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Nanokeramik in der Medizin Sterne gegen Hauterkrankungen

Quelle: Pressemitteilung Empa 3 min Lesedauer

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Können Sterne bald schmerzhafte Spritzen ersetzen? Diese Frage stellen sich schweizerische Wissenschaftler. Die eigens entwickelten spitzen Sterne aus Nanokeramik machen die Haut durch Mikro-Blessuren kurzzeitig für neue Wirkstoffe durchlässig. Die Methode soll durch einfache und schmerzlose Anwendung nicht nur Hauterkrankungen behandeln können.

Die Nanokeramik Sterne sollen die Haut für eine kurze Zeit für moderne Wirkstoffklassen – wie siRNA-Moleküle – durchlässig machen.(Bild:  Empa)
Die Nanokeramik Sterne sollen die Haut für eine kurze Zeit für moderne Wirkstoffklassen – wie siRNA-Moleküle – durchlässig machen.
(Bild: Empa)

Materialwissenschaftler aus der Schweiz erforschen Sterne auf eine neue Weise. Empa-Forscher in Dübendorf und Thun entwickeln gemeinsam mit dem Industriepartner Aldena Therapeutics ein neues Behandlungsverfahren für weit verbreitete Hautkrankheiten. Das Team setzt auf nanokeramische Sterne, die „durch die Haut gehen“. Unterstützt wird das Vorhaben von der schweizerischen Innovationsförderung Innosuisse.

Das Problem: Moderne Wirkstoffe gelangen nicht tief genug in die betroffenen Hautschichten, wenn sie in herkömmliche Salben oder Lotionen aufgebracht werden. Könnte man die Haut jedoch kurzfristig durchgängig machen, ließen sich die großen therapeutisch wirksamen Moleküle an ihr Ziel schleusen. Zum Einsatz für neue Therapien kommen beispielsweise siRNA-Moleküle, kurz für „small interfering RNA“. Diese Moleküle können durch gezielte Interaktionen mit der körpereigenen Boten-RNA (mRNA) Proteinsynthese regulieren. Dadurch können sie in Krankheitsprozesse eingreifen und schädigende Vorgänge blockieren. Medikamente mit diesem Wirkprinzip existieren bereits für einige Stoffwechselstörungen und Erbkrankheiten.

Ein Stern aus Aluminiumoxid

Für die Anwendung derartiger siRNAs in modernen Therapien suchte Aldena Therapeutics mit Sitz in Boston, London und Lausanne nach einem wirksamen Verfahren, um Wirkstoffe in – oder besser: unter – die Haut zu bringen. Die Empa-Forscher Michael Stuer vom „High Performance Ceramics“ Labor und Patrick Hoffmann vom „Advanced Materials Processing“ Labor setzten daher Nanokeramik aus Aluminiumoxid-Partikeln ein, um daraus eine dreidimensionale, scharfkantige Form zu erzeugen. Nach dem Sintern entstanden so dreiarmige Sterne mit einem Durchmesser von rund 0,8 Millimetern, mit denen sich die Hautbarriere für die siRNA-Moleküle vorübergehend öffnen lässt. „Die 3D-Sterne mit spitz zulaufenden Armen sorgen für Mikro-Blessuren in der Haut, die sich schnell wieder von selbst schließen“, erklärt Stuer. Es bleibt aber genug Zeit, damit die Wirkstoffmoleküle in die Haut eindringen können.

Der Spitzen des Sterns erzeugt unbedenkliche Mikro-Öffnungen in der Haut, die sich nach kurzer Zeit wieder verschließen. (Bild:  Empa)
Der Spitzen des Sterns erzeugt unbedenkliche Mikro-Öffnungen in der Haut, die sich nach kurzer Zeit wieder verschließen.
(Bild: Empa)

Permeabilität durch kleine schmerzlose Mikro-Öffnungen

Dem Empa-Team gelang es im Projekt „StarCURE“, die Sterne in einem präzisen Winkel gewölbt herzustellen. Auf diese Weise „rollen“ die Sterne beim Auftragen über die Haut, verkanten sich schnell und erzeugen so mehr Mikro-Öffnungen in der Haut als flächige Gebilde.

Appliziert werden die Nanokeramik-Sterne in einem Gel. Wenige Sekunden nach dem Auftragen auf die Haut wird das überschüssige Gel bereits wieder entfernt.

Entscheidend für den Einsatz als Therapie war zudem ein kosteneffizienter Herstellungsprozess. Müssten die Sterne nämlich etwa mittels Laserverfahren produziert werden, wäre der Preis zu hoch. Kurzerhand entwickelten die Empa-Forschenden Polymer-Gussformen, mit denen sich große Fertigungsmengen deutlich schneller und einfacher herstellen lassen. Mit diesem Skalierungsprozess für den industriellen Maßstab ist es möglich, die Herstellungskosten stark zu senken. Vor kurzem haben die Forschenden das Verfahren zum Patent angemeldet.

Es fühlt sich an wie ein Schrubben auf der Haut

Michael Stuer, Forscher des "High Performance Ceramics" Labor, hat das Sternen-Gel selbst getestet und bestätigt die Aussage von bisherigen Versuchspersonen.

Medikamente ohne Pieks

Doch Empa und Aldena Therapeutics wollen noch weitergehen: In einem nächsten Schritt möchte Stuer die Rezeptur ändern, damit die Nanokeramik-Sterne bio-abbaubar werden oder nach der Anwendung zu (Sternen-)Staub zerfallen. Das aktuelle keramische Material könnte in Zukunft an ein Biopolymer gebunden oder durch ein Bioglas ersetzt werden. Dies würde das Anwendungsgebiet erheblich ausweiten. „Die Patientinnen und Patienten könnten die Therapie-Sterne nach der Anwendung dann einfach abwaschen“, sagt Stuer.

Und schließlich ist das Anwendungsgebiet nicht auf Hautkrankheiten beschränkt. Ein Beispiel: Bis zu 30 Prozent aller Kinder und jungen Erwachsenen leiden unter einer Spritzenphobie. Den Betroffenen ein Mittel mittels Injektion zu verabreichen, löst bei ihnen große Ängste bis hin zur Ohnmacht aus. Im medizinischen Alltag ist dies für alle Beteiligten eine Herausforderung. Auch für diese Personen könnten die Nanokeramik-Sterne eine gute Lösung sein, um einfach und ohne Pieks mit den nötigen Medikamenten oder Impfstoffen versorgt zu werden sagt der Empa-Forscher

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