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Kakao als Quelle für Vitamin D entdeckt Mit Schokolade gegen den Vitamin-D-Mangel?

| Autor / Redakteur: Tom Leonhardt* / Dr. Ilka Ottleben

Der Sommer ist vorbei und damit hierzulande nun auch wieder mehr und mehr die Möglichkeit, seine Vitamin-D-Speicher auf natürliche Weise – durch Sonnenlicht – aufzufüllen. Viele Menschen sind nicht ausreichend mit Vitamin D versorgt. Brüchige Knochen und ein erhöhtes Risiko für Atemwegserkrankungen können die Folge eines Vitamin-D-Mangels sein. Nun haben Forscher eine neue, bislang unbekannte Quelle für Vitamin D2 ausgemacht: Kakao und kakaohaltige Lebensmittel. Ordentlich Schokolade essen gegen den drohenden Vitamin-D-Mangel? Leider trotzdem keine gute Idee. Doch die Forscher denken über Alternativen nach.

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Kakao und kakaohaltige Lebensmittel wie Schokolade enthalten nennenswerte Mengen Vitamin D. Sie in rauen Mengen zu essen, ist trotzdem keine gute Idee. (Symbolbild)
Kakao und kakaohaltige Lebensmittel wie Schokolade enthalten nennenswerte Mengen Vitamin D. Sie in rauen Mengen zu essen, ist trotzdem keine gute Idee. (Symbolbild)
(Bild: gemeinfrei)

Halle – Vitamin D ist für den menschlichen Körper von zentraler Bedeutung. Er kommt in zwei Varianten vor: Vitamin D2 und D3. Vitamin D3 wird in der menschlichen Haut durch die Einwirkung von Sonnenstrahlen gebildet. So deckt der Mensch 90 Prozent seines Vitamin-D-Bedarfs. Den Rest nimmt der Mensch im Idealfall über die Nahrung zu sich, also etwa über fetthaltigen Fisch oder Hühnereier.

Vitamin D2, das ebenfalls vom menschlichen Körper genutzt werden kann, kommt zudem in Pilzen vor. „Viele Menschen sind nicht optimal mit Vitamin D versorgt. Das Problem steigert sich in den sonnenarmen Monaten im Winter noch einmal“, sagt die Ernährungswissenschaftlerin Prof. Dr. Gabriele Stangl von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU).

Kakao enthält nennenswerte Mengen Vitamin D2

In ihrer neuen Studie untersuchte eine Forschergruppe der MLU und des Max Rubner-Instituts den Vitamin-D-Gehalt von Kakao und kakaohaltigen Produkten wie Schokolade, weil sie darin eine bisher unbekannte Quelle des Vitamins vermuteten. Kakaobohnen werden nach der Fermentation getrocknet. Dazu werden sie auf Matten gelegt und ein bis zwei Wochen der Sonne ausgesetzt. Durch dieses Sonnenlicht wandeln sich die Vorstufen des Vitamin D, die vermutlich aus harmlosen Pilzen stammen, zu Vitamin D2 um. Um ihre Idee zu testen, analysierte die Forschergruppe verschiedene Kakaoprodukte und -pulver mit Hilfe moderner Massenspektrometrie.

Das Ergebnis: Kakaohaltige Produkte sind eine Quelle für Vitamin D2, der Gehalt variiert aber von Lebensmittel zu Lebensmittel sehr stark. Während dunkle Schokolade über einen relativen hohen Vitamin-D2-Gehalt verfügt, fanden die Forscher in weißer Schokolade nur wenig davon. „Das ist nicht verwunderlich, da der Kakaogehalt in weißer Schokolade deutlich geringer ist. Das bestätigt unsere Annahme, dass Kakao die Quelle für das Vitamin D2 ist“, so Stangl weiter.

„Schokoladen-Diät“ trotzdem nicht empfehlenswert

Aus ihrem Befund leitet die Ernährungswissenschaftlerin aber nicht die Empfehlung ab, große Mengen Schokolade zu verzehren: „Man müsste Unmengen an Schokolade essen, um darüber den Bedarf an Vitamin D2 zu decken. Das wäre aufgrund des hohen Zucker- und Fettanteils extrem ungesund“, sagt Stangl.

Dossier Übergewicht & Ernährung In unserem Dossier „Übergewicht & Ernährung“ haben wir für Sie weitere Forschungsvorhaben und -erkenntnisse zum Thema Ernährung zusammengefasst, u.a. was Experten von Schlankheitsmitteln halten und warum wir nach Zucker süchtig werden können.

Das Ergebnis der Studie sei vielmehr dafür wichtig, korrekte Daten darüber zu erlangen, welche Nährstoffe die Bevölkerung im Durchschnitt zu sich nimmt. In Nationalen Verzehrstudien wird dazu der Lebensmittelverzehr der Bevölkerung ermittelt. In Kombination mit dem Bundeslebensmittelschlüssel, einer umfangreichen Nährstoffdatenbank, berechnet das Max Rubner-Institut daraus die tägliche Nährstoffzufuhr der Bevölkerung. Fehlt in dieser Datenbank eine Quelle für Vitamin D, so stimmen die Zahlen am Ende nicht. Deshalb empfehlen die Forscher, die Lebensmittel- und Nährstoffdatenbanken regelmäßig zu überarbeiten.

Zuckerfreie, kakaohaltige Lebensmittel als Alternative?

Auch die Arbeitsgruppe an der MLU nutzt die Erkenntnisse der neuen Studie in einem Folgeprojekt: „Kakao ist ein spannender Lebensmittelrohstoff, weil er zusätzliche sekundäre Pflanzenstoffe beinhaltet, die zum Beispiel förderlich für das Herzkreislauf-System sind“, sagt Ernährungswissenschaftlerin Stangl. Im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Kompetenzclusters nutriCARD untersucht ihr Team, ob sich zuckerfreie, kakaohaltige Lebensmittel, zum Beispiel Teigwaren, produzieren lassen und ob diese einen Beitrag zu einem verbesserten Vitamin-D2-Spiegel beim Menschen leisten können.

Originalpublikation: Kühn, J., Schröter, A., Hartmann, B.M., Stangl, G.I.: Cocoa and chocolate are sources of vitamin D2, Food Chemistry (2018), doi: 10.1016/j.foodchem.2018.06.098

* T. Leonhardt: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, 06108 Halle

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