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HPLC Mobiles Labor analysiert Partydrogen vor Ort

| Autor / Redakteur: Das Gespräch führte LP-Chefredakteur Marc Platthaus / Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Mit zwei mobilen HPLC-Anlagen analysiert Daniel Allemann Drogen auf Techno-Events. Wie das technisch funktioniert, erläutert er im LP-Exklusivinterview.

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"Auf Großevents haben wir bis zu 60 Proben analysiert", Daniel Allemann, Entwickler des mobilen HPLC-Labors.
"Auf Großevents haben wir bis zu 60 Proben analysiert", Daniel Allemann, Entwickler des mobilen HPLC-Labors.
(Bild: Daniel Allemann )

LP: Herr Allemann, Sie analysieren mit dem mobilen Labor des Kantonsapothekeramts Bern vor Ort so genannte Partydrogen auf ihre Zusammensetzung. Bitte beschreiben Sie unseren Lesern den Aufbau des mobilen Labors.

Allemann: Seit 1998 analysiert das mobile Labor des Kantonsapothekeramts Bern Partydrogen auf Technopartys. In Zusammenarbeit mit dem Sozialarbeiterteam von „Streetwork Zürich“ und der Stiftung Contact-Netz Bern wurden auf über 100 Events mehr als 1800 Proben gemessen. Das aktuelle mobile Labor – eine Eigenentwicklung basierend auf kommerziell zugänglichen Komponenten – besteht aus vier speziell angefertigten Roll-Modulen. Eines für Einwaagen und Dokumentationen, ein zweites für die Probenaufbereitung. Die Module drei und vier sind mit zwei HPLC-DAD-Anlagen bestückt. Zwei Leichtmetall-Tische, Laptops sowie diverse Materialboxen ergänzen die Ausrüstung und ein Kleinbus dient als Transportfahrzeug. Die HPLC-Anlagen sind fest in den Roll-Modulen eingebaut und sind nach Ankunft auf dem Dance Floor schnell einsatzbereit. Die Inbetriebnahme des mobilen Labors dauert ca. 45 Minuten. Bei der Analyse durchlaufen alle Proben einen identischen Arbeitsablauf: Beschreibung und Fotodokumentation des Untersuchungsmaterials; Probenaufbereitung in Form einer quantitativen Extraktion in Methanol; HPLC-Messungen; Datenauswertung und Kommunikation der Resultate.

LP: HPLC-Analysen auf Partys durchzuführen, hört sich nach einer großen Herausforderung an.

Allemann: Das stimmt, mobile HPLC-Analysen auf Technopartys sind eine Herausforderung. Es müssen möglichst schnell und dennoch zuverlässig Daten über unbekannte Drogengemische vorliegen. Das analytische Ziel ist es, vor Ort qualitative und quantitative Aussagen machen zu können. Damit die gewählte Messtechnik außerhalb des üblichen Labors zuverlässig eingesetzt werden kann, müssen alle sensiblen Apparaturen sehr stabil verbaut sein. Dieser Umstand bedingte eine Vielzahl von technischen Anpassungen. Spezialanfertigungen die nach unseren Skizzen in der Mechanischen Werkstatt der Universität Bern (Abteilung Chemie) angefertigt wurden. Viele Modifikationen sind im Verlauf der über 100 Einsätze weiterentwickelt worden. Die Lösung mit den Roll-Modulen erlaubt maximale Flexibilität bei der Anpassung an die örtlichen Bedingungen und schützt die Messgeräte vor Transportschäden. Ein gut eingespieltes Team und ein hoher Organisationsgeist, insbesondere bei den Vorbereitungen, sind verantwortlich für das gute Gelingen der „nächtlichen Expeditionen“ in Clubs und an Technoevents.

LP: Mit welchen Analysemethoden werden die Proben genau untersucht?

Allemann: Als Analysenmethode wird ein RP-HPLC-System mit DAD-Detektion eingesetzt. Die Trennsäule ist eine Spherisorb ODS-1 80-3 125 x 4,0 mm. Als mobile Phase dient Wasser/Acetonitril, Hexylamin und o-Phosphorsäure bei pH 2. Zum Erfassen von über 60 Analyten wird ein Gradientenelutionsprogramm verwendet. Die Identifikation erfolgt über Retentionszeiten- und UV-Spektrenvergleiche. Quantifiziert wird mittels externer Standards und Mehrpunktkalibration. Auf Wunsch unserer Projektpartner arbeiten wir seit zwei Jahren mit zwei baugleichen Systemen. Die zweite Anlage wurde primär zur Probendurchsatz-Erhöhung angeschafft. Unbekannte Substanzen wie z.B. neue Derivate von Designerdrogen werden zur weiteren Abklärung im Pharmazeutischen Kontrolllabor des Kantonsapothekeramts Bern mittels weiterer Methoden (GC/MS, LC/MS, FTIR) untersucht.

LP: Welchen Probendurchsatz können Sie vor Ort erzielen?

Allemann: Zwei erfahrene Fachpersonen bedienen während der Partys das mobile Labor. Das Analyseresultat einer Probe ist in der Regel nach 20 Minuten abrufbar. Mit zwei Anlagen liegt die maximale Probenkapazität bei fünf bis sechs pro Stunde. An Großevents wurden so schon mehr als 60 Proben gemessen.

LP: Sie arbeiten bei diesem Projekt mit Sozialarbeitern von Jugendberatungen und Suchtarbeitsgruppen zusammen. Wie werden die Jugendlichen konkret aufgeklärt?

Allemann: Das Labor ist der Anziehungspunkt des Beratungsstandes und erleichtert die Kontaktaufnahme. Während der Messung füllt der Konsument, begleitet durch einen Sozialarbeiter, einen anonymen Fragebogen aus, der zur Kurzberatung dient. Werden bei der Analyse unbekannte Wirkstoffe, gefährliche Mischungen oder erhöhte Dosierungen festgestellt, werden die Partygänger sofort gewarnt. Warnungen an ein breiteres Publikum werden auch über die Webseite saferparty.ch verbreitet. Zwölf Einsätze pro Jahr erlauben einen Einblick in diesen illegalen Markt, lassen das Aufkommen neuer Substanzen erkennen und Änderungen im Konsumverhalten frühzeitig feststellen, was die Prävention erleichtert.

Herr Allemann, vielen Dank für das Gespräch.

* M. Platthaus, Redaktion LABORPRAXIS, Email: marc.platthaus@vogel.de

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