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Energieeffiziente Laborgebäude Ist der Passivhausstandard bei Laborgebäuden wirtschaftlich?

| Autor / Redakteur: Tino Born* / Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Bei der Planung energieeffizienter Gebäude wird häufig die Anwendung und Umsetzung von Passivhauskriterien gefordert. Diese durchaus sinnvollen Kriterien und Randbedingungen können jedoch in Bezug auf Laborgebäude nicht zielführend angewendet werden.

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Abb. 1: Auch im Labor ist ein optimaler Energieverbrauch gefragt.
Abb. 1: Auch im Labor ist ein optimaler Energieverbrauch gefragt.
(Bild: Carpus + Partner/Jörg Stanzick)

Die Nutzungsspezifik von Laborgebäuden erschwert die Einhaltung bedarfsorientierter Kriterien erheblich und ist außerdem mit hohen Aufwendungen verbunden. Die Umsetzung des Dämmstandards von Passivhäusern kann sich sogar kontraproduktiv auswirken. Ein Vergleich der wesentlichen Charakteristika von Passivhäusern und Laborgebäuden zeigt deutlich, dass die Realisierung des Passivhausstandards nicht grundsätzlich zu einer erhöhten Energieeffizienz führen muss und dass die Einhaltung der Energiebedarfskennwerte bei Laborgebäuden nicht ohne Weiteres möglich ist. Der Umsetzbarkeit sind klare Grenzen gesetzt.

Als Passivhäuser bezeichnet man Gebäude, in denen aufgrund besonders effizienter Wärmedämmung allein durch Nachheizen oder Nachkühlen des Frischluftvolumenstroms thermische Behaglichkeit entsteht (s. Abb. 2). Die aktive Nutzung einer klassischen Gebäudeheizung ist deshalb nicht notwendig. Um Gebäude hinsichtlich dieser Bedingung einschätzen zu können, wurde ein Standard definiert, der den Anspruch an Passivhäuser in konkrete Ziel- und Grenzwerte übersetzt und auch der Orientierung im täglichen Planungsgeschehen dient.

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Vom Passivhausstandard und Primärenergiebedarf

Der Standard wurde aus dem Wohnungsbau abgeleitet und beschreibt für Gebäude in kühlgemäßigtem Klima z.B. einen Heizwärmebedarf von 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr (kWh/(m²a)) und einen maximalen Primärenergiebedarf von 120 kWh/(m²a). Zur Erläuterung: Primärenergie ist in den natürlichen Energieträgern oder -quellen gebunden. Um sie zu nutzen, zu speichern oder zu transportieren, muss sie in Sekundärenergie umgewandelt werden. Da mit der Umwandlung – z.B. in Heizwärme – unvermeidbar Energieverluste verbunden sind, ist die für den Verbraucher verfügbare Endenergie geringer, als eine theoretische direkte Nutzung der Primärenergie, die jedoch häufig nicht möglich oder sinnvoll ist.

Um die unterschiedlichen Arten von Primärenergie – mit ihren verschiedenen Eigenschaften in Versorgungssicherheit und Klimaschädlichkeit – vergleichbar zu machen, wurden den Energieträgern entsprechende Primärenergiefaktoren zugeordnet. Mit diesen Gewichtungsfaktoren wird der tatsächliche Bedarf an Energie multipliziert, um so den Primärenergiebedarf – für Passivhäuser bei maximal 120 kWh/(m²a) festgelegt – zu ermitteln.

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