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Pflanzliche Migräneprophylaxe Ingwer gegen Migräne? Was hilft und was nicht

| Autor / Redakteur: Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener / Christian Lüttmann

Kopfschmerzen sind eine Sache, Migräne eine völlig andere. Gegen die schweren Migräneanfälle gibt es neben zahlreichen Pharmazeutika auch viele Hausmittel. So sagt man etwa Ingwerextrakt eine vorbeugende Wirkung nach. Ob das stimmt und welche Naturheilmittel wissenschaftlich bewiesen gegen Migräne helfen sollen, verrät dieser Beitrag.

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Ingwer soll angeblich Migräne vorbeugen. Ob das stimmt, haben brasilianische Forscher überprüft (Symbolbild).
Ingwer soll angeblich Migräne vorbeugen. Ob das stimmt, haben brasilianische Forscher überprüft (Symbolbild).
(Bild: gemeinfrei, congerdesign / Pixabay )

Berlin, Minas Gerais/Brasilien – Laut Angaben der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft [1] leiden ca. 10-15% der Bevölkerung an Migräne. Im Erwachsenenalter sind Frauen etwa dreimal häufiger betroffen als Männer. Brasilianische Forscher haben nun in einer doppelblinden Placebo-kontrollierten Studie die Wirksamkeit von Ingwerextrakt zur Prophylaxe von Migräneanfällen untersucht.

Die medikamentöse Migräne-Prophylaxe erfolgt üblicherweise mittels Betablocker, Kalziumkanal-Blocker, Antikonvulsiva oder Botulinumtoxin. Bleiben all diese Maßnahmen wirkungslos, können gemäß neuer Leitlinienergänzung [2] auch moderne Antikörper zum Einsatz kommen. Letztere gehen mit relativ wenigen Nebenwirkungen einher, haben aber das Manko, dass fast ein Drittel der Migränepatienten von vornherein gar nicht auf sie anspricht.

Patienten fürchten Nebenwirkungen

Die herkömmlichen Substanzklassen führen zu verschiedenen Nebenwirkungen, die oft die Therapietreue der Patienten beeinträchtigen. Bei etwa 38% der Betroffenen wäre eine Therapie zur Prophylaxe von Migräneanfällen aus medizinischer Sicht angeraten, aber nur drei bis dreizehn Prozent unterziehen sich einer solchen Therapie, wie eine Studie aus dem Vorjahr zeigt [3].

„Patienten fürchten Nebenwirkungen. Sanfte, nicht-medikamentöse Maßnahmen als Alternative zur medikamentösen Migräneprophylaxe stehen hoch im Kurs“, sagt DGN-Pressespecher Prof. Dr. Hans-Christoph Diener. „Es macht daher Sinn, pflanzliche Präparate für die Migräneprophylaxe zu untersuchen.“

Ingwer als Migräne-Blocker?

Seit langem ist bekannt, dass Ingwer einen schmerzstillenden Effekt hat, weshalb eine brasilianische Studie in einem doppelblinden Placebo-kontrollierten Design ein Ingwerextrakt testete. Es nahmen 107 Patienten mit episodischer Migräne im Alter zwischen 18 und 60 Jahren teil, die ansonsten keine prophylaktische Therapie erhielten. Sie bekamen über drei Monate entweder das Ingwerextrakt oder ein Placebo.

Wie sich zeigte, war das Ingwerextrakt gegenüber dem Placebo jedoch nicht überlegen – insgesamt war in beiden Gruppen aber ein Rückgang der Migränetage mit starken Schmerzen um etwa 40% festzustellen, ebenso wie ein verminderter Schmerzmittelgebrauch zur Behandlung der Attacken.

Diese Naturmittel sollen nachweislich gegen Migräne helfen

Wie der DGN-Pressesprecher Diener ausführt, gäbe es bislang nur zwei Naturheilmittel mit nachgewiesener migräneprophylaktischer Wirkung: Pestwurzextrakt (Petadolex) und Mutterkraut. Pestwurzextrakt ist in Deutschland als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich. Mutterkraut war – als Extrakt aus einer CO2-Extraktion – in Studien untersucht worden und hatte sich als wirksam erwiesen. Doch in dieser Extrakt-Form wird Mutterkraut in Deutschland nicht vertrieben und der Einsatz anderer Formen wurde nicht geprüft und kann daher nicht empfohlen werden.

Erfolgreich im Hinblick auf die Schwere der Migräneattacken (wenn auch nicht auf die Häufigkeit), sei die Kombination von Vitamin B2, Magnesium und Coenzym Q10, das hatte bereits 2015 eine randomisierte Multicenterstudie aus Deutschland gezeigt [4].

Eine Präventivmaßnahme ohne Nebenwirkungen

Professor Dr. Peter Berlit, Generalsekretär der DGN, fasst zusammen: „Viele naturheilkundliche Mittel haben bisher enttäuscht und können eine medikamentöse Prophylaxetherapie nicht ersetzen. Es gibt aber eine nichtmedikamentöse Maßnahme, die nachweislich Wirkung hat, keine Nebenwirkungen, auch in den Leitlinien verankert ist, aber von Patienten häufig nicht genügend berücksichtigt wird: Regelmäßiger Ausdauersport kann die Anfallsfrequenz bei Menschen mit Migräne senken. Wir möchten Patienten ermuntern, das Potenzial dieser nachweislich wirksamen Intervention voll auszuschöpfen.“

Originalpublikation: C. Abel et al.: Measurement of the permanent electric dipole moment of the neutron, Phys. Rev. Lett. 124, 081803 – Published 28 February 2020; DOI: 10.1103/PhysRevLett.124.081803

Literatur

[1] Broschüre Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um den Kopfschmerz (DMKG)

[2] Diener H.-C., May A. et al., Prophylaxe der Migräne mit monoklonalen Antikörpern gegen CGRP oder den CGRP-Rezeptor, Ergänzung der S1-Leitlinie Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne, 2019, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie.

[3] Ha H, Gonzales A. Migraine headache prophylaxis. Am Fam Physician 2019; 99:17-24

[4] Gaul C, Diener HC, Danesch U et al. Improvement of migraine symptoms with a proprietary supplement containing riboflavin, magnesium and Q10: a randomized, placebo-controlled, double-blind, multicenter trial. J Headache Pain. 2015; 16: 516; DOI: 10.1186/s10194-015-0516-6.

* Prof. Dr. med. H.-C. Diener, Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, 99423 Weimar

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