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App gegen Lebensmittelverschwendung

Ist das Mindesthaltbarkeitsdatum entscheidend?

| Redakteur: Marc Platthaus

Ein neues Projekt, das vom BMBF unterstützt wird, soll das Wegwerfen von Lebensmitteln verringern.
Ein neues Projekt, das vom BMBF unterstützt wird, soll das Wegwerfen von Lebensmitteln verringern. (Bild: Copyright (C) Andrey Popov)

Allein in Deutschland werden jedes Jahr mehrere Tonnen Lebensmittel weggeschmissen. Grund: Das angegebene Mindesthaltbarkeitsdatum war überschritten. Mithilfe einer App, die ein dynamisches Haltbarkeitsdatum erstellt, können Verbraucher die Lebensmittelverschwendung verringern.

Berlin – Über 11 Millionen Tonnen Lebensmittel landen in Deutschland jedes Jahr im Müll. Zum Vergleich: Das ist in etwa so, als würde man die Ladung des größten Containerschiffs der Welt mehr als 57 Mal vernichten. Besonders erschreckend ist, dass ein Teil dieser Lebensmittel noch bedenkenlos verzehrt werden könnte. Sie haben eigentlich nur ein Problem: Das Mindesthaltbarkeitsdatum wurde überschritten. Aus Unwissenheit über den tatsächlichen Zustand und Angst um ihre Gesundheit entscheiden sich dann viele Menschen für die vermeintlich sichere Lösung: Die Mülltonne.

Wie frisch sind die Lebensmittel wirklich?

Diese Lebensmittelverschwendung brachte Forschende im Projekt „FreshIndex“, das vom Bundesforschungsministerium gefördert wird, auf eine Idee. Sie wollten genau wissen, wie frisch und wie lange verzehrbar Lebensmittel sind, deren Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Dafür haben sie ein dynamisches Haltbarkeitsdatum (DHD) entwickelt: In einer App können Verbraucher so jederzeit sehen, wie frisch ihre Lebensmittel wirklich sind.

Die Dynamik kommt ins Spiel, indem jede Menge Daten in das neue Haltbarkeitsdatum einfließen: Wie wurde das Produkt hergestellt? Bei welcher Temperatur wurde es gelagert und transportiert? Welchen Hygiene- und Lagerbedingungen war das Produkt auf der Lieferkette ausgesetzt? Vom Produzenten bis zum Käufer: All diese Daten werden erfasst und in der „FreshIndex-Cloud“ – einer eigenen Big Data-Lösung – gesammelt. Anhand mathematischer Algorithmen und der Modellierung mikrobiologischer Prozesse wie etwa des Bakterienwachstums kann die App dann das DHD berechnen.

Verderbslimit erreicht – Finger weg!

Bis zum DHD ist das Produkt in einwandfreiem Zustand. Erst danach sind die ersten Anzeichen des Verfalls sichtbar: Aussehen, Textur oder Geruch sind nicht mehr wie gehabt dennoch kann das Produkt weiterhin verzehrt werden. Zusätzlich gibt die App auch ein dynamisches Verderbslimit (DVL) an. Ab diesem Zeitpunkt gilt: Finger weg! Darüber hinaus bietet die FreshIndex App den Kunden Informationen zum Hersteller, Produkt, zur Nachhaltigkeit und Lebensmittelsicherheit. Dies erhöht das Vertrauen und die Transparenz und bietet dem Handel eine verlässliche Datenbasis für Verbesserungen innerhalb der Lebensmittellieferkette.

Wie frisch ist das Essen wirklich? Das zeigt die Fresh-Index-App an.
Wie frisch ist das Essen wirklich? Das zeigt die Fresh-Index-App an. (Bild: tsenso GmbH)

„900.000 Tonnen Lebensmittel im Wert von 1,5 Milliarden Euro könnte unsere App in Europa vor der Mülltonne bewahren. Das hat eine erste interne Analyse des Wirkungspotenzials ergeben“, berichtet Matthias Brunner, Initiator des Verbundprojekts und Gründer der tsenso GmbH. Das Startup ist in dem Projekt federführend für die Temperatursensorik und Datenanalyse verantwortlich.

Das LABORPRAXIS-Dossier „Verbraucherschutz“ Pestizide im Lebensmittel, Mikroplastik in Zahnpasta, Hormone im Trinkwasser? Dank immer sensitiverer Analytik fallen Verunreinigungen in Alltagsprodukten häufiger auf als früher. Im LP-Verbraucherschutz-Dossier finden Sie Forschungsberichte zur Qualität unserer Lebensmittel und Ergebnisse aus weiteren verbraucherrelevanten Projekten.

Qualität und Lagermanagement verbessern

„Aber nicht nur die Kunden profitieren vom FreshIndex“, ist sich Brunner sicher. „Auch die Produzenten und Händler können mit dem FreshIndex die Lebensmittelsicherheit erhöhen. So werden sie über Auffälligkeiten informiert und können dadurch ihre Qualität und ihr Lagermanagement verbessern. Die Verwendung von Echtzeitdaten ermöglicht dem Handel, die Lebensmittelverschwendung entlang der Lieferkette zu reduzieren“, so der Startup-Gründer.

Hier gibt es mehr zum Frischeindex-Projekt.

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