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Hydrierungsreaktionen Sub-Nanometer-Katalysatoren verhalten sich anders als erwartet

| Redakteur: Dr. Ilka Ottleben

Zur Herstellung von Margarine werden jedes Jahr Millionen Tonnen ungesättigter Fettsäuren aus Pflanzenölen mit Wasserstoff umgesetzt. Auf der Suche nach besseren Katalysatoren für solche Hydrierungsreaktionen machte ein deutsch-amerikanisches Forscherteam eine Entdeckung, die eine seit mehr als 50 Jahren geltende Regel in Frage stellt: Bei Katalysatorpartikeln aus nur wenigen Atomen – sog. Sub-Nanometer-Katalysatoren – beeinflussen Form und Größe die Reaktivität sehr viel stärker als bisher gedacht.

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Probenhalter mit drei Einkristallen, auf deren Oberfläche die Katalysatorpartikel abgeschieden werden.
Probenhalter mit drei Einkristallen, auf deren Oberfläche die Katalysatorpartikel abgeschieden werden.
(Bild: Andreas Heddergott / TU Muenchen)

München – Millionen Tonnen Margarine werden jährlich durch die Umsetzung ungesättigter Fettsäuren aus Pflanzenölen mit Wasserstoff hergestellt. Während die Hydrierung von Pflanzenölen mit günstigen Nickel-Katalysatoren gelingt, benötigen viele andere Reaktionen das teure Platin.

Da die Hydrierungsreaktion nur an der Oberfläche abläuft und die inneren Atome keine Rolle spielen, entwickelt die Industrie immer kleinere Katalysatorpartikel. Die kleinsten von ihnen enthalten inzwischen kaum mehr als 100 Atome. Bei noch kleineren Partikeln übernehmen allerdings quantenphysikalische Effekte die Regie, und die bisherigen Modelle können die Eigenschaften der Platinpartikel nicht mehr vorhersagen.

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Ein Team aus Forschern der Technischen Universität München (TUM) und des Georgia Institute of Technology in Atlanta (Georgia) hat diese Effekte nun mit Atom-genauer Präzision untersucht. Als Modell nahmen sie die von Platin katalysierte Reaktion von Ethen zu Ethan. Wie die ungesättigten Fettsäuren enthält Ethen eine Kohlenstoff-Doppelbindung. Nimmt diese zwei Wasserstoffatome auf, wird Ethen zum „gesättigten“ Ethan.

Hydrierungsreaktionen mit Sub-Nanometer-Katalysatoren bringt Modell ins Wanken

Seit mehr als 50 Jahren teilen Chemiker katalytische Reaktionen in solche ein, die von der Struktur und Größe des Katalysators beeinflusst werden und solche, auf die diese Faktoren keinen Einfluss haben. „Die Ethenhydrierung galt als typisches Beispiel einer größenunabhängigen Reaktion. Wir vermuteten jedoch, dass diese Unterscheidung für Katalysatorpartikel im Sub-nanometer-Bereich nicht mehr gilt“, sagt Ulrich Heiz, Inhaber des Lehrstuhls für Physikalische Chemie der TU München, Mitglied und Akademischer Direktor des Zentralinstituts für Katalyseforschung.

Die Arbeitsgruppe von Professor Ulrich Heiz produzierte dazu Platinpartikel, die jeweils nur eine kleine Anzahl von Atomen besitzen. „Mit unserer Anlage können wir gezielt Platincluster mit einem bis 80 Platinatomen produzieren“, sagt Andrew Crampton, Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Heiz. An diesen ließen sie Ethen und Wasserstoff miteinander reagieren und analysierten die Ergebnisse.

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