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Medizinischer Apparatebau Medizinischer Apparatebau – Spezielle Lösungen für grundlegende Fragestellungen

Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Es kommt immer häufiger vor, dass die Forschungsarbeit in Biologie, Medizin und Pharmakologie vor einem typischen Problem steht: Das marktübliche technische Standard-Equipment entspricht nicht den spezifischen Anforderungen. Wie man bei Hugo Sachs – Harvard Apparatus auf diese Anforderungen reagiert, erläutern Geschäftsführer Roger Zink und Applikations-Ingenieur Thomas Beha im LP-Interview.

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LaborPraxis: Vor fast fünfzig Jahren wurde das Unternehmen Hugo Sachs Elektronik gegründet. Seit zehn Jahren gehört man zum Konzernverbund von Harvard Bioscience. Herr Zink, was hat sich seitdem verändert?

Zink: In den Anfängen entwickelte man überwiegend spezifische Elektronik-Bauteile für die Medizin. 1963 brachte man das weltweit erste portable Elektrokardioskop mit integrierten Elektroden auf den Markt. Kurz darauf entstand die Produktgruppe „Biologische Forschung“ mit einer breiten Palette von Messwertaufnehmern und Verstärkern. Ein besonderer Höhepunkt war die Entwicklung des damals revolutionären Beatmungsgerätes für Mäuse MiniVent im Jahr 1998. Als Mitglied der Firmengruppe hat sich unser Portfolio natürlich deutlich erweitert. Wir haben nun den Vertrieb für Geräte und Apparaturen aller Harvard-Bioscience-Firmen im deutschsprachigen Raum, den Niederlanden, in Zentral- und Ost-Europa übernommen. Zum Produktportfolio gehören jetzt z. B. PräzisionsSpritzenpumpen, Beatmungsgeräte, Apparaturen für Verhaltensforschung, Physio-logie, Atmungs- und Kreislaufforschung, Perfusionskammern für Zellkulturen, Systeme für Elektropora-tion und Elektrofusion.

LaborPraxis: Neben dem Vertrieb wird bei Hugo Sachs in Deutschland aber auch entwickelt und produziert. Um welche Produkte geht es dabei?

Zink: Im Produktionsbereich in March-Hugstetten erweitern wir die Produktpalette vor allem auf dem Gebiet isolierter Organe (Herz, Lunge, Leber, Niere) durch Ergänzungen der vorhandenen aber auch mit der Entwicklung von neuen Systemen und Messtechniken – dies auch für die Forschung im Bereich Atmung und Aerosol-Technik.

LaborPraxis: Das hört sich nach sehr speziellen Systemen an.

Beha: Das ist richtig, die Basis aller Entwicklungen sind spezifische Kundenanfragen. Die Projekte werden in enger Zusammenarbeit mit dem Kunden realisiert. Dabei legen wir besonderen Wert auf beste Qualität. Das zahlt sich letztlich in Langlebigkeit und höchster Funktionssicherheit aus. Bei der Entwicklung von Apparaturen für isolierte Organe ist es uns besonders wichtig, dass das Organ unter möglichst physiologischen Bedingungen betrieben werden kann. Wir wollen eine optimale Präparation mit kurzen Ischämiezeiten erreichen. Die Physik der Fluide – wenig nicht gewollte Fluss-Widerstände, geringe Volumina, angepasste Kanülen – wird akribisch beachtet. Und natürlich bieten wir zu unseren Entwicklungen vielfältigste Möglichkeiten der Erweiterung und eine große Auswahl an Messtechnik. Noch ganz wichtig: die optimale Datenaufnahme und Auswertung – vor allem die Verdichtung der Daten.

LaborPraxis: Gibt es auch andere Organe, die isoliert werden können?

Beha: Durchaus, mit dem Team von Dr. Ingmar Lautenschläger am Forschungszentrum in Borstel arbeiten wir gerade an der Entwicklung einer thermostatisierten Kammer zur Perfusion eines isolierten Darms mit Gewichtsmessung. Neu daran ist, dass ein kompletter Darm ex-vivo isoliert vom Körper betrieben wird und über das Gewicht die Entwicklung eines Darmödems (Wassereinlagerung) gemessen werden kann.

LaborPraxis: Sind solche gemeinsamen Projekte bei Ihren Entwicklungen die Regel?

Zink: Das ist sicherlich eher die Regel. Ein weiteres schönes Beispiel ist das Entwicklungsprojekt „Plethysmograph-Box für Mäuse in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin (ITEM) in Hannover: Hier ging es darum, ein Lungenfunktionsmesssystem zur Untersuchung der Effekte von broncho-aktiven Substanzen auf die Atemwege zu entwickeln. Aufgrund zunehmender Umweltverschmutzung, Arbeitsplatzbelastung und verstärktem Einsatz von Chemikalien, Bioziden und Pflanzenschutzmitteln entstehen immer mehr Atemwegserkrankungen, die zu Allergien und Asthma führen. Mit der Plethysmograph-Box für Mäuse wurde eine Apparatur entwickelt, die über eine möglichst nichtinvasive Methode die genaue Messung des Atemwegswiderstandes und der Lungencompliance ermöglicht. Es können Aerosole direkt in die Atemwege verabreicht und deren Effekte erforscht werden. Da die Methode nahezu nichtinvasiv ist, können relativ einfach Langzeitstudien (ein bis zwei Messungen pro Woche am selben Tier) durchgeführt werden.

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