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Anforderungen an BSL3-Labore

Wie dicht ist begasungsdicht?

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Üblicherweise werden in einem S3-Labor bzw. in einem entsprechenden Tierhaltungs- oder Produktionsgebäude sowie in Gewächshäusern, die Verfahren innerhalb der Räume schon durch ein so genanntes Primärcontainment gesichert, soweit wie dies möglich ist. Im Folgenden soll eine mögliche praxisnahe Herangehensweise diskutiert werden. Sind ungewollte Freisetzungen und Verschleppungen durch bauliche Bedingungen nicht auszuschließen, muss durch geeignete technisch-aktive Anlagen oder geeignete Dichtungsmaßnahmen (auch temporär) die Kontamination nach außen verhindert werden. Ist eine gewollte Freisetzung innerhalb des Raums nicht zu vermeiden (Großtierhaltung, gegebenenfalls Gewächshaussituation und Fertigungen) ist darüber hinaus die Dichtigkeit an die Umschließungsflächen (Containment) eine zusätzliche Sicherheitsanforderung. Dies ist zwingend zu betrachten und umzusetzen.

Nachfolgend wird anhand von zwei unterschiedlichen Beispielen die Herangehensweise erörtert. Ziel ist es, jede Raumkubatur betrachten zu können, um die zulässige Leckagerate technisch sicher und reproduzierbar zu ermitteln.

Beispiel 1 – Keine luftgängigen Erreger

Die Situation stellt sich wie folgt dar: Aktives Containment, keine luftgängigen Erreger (aktives Containment = redundante Abluftanlage, keine besondere Bauqualität notwendig).

Gefährdungsbeurteilung: Bei richtiger Handhabung und Vermeidung von Aerosolbildung kann davon ausgegangen werden, dass an die Dichtigkeit der Räume keine besonderen Anforderungen gestellt werden müssen, da eine Verbreitung über die Luft ausgeschlossen werden kann. Es empfiehlt sich jedoch, die Unterdruckhaltung sicherzustellen, da gegebenenfalls bei unsachgemäßer Handhabung, Laborunfällen oder auch technisch defekten Labor- und Anlagengeräten (z.B. Ultrazentrifugen), eine Verbreitung über Aerosole nicht ausgeschlossen werden kann.

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In diesem Fall empfehlen wir zunächst die Dichtigkeitsklasse C aus der DIN EN 13779 anzuwenden. Die Notwendigkeit einer Begasung besteht im Regelfall nicht, es sei denn, es ist durch zuvor beschriebenes technisches Versagen oder menschliches Fehlverhalten zu einer Aerosolbildung gekommen, sodass aus Sicherheitsüberlegungen auf eine Begasung zurückgegriffen wird. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass natürlich vorher eine klassische Oberflächendesinfektion durchzuführen ist.

Die Beurteilung geht von einer geringen Gefährdung aus, insbesondere dann, wenn die Abluftanlage im Unterdruck ausfallsicher ausgeführt wird und es zu einer gerichteten Strömung innerhalb der Containmentanlage/S3-Anlage kommt. Die Dichtigkeit der baulichen Konstruktion und die Wirksamkeit der sicherheitsrelevanten technischen Anlagen müssen untereinander abgestimmt werden, auch unter Betrachtung der Rückbau- und späteren Betriebskosten. Die ermittelte Leckagerate von 18,2 m2/h gelten nur für diese Geometrie und wie in Abbildung 2 ersichtlich auch nur für diesen definiert zu haltenden Unterdruck. Bei der Unterdruckhaltung stellt dieser Wert den ermittelten theoretischen Abluftüberschuss für diesen Raum dar. Eine Luftwechselrate ist für diese Betrachtungsweise nicht relevant, da diese auf Leckagen keinen Einfluss haben.

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