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Citizen Science Projektankündigung: Wasserqualität zu Hause selbst analysieren

Autor / Redakteur: Meike Drießen* / Christian Lüttmann

Leitungswasser muss in Deutschland strenge Qualitätsanforderungen erfüllen. Doch die Verantwortung der Versorgungsunternehmen endet am Hausanschluss. Was auf den letzten Metern bis zum Wasserhahn passiert, soll ein Projekt in Bochum untersuchen. Dabei werden Bürger ihr Wasser selbst analysieren und die Ergebnisse mit den Daten der Wasserwerke und den Analysen aus professionellen Laboren vergleichen.

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Wie gut ist die Qualität des Trinkwassers im Glas? Das untersuchen demnächst Bürger in einem Projekt selbst.
Wie gut ist die Qualität des Trinkwassers im Glas? Das untersuchen demnächst Bürger in einem Projekt selbst.
(Bild: RUB, Marquard)

Bochum – Sauberes Trinkwasser gehört zu den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen. In Deutschland sieht es dabei gut aus: Das Trinkwasser ist einwandfrei, zumindest bis es ins Haus kommt. Was danach in Rohren, Filtern und Armaturen passiert, weiß man oft nicht. Diese letzten Meter bis zum Wasserhahn soll das nun bewilligte bürgerwissenschaftliche Projekt „CS:iDrop“ unter die Lupe nehmen. Bochumer Bürger sollen darin voraussichtlich Anfang 2022 ihre eigenen Wasserproben entnehmen und analysieren.

Koordiniert wird das Projekt von Prof. Dr. Katrin Sommer, Inhaberin des Lehrstuhls für Didaktik der Chemie der Ruhr-Universität Bochum (RUB), und Prof. Dr. Joachim Wirth, Inhaber des Lehrstuhls für Lehr-Lernforschung der RUB. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert es für vier Jahre mit 600.000 Euro.

Mögliche Gesundheitsgefahren auf den letzten Metern

Der Zustand von Rohren, Armaturen und Filtern, durch die das Leitungswasser im Haus fließen muss, hat großen Einfluss auf dessen Qualität. So können Blei, Kupfer, Eisen und Nickel ins Trinkwasser gelangen und gesundheitsschädliche Wirkung entfalten. Ob und wie viel dieser Metalle in den hausinternen Zuleitungen ins Wasser gelangt, hängt von verschiedenen Faktoren ab, etwa von der Temperatur des Wassers, seinem pH-Wert und seiner Härte.

Darüber hinaus spielen Nitrat und Nitrit im Trinkwasser eine Rolle: Während für Nitrat bisher keine große Giftigkeit festgestellt wurde (zugelassener Grenzwert: 50 mg/L), gilt Nitrit als bedenklicher (Grenzwert: 0,50 mg/L) und stellt insbesondere für Säuglinge eine gesundheitliche Gefährdung dar. Bei verzinkten Leitungen kann Nitrat zu Nitrit reagieren. Verbraucher sollten bei der Zubereitung von Babynahrung und Getränken deshalb sicherheitshalber abgepacktes Wasser mit dem Vermerk „geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung“ verwenden – oder Wasserproben von zu Hause auf den Nitritgehalt testen lassen. In dem Bochumer Projekt werden sie das bald selbst durchführen können.

Trinkwasseranalytik für zu Hause

Um herauszufinden, welche Qualität das Trinkwasser im Glas hat, wird das Projektteam die Bürgerwissenschaftler mit einem Analysekoffer ausstatten. Dieser soll im Laufe dieses Jahres zusammengestellt und validiert werden. Dabei gilt es beispielsweise zu überprüfen, wie sich die Wahl des Probenbehälters, die Raumtemperatur und andere Parameter in der Wohnung der Projektteilnehmer auf die Wasserprobe auswirken könnten.

Mit dem geprüften Koffer können die teilnehmenden Bochumer ihr Wasser direkt zu Hause untersuchen. Außerdem sind Messlokale mit professioneller Analytikausstattung geplant, in denen die Bürger ihr Wasser unter Anleitung selbst testen können.

Katrin Sommer und Joachim Wirth in einem zukünftigen Messlokal für die Trinkwasseranalytik – coronakonform mit Plexiglas zwischen den Arbeitsplätzen im Labor.
Katrin Sommer und Joachim Wirth in einem zukünftigen Messlokal für die Trinkwasseranalytik – coronakonform mit Plexiglas zwischen den Arbeitsplätzen im Labor.
(Bild: RUB, Marquard)

Neben der Qualität des Wassers steht auch die Kommunikation darüber im Fokus des Projekts mit dem vollständigen Titel „Citizen Science: investigation of Drinking-water of and by the public“. Zu diesem Zweck wird das Team eine Open-Access-Plattform zum Austausch der ermittelten Daten zur Wasserqualität nutzen. Mit einer eigens konzipierten App sollen die Teilnehmer ihre Daten direkt in die Plattform einstellen, die für jedermann zugänglich ist. Dort sollen auch Vergleiche zwischen der Wasserqualität „ab Versorger“ und der tatsächlichen Trinkwasserqualität im Glas gezogen werden. Wenn das Pilotprojekt in Bochum erfolgreich verläuft, könnten ähnliche Messaktionen auch in anderen Städten organisiert werden.

* M. Drießen, Ruhr-Universität Bochum (RUB), 44801 Bochum

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