Wie leicht man an Covid-19 erkrankt, hängt von vielen Faktoren ab. Nicht alle kann man aktiv beeinflussen. So scheint u.a. die Blutgruppe eine Rolle zu spielen. Dazu haben Forscher der Med Uni Graz rund 400 Corona-Erkrankte untersucht und dabei herausgefunden, bei welcher Blutgruppe eine Corona-Erkrankung häufiger auftritt und bei welcher seltener.
Beeinflusst die Blutgruppe das Erkrankungsrisiko an Corona? Erste Studienergebnisse sprechen dafür.
Graz/Österreich – Weltweit wird aktuell an den Ursachen geforscht, die eine Infektion mit SARS-CoV-2 begünstigen bzw. den Krankheitsverlauf von Covid-19 beeinflussen. Wie Studienergebnisse aus China und einigen europäischen Ländern zeigen, scheint hier die Blutgruppe eine Rolle zu spielen.
Den möglichen Zusammenhang zwischen verschiedenen Blutgruppen und der Wahrscheinlichkeit einer Covid-19 Infektion haben Forscher der Med Uni Wien untersucht. Sie bestimmten die Blutgruppen von Covid-19-Erkrankten und ermittelten den Anteil jeder Blutgruppe in der Patientengruppe. Diese Anteile verglichen die Forscher dann mit der Blutgruppenverteilung einer gesunden Kontrollgruppe aus derselben Region in der Steiermark. Dabei zeigte sich, dass manche Blutgruppen unter den Erkrankten häufiger vorkamen als nach der Blutgruppenverteilung der gesunden Bevölkerung zu erwarten wäre.
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Zusammenhang zwischen Blutgruppe und Corona-Infektion
Es ist bereits bekannt, dass die Zucker-Strukturen, wie sie im AB0-Blutgruppensystem (s. Ergänzendes zum Thema, am Ende des Beitrags) an der Zelloberfläche der roten Blutkörperchen ausgeprägt sind, nicht nur für das Unterscheiden von Blutgruppen eine Rolle spielen. Diese Antigene sind im Körper auch relevant, um Mikroorganismen zu erkennen. Man findet die A- und B-Antigene z.B. auch in Geweben der Atmungsorgane und des Verdauungstraktes. „Pathogene wie Bakterien oder Viren können dabei selektiv an Blutgruppenstrukturen binden und die Besiedelung des betroffenen Gewebes oder die Aufnahme in die Zellen beeinflussen“, erklärt die Studienleitern Eva Maria Matzhold, Molekularbiologin an der Universitätsklinik für Blutgruppenserologie und Transfusionsmedizin an der Med Uni Graz. „In unserer Studie untersuchen wir, ob die AB0-Blutgruppeneigenschaften einen möglichen weiteren Risikofaktor für die Infektion und die Erkrankung an Covid-19 darstellen können“, ergänzt Transfusionsmediziner Thomas Wagner.
In den ersten vorgestellten Forschungsergebnissen konnte bereits gezeigt werden, dass ein Zusammenhang zwischen der Blutgruppe und einer Infektion mit SARS-CoV-2 nachweisbar ist. Damit können frühe Hinweise einer Studie aus China und einer genomweiten Assoziationsstudie (Europäische GWAS Covid-19 Forschungsgruppe) bestätigt werden.
Die Studie an der Med Uni Graz ist als retrospektive Fall-Kontroll-Studie mit insgesamt 399 SARS-CoV-2 positiv getesteten Patienten aufgebaut, die infolge einer Covid-19 Erkrankung in stationärer Behandlung waren. „Als Vergleichskontrolle für die ‚normale‘ Blutgruppenverteilung in der Steiermark dienen die Vollblutspenderinnen und -spender des Blutspendedienstes“, beschreibt Wagner den Aufbau der Studie. Insgesamt 250.298 Blutspenden des ÖRK Landesverband Steiermark flossen in diese Kontrollgruppe mit ein.
Welche Blutgruppe hat das geringste Erkrankungsrisiko?
„Unsere Studienergebnisse zeigen, dass Menschen mit der Blutgruppe 0 eine statistisch signifikant geringere Wahrscheinlichkeit haben, an Covid-19 zu erkranken, als Menschen mit anderen AB0-Phänotypen“, fassen die Forscher ein wesentliches erstes Ergebnis zusammen. Die Blutgruppe AB hingegen wurde bei infizierten und an Covid-19 erkrankten Menschen signifikant häufiger festgestellt als in der Kontrollgruppe aus gesunden Blutspendern.
Statistische Verteilung der Blutgruppen in ganz Deutschland
(Bild: Statista)
Der Schweregrad der Covid-19 Erkrankung bleibt allerdings von der AB0-Blutgruppe unbeeinflusst. Das bedeutet, dass die Erkrankung bei Menschen mit Blutgruppe 0 nicht leichter verläuft als bei Menschen mit Blutgruppe AB. Eine AB0-Blutgruppenbestimmung sollte aktuell also nicht als prognostischer Marker für den Verlauf von Covid-19 herangezogen werden. Die Blutgruppe kann aber anscheinend als ein Risiko-Merkmal aufgefasst werden, ob es wahrscheinlicher oder unwahrscheinlicher ist, durch SARS-CoV-2 zu erkranken.
Die Forscher wollen nun den Mechanismus, der dabei eine Rolle spielt, erforschen. Möglicherweise lassen sich so auch neue Ansatzpunkte für die Behandlung von Covid-19-Patienten entwickeln.
Blutgruppen im AB0-System
Die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) sind ringförmige Zellen, die Sauerstoff und Kohlendioxid durch die Blutbahnen tragen. Ihre Hülle ist eine Membran., in der viele unterschiedliche Kohlenhydrate (Zucker) und Eiweiße stecken. Diese verleihen den roten Blutkörperchen eine bestimmte Oberflächenstruktur, sie werden auch Antigene genannt. Zu diesen Antigenen gehören auch die „Blutgruppen-Kohlenhydrate“ A und B. Nach ihnen teilen Mediziner Blut gemäß dem AB0-System in vier verschiedene Blutgruppen ein: A, B, AB und 0, je nach Kombination der Antigene auf den Blutkörperchen.
Infografik des Blutspendedienstes des Bayerischen Roten Kreuzes zur Kompatibilität der Blutgruppen
(Bild: BRK, www.blutspendedienst.com)
Menschen mit der Blutgruppe Null haben keines dieser genannten Blutgruppenantigene auf der Oberfläche ihrer roten Blutkörperchen. Bei Menschen mit der Blutgruppe AB sind beide Kohlenhydrate (A und B) in der Erythrozytenmembran enthalten. Bei Blutgruppe A ist nur das Antigen A vorhanden, bei Blutgruppe B nur das Antigen B. Zusätzlich zu den Antigenen spielt auch der so genannte Rhesus-Faktor (positiv oder negativ) eine Rolle für die Blutgruppen und die Bluttransfusionen (s. Grafik).
Stand: 08.12.2025
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* G. Auer, Medizinische Universität Graz, 8010 Graz/Österreich