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Kunststoff aus Abfallstoffen Saarbrücker Forscher entwickeln Nylon aus nachwachsenden Rohstoffen

| Redakteur: Tobias Hüser

An der Universität des Saarlandes setzten Biotechnologen in einem neuartigen Verfahren auf Mikroorganismen, die den Kunststoff Nylon aus nachwachsenden Rohstoffen produzieren sollen. Mit den Bakterien wollen die Forscher Lignin zu Adipinsäure – eine Vorstufe des Kunststoffs – zusammensetzen.

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Christoph Wittmann, Professor für Systembiotechnologie an der Saar-Uni, arbeitet an neuartigen Verfahren, nachwachsende Rohstoffe industriell sinnvoll zu nutzen. Dabei setzt er auf Bakterien, die etwa den Kunststoff Nylon produzieren sollen.
Christoph Wittmann, Professor für Systembiotechnologie an der Saar-Uni, arbeitet an neuartigen Verfahren, nachwachsende Rohstoffe industriell sinnvoll zu nutzen. Dabei setzt er auf Bakterien, die etwa den Kunststoff Nylon produzieren sollen.
(Bild: Wittmann)

Saarbrücken – Nylon ist einer der weltweit wichtigsten Kunststoffe – er kommt nicht nur in Strumpfhosen, sondern auch in vielen Verbundwerkstoffen vor, die z.B. beim Autobau verwendet werden. In einem neuartigen Ansatz arbeiten Saarbrücker Forscher um Prof. Christoph Wittmann daran, Nylon mittels biotechnologischer Methoden zu produzieren. Bei dem Verfahren setzen die Wissenschaftler auf die zentrale Vorstufe des Kunststoffs – Adipinsäure.

„Adipinsäure hat in den vergangenen Jahrzehnten vor allem als Baustein für Nylon-Kunststoffe, aber auch für Lebensmittelzusätze, Pharmazeutika, Dünger und Pflanzenschutzmittel einen Weltmarkt von jährlich mehreren Milliarden Euro pro Jahr erreicht“, sagt Wittmann. Bislang sei die Säure aber nur unter hohem Energieverbrauch aus Erdöl zu gewinnen. Das Forscherteam will die Substanz künftig aus Lignin gewinnen, der in der Holz- und Papierindustrie sowie bei der Herstellung von Biotreibstoffen anfällt.

Die Forscher möchten bei ihrem Vorhaben Stoffwechselwege von Bakterien ausnutzen, die verarbeitetes Lignin zu einer Vorstufe der Adipinsäure zusammensetzen können. „In einer chemischen Nachbehandlung, einer sogenannten Hydrierung, wollen wir diese Vorstufe direkt in Adipinsäure umwandeln und daraus dann den hochwertigen Kunststoff zusammenbauen – vollständig biobasiert aus Abfallstoffen“, so Wittmann weiter.

Industrieeinsatz bald möglich?

Der Prozess soll in den kommenden Jahren derart optimiert werden, dass die Technologie in der Industrie zum Einsatz kommt. „Wir werden daran arbeiten, dass die Bakterien als maßgeschneiderte Zellfabriken den natürlichen Kunststoff mit hoher Ausbeute und Reinheit fertigen“, erläutert der Professor. „Erste Analysen haben bereits gezeigt, dass das Verfahren sowohl sehr umweltschonend als auch wirtschaftlich rentabel sein kann. Es gibt bereits Nachfragen aus der Industrie nach Bio-Nylon.“ Das Bundesministerium für Bildung und Forschung stellt für das Vorhaben in den nächsten drei Jahren insgesamt 1,4 Millionen Euro bereit.

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