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Anforderungen an BSL3-Labore

Wie dicht ist begasungsdicht?

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Beispiel 2 – Luftgängige Erreger vorhanden

Die Situation stellt sich wie folgt dar: Luftgängige Erreger sind innerhalb des S3-Labors bzw. der Fertigung oder des Tierraums freigesetzt.

Bei der Gefährdungsbeurteilung ist davon auszugehen, dass sich, wie bei der ungewollten oder gewollten Freisetzung, die Erreger innerhalb des Raums bewegen. Die in den S3-Bereichen anfallenden Aerosole/Partikel und Erreger unterliegen hinsichtlich ihres Raumströmungsverhaltens unterschiedlicher physikalischen Gesetzmäßigkeiten. Die Krankheitserreger lassen sich nach der physikalisch relevanten Größe folgendermaßen einordnen:

  • Viren/Prionen – 0,01 bis 0,4 µm
  • Bakterien – 0,5 bis 5 µm
  • Sporen – 5 bis 15 µm

Die Partikel-/Aerosol-/Erregerbewegungen richten sich nach den in Tabelle 1 aufgeführten Bedingungen.

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Wird aus Sicherheitsgründen und aus behördlicher Verfügung eine Begasung notwendig und ist es aus organisatorischen Gründen, zum Beispiel bei einer Tierhaltung nicht möglich die Probanden aus der Tierhaltung zu verlegen (S3), ist eine gasdichtere Bauweise zwingend notwendig. Der betreffende und damit verbundene Räume bilden eine in sich geschlossene „dichte“ Einheit und sind somit der kleinste Begasungsabschnitt.

Es ist empfehlenswert, die raumlufttechnische Anlage oder die Begasungsanlage so auszuführen und abzustimmen, dass während des Begasungsvorgangs zur Kompensation von Undichtigkeiten ein Unterdruck innerhalb der zu begasenden Räume aufrecht erhalten werden kann. Dabei ist die Kapazität und Lüfterleistung des Begasungsgenerators, unabhängig davon, ob es sich um eine Formaldehyd- oder Wasserstoffperoxid-Begasung handelt, von entscheidender Bedeutung für die Haltung des Unterdrucks während der Begasung und zur Kompensation der Raumleckagen. Erfahrungen zeigen, dass Leckageraten, die mehr als 10% des Leistungspotenzials des Begasungsgenerators ausmachen, den Konzentrationsaufbau verringern und zu einem negativen Desinfektionsergebnis führen können. Einige ausgeführte S3-Bereiche erfüllen aufgrund der baulichen Konstruktion und der qualitativ und quantitativ ungenügenden Ausführung, auch in Verbindung mit querenden und durchdringenden Leitungen der Gewerke und der Gebäudeautomation, nicht die Dichtigkeitsanforderungen.

Unter dieser Voraussetzung und der Notwendigkeit, dass in den angrenzenden Räumen die zulässige Konzentration des jeweiligen Gases nicht überschritten werden darf, ergibt sich eine wesentlich höhere Anforderung an die Dichtigkeit der S3-Labore. Als geeignete Zielgröße kann die Dichtigkeitsklasse D nach der DIN EN 13779 herangezogen werden (s. Abb. 4).

Die in den Dichtigkeitsklassen festgelegten Druckdifferenzen sind allerdings kritisch zu betrachten, da während des Begasungsvorgangs diese Druckdifferenzen real nicht entstehen, beziehungsweise nicht entstehen müssen. In Folge dessen sind Analogiebetrachtungen hinsichtlich der realen Druckdifferenzen durchzuführen und die Leckageraten bereits in der Planung zu ermitteln.

Abbildung 5 veranschaulicht die Abschätzung der Konzentrationen in Nachbarräumen bei Begasung und Druckgefälle zu den Nachbarräumen bei Dichtigkeitsklasse D für den Nebenraum beziehungsweise den Flur. Der ermittelte Wert liegt in beiden angrenzenden Räumen über dem Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) für Dauerarbeitsplätze. In diesem Fall können diese Räume während einer Begasung nicht weiterbetrieben und betreten werden, ohne im Vorfeld zusätzliche Dichtungsmaßnahmen vorgenommen zu haben.

* Dr. Ing. U. Weber: Weber & Partner GmbH, 50679 Köln

* *Dipl.-Ing. D. Reichenbacher: Robert Koch Institut, ZV 3 - Bau und Technik, 13353 Berlin

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