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Weiße Biotechnologie

Neue Wege durch Weiße Biotechnologie

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Biotechnische Verfahren gewinnen für die chemische Industrie in Deutschland immer mehr an Bedeutung. Mit Enzymen und Mikroorganismen wie Pilzen oder Bakterien werden im Rahmen der Weißen Biotechnologie zunehmend mehr Produkte hergestellt.

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„Biotechnische Verfahren werden die Produktionsstrukturen in unserer Branche sukzessiv verändern“, sagte Dr. Alfred Oberholz, Vorsitzender des Ausschusses für Forschung, Wissenschaft und Bildung im VCI, auf dem Forum Zukunft: Biotechnologie.
„Biotechnische Verfahren werden die Produktionsstrukturen in unserer Branche sukzessiv verändern“, sagte Dr. Alfred Oberholz, Vorsitzender des Ausschusses für Forschung, Wissenschaft und Bildung im VCI, auf dem Forum Zukunft: Biotechnologie.
( Bild: VCI )

Frankfurt am Main - Zu den neuen Produkten der Weißen Biotechnologie gehören zum Beispiel Waschmittelenzyme, organische Säuren, Vitamine, Futtermitteladditive, Pharma-Vorprodukte oder Hilfsstoffe für die Papier- oder Textilindustrie. Die Weiße Biotechnologie ist ein Wachstumssektor in der Branche, der sich auf leistungsfähigere oder umweltverträglichere Syntheseverfahren und Herstellung von Produkten konzentriert, die auf klassischem Weg bislang nicht oder nur sehr schwer zu gewinnen sind. „Das ist der Weg der Zukunft. Biotechnische Verfahren werden die Produktionsstrukturen in unserer Branche sukzessiv verändern“, betonte Dr. Alfred Oberholz, Vorsitzender des Ausschusses für Forschung, Wissenschaft und Bildung im Verband der Chemischen Industrie (VCI) und Mitglied des Vorstandes von Evonik Industries, am 18. September 2008 auf der Veranstaltungsreihe „Forum Zukunft“ des VCI in Berlin.

Waschmittelenzyme als Pioniere der Weißen Biotechnologie

Eine Erfolgsgeschichte für die Weiße Biotechnologie kommt heute in jedem Haushalt zum Tragen. Der Einsatz von effektiven Enzymen hat das Wäsche waschen revolutioniert. Verrichteten 1970 gerade einmal zwei Protein spaltende Enzyme ihre Dienste für eine saubere Wäsche, machen sich heute in einem modernen Waschmittel eine ganze Reihe spezialisierter Enzymklassen an die Arbeit. Diese biotechnische Evolution brachte auch erhebliche Vorteile für die Umwelt mit sich. Die Waschmittelmenge, die für eine Wäsche von fünf Kilogramm benötigt wird, hat sich innerhalb der letzten 25 Jahre von 220 auf 75 Gramm reduziert.

Derzeit liegt der Anteil biotechnischer Methoden an allen Produktionsverfahren in der europäischen Chemie erst bei ca. fünf Prozent. Marktforscher gehen davon aus, dass der Anteil bis 2015 auf 15 Prozent ansteigen wird. Speziell für Feinchemikalien erwarten Branchenkenner langfristig überdurchschnittlich hohe Wachstumsraten. Hier nehmen schon heute biotechnische Verfahren einen Anteil von rund 20 Prozent ein. Es spricht laut VCI viel dafür, dass dieser Anteil in der Sparte Feinchemie bis 2015 voraussichtlich auf 50 Prozent zulegen wird. Insgesamt könnte 2015 der weltweite Umsatz mit Weißer Biotechnologie rund 300 Milliarden Dollar erreichen, so schätzen Experten. Im Vergleich zu 2004 würde sich damit der Umsatz versiebenfachen.

Vor- und Nachteile der Weißen Biotechnologie

Oberholz wies gleichzeitig auf die Grenzen der industriellen Biotechnologie hin: „Die chemische Industrie in Deutschland wird zwar alles daran setzen, das Potenzial der Weißen Biotechnologie voll auszuschöpfen. Denn neue Produkte sind der Garant für dauerhaften Erfolg auf den globalen Märkten. Dennoch müssen wir realistisch bleiben: Die Weiße Biotechnologie ist nicht per se wirtschaftlicher und umweltverträglicher als die klassische chemische Synthese. Wir müssen Vor- und Nachteile in jedem Einzelfall nüchtern abwägen.“

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