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Reinraumtechnik

Reinraumtechnik: Die richtige Idee kann oft aus einer anderen Branche kommen

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Impulsgeber Medizintechnik

Ein Schub in Richtung lokaler Lösungen für kleine Reinräume kommt nun zur rechten Zeit aus der Medizin bzw. Medizintechnik. Dazu ein Exempel: Ein OP-Termin ist vorzubereiten, mit Operationsbesteck, Implantaten et cetera. Einige der Hilfsmittel werden klassischerweise in einer zentralen Werkstätte für eine Region oder sogar für die ganze Welt in großen Reinräumen produziert. Beispiele dafür sind stereolithographisch hergestellte individuelle Bohrschablonen im zahnärztlichen Bereich.

Hier geht man inzwischen vermehrt dazu über, transportable Reinraum-Container per LKW zum Krankenhaus bzw. zur Arztpraxis zu transportieren. Die OP-Hilfsmittel werden direkt vor Ort gefertigt und dem Operateur steril zur Verfügung gestellt. Dieser Trend zu kleineren Einheiten dürfte sich in Zukunft verstärkt auch in der Halbleitertechnik und Mikroelektronik niederschlagen, wobei die vorhandenen Erfahrungen genutzt werden können.

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Ein weiteres Beispiel, bei dem medizintechnische Vorbilder ein Pendant in anderen Bereichen finden, stellt die Fertigung von Kunststoff-Zahnbohrern aus PEEK (Polyether-etherketon) dar. Diese Einmal-Instrumente könnten in Zukunft helfen, bei der Entfernung von Karies mehr Zahnsubstanz zu erhalten. Denn ihre Härte liegt genau in einem solchen Bereich, dass sie das erkrankte Gewebe wegfräsen, beim Kontakt mit dem gesunden Zahnbein (Dentin) aber abstumpfen – es bleibt intakt.

Ein solches Instrument muss der Zahnarzt selbstverständlich im sterilen Zustand einsetzen. Für die gewohnten Metallbohrer gibt es aufwendige Reinigungs- und Desinfektionsvorschriften. Bei einem Einmal-Instrument ist es dagegen am bequemsten, wenn es sich einfach der Verpackung entnehmen, verwenden und anschließend entsorgen lässt. Dazu muss es steril angeliefert werden.

Was benötigt man dazu? Eine Kunststoff-Spritzgießmaschine, einen leistungsfähigen Roboter (Sechs-Achs-System), eine Verpackungsanlage und dazu die Gewissheit: Am Ende kommen die sterilen Bohrer in einer Kunststofffolie heraus - und zwar so herum, dass der Zahnarzt nach dem Aufreißen den Schaft des Instruments greift. Das ist ingenieurstechnisch keine einfache Aufgabe.

Die Lösung besteht darin, alles in einen speziellen Reinraum zu integrieren: Roboter, Verpackungsanlage, darum eine geschlossene Schutzeinhausung – insgesamt eine komplett gekapselte Zelle der Klasse 7. Das Ganze wird dann an die Spritzgussmaschine angedockt und mit Reinluftmodulen verbunden. Typisch für dieses Beispiel ist, dass es sich um eher kleine Hersteller handelt. Darum kommt es auf eine kompakte und kostengünstige Reinraum-Bauweise an.

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