English China

Herz-Kreislauf-Gesundheit Nikotin: Nie ohne Risiko

Quelle: Pressemitteilung Universitätsmedizin Mainz 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Eine Übersichtsarbeit vergleicht die Auswirkungen von Zigaretten, Wasserpfeifen, Tabakerhitzern, E-Zigaretten und Nikotinbeuteln. Das Fazit: Jede Form von Nikotinkonsum birgt ein Gesundheitsrisiko – selbst Wasserpfeife und Kautabak schaden dem Herz-Kreislauf-System.

Verbrennungsprodukte wie Zigaretten belasten das Herz-Kreislauf-System am meisten.(Bild:  UM/Canva)
Verbrennungsprodukte wie Zigaretten belasten das Herz-Kreislauf-System am meisten.
(Bild: UM/Canva)

Rauchen ist ungesund, das ist bekannt. Bestimmt haben so einige diese Erkenntnis für sich relativiert mit dem Gedanken: „Wenn ich doch nur ab und zu mal rauche, und höchstens eine Zigarette – dann kann es nicht schaden…“ oder „Ich rauche doch nur Wasserpfeife.“ Und auch hier hat die Forschung längst eine klare Antwort: Nikotinkonsum ist unabhängig von der genutzten Darreichungsform mit messbaren Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System verbunden. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Übersichtsarbeit unter Leitung der Universitätsmedizin Mainz.

Die Forschenden führten molekularbiologische, präklinische, klinische und Biomarker-Daten zusammen, um die gesundheitlichen Folgen von Zigaretten, Wasserpfeifen, E-Zigaretten, Tabakerhitzern und oralen Nikotinprodukten wie Nikotinbeuteln zu vergleichen. Dabei zeigte sich ein abgestuftes kardiovaskuläres Risiko: Am höchsten war die Belastung für das Herz-Kreislauf-System bei Verbrennungsprodukten wie Zigaretten und Wasserpfeifen, während Tabakerhitzer und E-Zigaretten im mittleren Bereich lagen. Sogar orale Nikotinprodukte wie Kautabak wiesen ein messbares kardiovaskuläres Risiko auf.

Millionen vermeidbare Tode weltweit

Tabakkonsum und Nikotinsucht zählen zu den führenden vermeidbaren Todesursachen. Weltweit konsumieren schätzungsweise 1,20 bis 1,25 Milliarden Menschen Tabak. Allein im Jahr 2023 starben etwa 5,81 Millionen Menschen an den Folgen des direkten Tabakkonsums. Hinzu kommen weitere 1,66 Millionen Todesfälle bei Nichtrauchern durch Passivrauchen. Damit ist Tabakkonsum für etwa 15 Prozent aller Todesfälle bei Männern und für rund 3 Prozent der Todesfälle bei Frauen verantwortlich. Bis zu 40 Prozent aller tabak- und nikotinbedingen Todesfälle sind auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen.

Die aktuelle Übersichtsarbeit des internationalen Forschungsteams um Univ.-Prof. Dr. Thomas Münzel, Seniorprofessor am Zentrum für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz, und Univ.-Prof. Dr. Andreas Daiber, Leiter der Forschungsgruppe Molekulare Kardiologie am Zentrum für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz, zeigt, dass Nikotin unabhängig von seiner Darreichungsform eine wichtige Rolle bei der Schädigung des Herz-Kreislauf-Systems spielt. Die Analyse der molekularbiologischen Untersuchungen und klinischen Studien belegen, dass Nikotin die Gefäße angreift, den oxidativen Stress erhöht, die Gefäße verengt sowie den Blutdruck und das Risiko für Thrombosen erhöht.

So schadet Nikotin dem Körper

Die Gründe für die schädlichen Wirkungen von Nikotinkonsum sind vielfältig. Nikotin hemmt unter anderem Kaliumkanäle in der glatten Gefäßmuskulatur, ebenso wie die Bildung des Enzyms eNOS (endotheliale NO-Synthase) und des Hormons Prostacylin. Das beeinträchtigt deren gefäßschützende und -erweiternde Eigenschaften. Gleichzeitig setzt Nikotin den Botenstoff Endothelin-1 frei, der zusätzlich die Gefäße verengt. Die dadurch ausgelösten Gefäßschäden, die so genannte endotheliale Dysfunktion, erhöhen laut Studienautoren das Risiko für Arteriosklerose, Bluthochdruck und Herzinsuffizienz.

Diese negativen Effekte waren in der Übersichtsarbeit bereits nach einer einzelnen Nikotinexposition messbar und traten bei allen Darreichungsformen auf. „Nikotin ist kein passiver Bestandteil, der lediglich die Sucht aufrechterhält, sondern verursacht messbare, reproduzierbare Gefäßschäden. Das ist sowohl in Tiermodellen als auch bei gesunden Proband:innen und klinischen Kohorten belegt“, erläutert Münzel.

Kein nikotinhaltiges Produkt ist risikofrei

Für den Vergleich der Nikotinprodukte – Tabakzigaretten, Wasserpfeifen, E-Zigaretten, Tabakerhitzer und orale Nikotinprodukte – hat das Forschungsteam systematisch drei Evidenzebenen zusammengeführt, die bisher nur selten gemeinsam betrachtet werden: detaillierte Daten zu toxischen Inhaltsstoffen und Emissionen, präklinische Tiermodell-Studien zu vaskulären und endothelialen Mechanismen sowie große klinische und Biomarker-Studien.

Anhand dieser Daten konnten die Forschenden ableiten, in welchem Ausmaß sämtliche heute genutzten Nikotin-Darreichungsformen kardiovaskuläre Schäden verursachen. „Das Ergebnis ist eindeutig: Verbrennung verursacht die stärkste Toxizität, doch kein nikotinhaltiges Produkt – ob geraucht, erhitzt, verdampft oder oral aufgenommen – ist für das Herz-Kreislauf-System risikofrei“, betont Erstautor Münzel.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Originalpublikation: Münzel, T., Kuntic, M., Keaney, J. F. Jr, Lurz, J., Crea, F., Lüscher, T. F., Rajagopalan, S. & Daiber, A. Nicotine-containing products and the cardiovascular system: mechanisms and global health implications, Nature Reviews Cardiology (2026); DOI: 10.1038/s41569-026-01331-6