dr. Petra Dittrich entwickelt scheckkartengroße Chips mit miniaturisierten Laborkomponenten und nutzt dazu Methoden der Mikro- und Nanotechnologie. Ziel ihrer Arbeit sind Lab-on-a-Chip-Systeme, die alle Funktionen eines großen Labors auf einem Kunststoffträger integrieren, um auch komplexe Analysen simultan vornehmen zu können. „Das könnte vielleicht einmal das lange Warten auf Laborwerte überflüssig machen, weil Blutproben oder Proben anderer Körperflüssigkeiten direkt vor Ort in der Arztpraxis analysiert und ausgewertet werden können“, erklärt die Wissenschaftlerin. Die winzigen Reaktionsplattformen eignen sich auch für die Grundlagenforschung. So arbeitet Petra Dittrich derzeit an einem Chip, auf dem einzelne Zellen aufgebracht werden können, um grundlegende Prozesse und Reaktionsmechanismen von hochkomplexen Systemen wie einer lebenden Zelle zu simulieren und zu verstehen.

Wie Zellen die Proteinbiosynthese steuern

Der Biologe Dr. Matthias Selbach, Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin, Berlin-Buch, erforscht, wie Zellen die Proteinbiosynthese steuern. Mit einer neuen Markierungsmethode, dem „pulsed SILAC-Verfahren“, hat er gezeigt, dass so genannte Mikro-Ribonukleinsäuren (microRNAs) die Proteinproduktion in der Zelle entscheidend beeinflussen. Der Wissenschaftler und sein Team haben dazu Aminosäuren, die Bausteine der Proteine, mit stabilen Isotopen markiert. Die Zellen bauen die markierten Aminosäuren daraufhin in die Proteine ein. Anschließend ist es möglich, die Proteinsynthese mithilfe eines Massenspektrometers zu quantifizieren. „Unser Ziel ist es, grundlegende Lebensprozesse auf Proteinebene zu verstehen“, sagt Matthias Selbach. „Und es würde uns freuen, wenn sich daraus bald konkrete diagnostische und therapeutische Anwendungen ergeben könnten, so beispielsweise bei unterschiedlichen Krebserkrankungen.“ Die microRNAs sind sehr kleine RNAs, die aus nur knapp zwei Dutzend Nukleotid-Bausteinen bestehen. Sie können sich an komplementäre Abschnitte einer Boten-Ribonukleinsäure anlagern und verhindern, dass das jeweilige Protein aufgebaut wird. Sie entscheiden also, welche Proteine produziert werden. „Besonders faszinierend an den Arbeiten von Herrn Dr. Selbach ist die Erkenntnis, dass eine einzelne microRNA hunderte von Proteinen regulieren kann“, betont, Dr. Grenner.

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