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Geologie, aber extraterrestrisch Mars-Meteorit offenbart feuchte Vergangenheit

Quelle: Pressemitteilung Paul-Scherrer-Institut (PSI) 5 min Lesedauer

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Der Mars wirkt nicht sonderlich lebensfreundlich. Doch viele Messungen deuten darauf hin, dass es einst Wasser dort gab. Eine neue Studie hat nun mittels Neutronen- und Röntgentomografie den Meteoriten „Black Beauty“ durchleuchtet und wasserstoffreiche Stellen im Inneren gezeigt – Hinweise auf frühe Wasser-Gesteins-Reaktionen auf dem Mars.

Heute wirkt der rote Planet trocken und staubig. Doch ein Blick in ein Stück Marsmeteorit zeigt: Wasser prägte die Kruste des Planeten schon sehr früh.(Bild:  © rtype – stock.adobe.com)
Heute wirkt der rote Planet trocken und staubig. Doch ein Blick in ein Stück Marsmeteorit zeigt: Wasser prägte die Kruste des Planeten schon sehr früh.
(Bild: © rtype – stock.adobe.com)

Der rote Planet war nicht immer die staubige Wüste, als die er sich uns heute präsentiert. Unser Nachbar barg einst Wasser: Daten von Raumsonden und Rover-Messungen deuten darauf hin, dass es sogar an der Oberfläche floss. Heute kommt es vor allem als chemisch gebundener Wasserstoff in Mineralen im Gestein vor.

Wie alt diese wasserstoffhaltigen Minerale sind und wo und in welcher Konzentration sie vorkommen, ist bislang jedoch nur ansatzweise verstanden. Dabei wären solche Details entscheidend, um die frühe Umwelt des Mars besser zu verstehen und damit auch seine mögliche damalige Bewohnbarkeit einzuordnen.

Meteorit durchleuchtet, mit Röntgen- und Neutronenstrahl

In einer interdisziplinären Kollaboration ging ein Forschungsteam aus Dänemark, Schweden und der Schweiz dem Wasser auf dem Mars nach – nicht auf dem Mars selbst, sondern in einem Stück Marsgestein, das vor vielen Millionen Jahren auf die Erde geschleudert wurde: NWA 7034 – besser bekannt als „Black Beauty“. Der rund 320 Gramm schwere Gesteinsbrocken enthält Material, das bis zu 4,48 Milliarden Jahre alt ist – und zählt damit zu den ältesten bekannten Fragmenten der Marskruste.

Zwar enthält dieser Marsmeteorit kein flüssiges Wasser. Doch wenn Wasser mit Gestein reagiert, hinterlässt es chemische Spuren – etwa veränderte Eisenverbindungen oder hydratisierte Minerale. Genau solche Spuren von vergangenen Kontakt mit Wasser wollten die Forschenden im Innern der Probe sichtbar machen.

Dafür kombinierte das Team zwei komplementäre bildgebende Verfahren: Neutronen- und Röntgentomografie. Die Neutronenmessungen fanden an der Schweizer Spallations-Neutronenquelle SINQ am Paul-Scherrer-Institut (PSI) statt. „Neutronen sind besonders empfindlich für Wasserstoff“, erklärt PSI-Wissenschaftler David Mannes, der zusammen mit Anders Kaestner die Neutronentomografie am PSI durchgeführt hat. „In Kombination mit der Röntgentomografie konnten wir damit nicht nur winzige hydratisierte Minerale nachweisen, sondern erstmals auch größere, makroskopische Wasserstoffvorkommen sichtbar machen.“ Die wasserstoffreichen Signaturen finden sich in sehr altem Marsgestein und treten in klar abgrenzbaren, makroskopischen Bereichen auf. Daraus lässt sich folgern, dass Wasser bereits früh mit der noch jungen Marskruste reagierte.

Blick ins Innere der „Schwarzen Schönheit“

Bereits in früheren Studien wurden Proben des Black-Beauty-Marsgesteins aufwendig untersucht. Eine erste Abschätzung seines Wassergehalts erfolgte durch kontrolliertes Erhitzen des Meteoriten und der Analyse des dabei freigesetzten Wassers. In späteren Arbeiten untersuchten Forschende mikrometergroße Dünnschliffe unter dem Mikroskop, um die Mineralogie im Detail zu erfassen. All diese Studien kamen zu einem ähnlichen Schluss: „Black Beauty“ ist voller Wasser – zumindest voller Spuren davon.

Das Problem solcher Untersuchungen war jedoch, dass sie entweder nur quantitative Aussagen zum Gesamtwassergehalt lieferten oder sich bloß auf kleine, lokale Bereiche im Gestein beschränkten. Ein Bild über die räumliche Verteilung der hydratisierten Minerale im gesamten Meteoriten ergab sich daraus nicht.

Genau hier setzt die neue Studie an: Das internationale Team kombinierte erstmals Neutronen- und Röntgentomografie, um einen zusammenhängenden Abschnitt des Meteoriten dreidimensional und zerstörungsfrei zu durchleuchten. „Der 12 x 8 x 2 Millimeter große Abschnitt von ‚Black Beauty‘ kam via Paketdienst von Kopenhagen in die Schweiz“, erzählt PSI-Wissenschaftler Kaestner. „Hier platzierten wir die Probe in unserer Strahllinie und rekonstruierten mithilfe von Neutronen dessen Inneres.“

Die Zeitkapsel aus der Marskruste

Röntgenstrahlen eignen sich besonders gut, um die Verteilung schwererer Elemente wie Silizium oder Eisen sichtbar zu machen. Leichte Elemente wie Wasserstoff liefern dagegen in dichtem Gestein kaum Kontrast. „Als wir uns die Röntgentomografie des Meteoriten angeschaut hatten, sahen wir bereits viele größere ‚Löcher‘ im ansonsten dichten Gestein“, beschreibt Kaestner. „Erst mit der Neutronentomografie konnten wir schließlich zeigen, dass diese Löcher nicht leer sind, sondern wasserstoffhaltiges Material enthalten.“

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Um diese Wasserstoffsignaturen zu verstehen, muss man sie zuerst in einen geologischen Kontext setzen: Bei „Black Beauty“ handelt es sich nämlich nicht um ein simples, homogenes Gesteinsstück, sondern um ein Patchwork aus sehr alten Krustenfragmenten. In der Geologie sprechen wir von einer so genannten Brekzie, erklärt Marsgeologin Katrine Wulff Nikolajsen von der Universität Kopenhagen, die als Mitautorin und Marsexpertin an der Studie beteiligt war. „Ein Konstrukt, das aus Trümmern verschiedener geologischer Zeitabschnitte besteht und das wie mit einem Gesteinsbeton zusammengebacken wurde.“

Rückschlüsse auf Wasser im Marsgestein

Die komplexe Komposition von „Black Beauty“ ist auf mehrere gewaltige Meteoriteneinschläge auf dem roten Planeten zurückzuführen. „Bei solchen Ereignissen wird enorm viel Energie ins System eingebracht“, sagt Wulff. „Gestein aus verschiedenen Schichten wird aufgewühlt, zerbrochen, teilweise aufgeschmolzen und neu vermischt.“ Ein finaler Einschlag versorgte die Brekzie schließlich mit so viel Energie, dass sie das Gravitationsfeld des Mars überwinden und ihre Reise zur Erde antreten konnte.

Was als „Black Beauty“ in der marokkanischen Sahara niederging, ist also eine Art geologische Zeitkapsel, die Material aus unterschiedlichen Epochen der Marskruste enthält – darunter die ältesten uns bekannten Gesteinsproben vom roten Planeten. „Mit unseren beiden Analysemethoden stellten wir fest, dass die hydratisierten Spuren nicht homogen in der Probe verteilt sind, sondern als konzentrierte, makroskopische Hotspots auftreten“, erläutert die Geologin. „Diese Hotspots treten vor allem in uralten Gesteinsfragmenten auf – sie machen rund elf Prozent des gesamten Wassergehalts der untersuchten Probe aus.“

David Mannes (l.) und Anders Kaestner an der Schweizer Spallations-Neutronenquelle SINQ am PSI. Mit Neutronen durchleuchteten sie ein Stück des Marsmeteoriten „Black Beauty“ und konnten damit erstmals makroskopische wasserstoffreiche Bereiche sichtbarmachen.(Bild:  Paul Scherrer Institut PSI/Markus Fischer)
David Mannes (l.) und Anders Kaestner an der Schweizer Spallations-Neutronenquelle SINQ am PSI. Mit Neutronen durchleuchteten sie ein Stück des Marsmeteoriten „Black Beauty“ und konnten damit erstmals makroskopische wasserstoffreiche Bereiche sichtbarmachen.
(Bild: Paul Scherrer Institut PSI/Markus Fischer)

Daraus lässt sich schließen, dass Wasser bereits sehr früh in der Geschichte des roten Planeten vorhanden gewesen sein muss. Durch energiereiche geologische Prozesse – etwa vulkanische Aktivität oder Impaktereignisse – könnte dieses Wasser mit dem Gestein reagiert und in Form hydratisierter Minerale konserviert worden sein. „Solche Prozesse beobachten wir auch auf der Erde“, sagt Marsgeologin Wulff.

Die Studie liefert damit nicht nur neue Einblicke in die frühe Marsgeschichte, sondern auch einen methodischen Durchbruch: Erstmals lässt sich Wasserstoff in Marsgestein dreidimensional und zerstörungsfrei kartieren. Zwar wurde nur ein 12 x 8 x 2 Millimeter großer Abschnitt untersucht, doch das Verfahren ließe sich auch auf größere Proben anwenden – und könnte künftig eine wichtige Rolle spielen, wenn Gesteinsproben von Marsmissionen oder anderen Himmelskörpern zur Erde zurückgebracht werden.

Originalpublikation: Estrid Buhl Naver et al.: Direct detection of hydrogen reveals a new macroscopic crustal water reservoir on early Mars, Geophysical Research Letters, Volume 53, Issue 16, 28 August 2026; DOI: 10.1029/2026GL121841