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Anforderungen an BSL3-Labore Wie dicht ist begasungsdicht?

| Autor/ Redakteur: Dr. Udo Weber* und Detlef Reichenbacher** / Dr. Ilka Ottleben

In BSL-3-Laboren darf mit Erregern ernsthafter, mitunter hochansteckender Krankheiten gearbeitet werden. Im Gegensatz zu BSL-4-Erregern sind diese zwar meist behandelbar, dennoch sollte ein Entweichen natürlich wirksam unterbunden werden und das Labor „dicht“ sein. Doch was heißt das genau? Welche Anforderungen an BSL3-Labore nach GenTSV und BiostoffV gibt es

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Abb. 1: BSL3-Labore müssen laut BioStoffV und dem Gentechnikgesetz bzw. GenTSV „begasbar“. Doch was bedeutet das konkret in der Praxis?
Abb. 1: BSL3-Labore müssen laut BioStoffV und dem Gentechnikgesetz bzw. GenTSV „begasbar“. Doch was bedeutet das konkret in der Praxis?
(Bild: Robert Koch Institut (RKI)

Die Anforderungen nach einer dichten Bauweise bei BSL3-Laboren, Tierhaltungen, Produktionen und Gewächshäusern resultiert aus der BioStoffV und dem Gentechnikgesetz bzw. der GenTSV. Wörtlich heißt es: „Die Räume müssen begasbar sein“. Doch was bedeutet das für die Konstruktion, Ausführung und das Betreiben?

Zunächst müssen in diesem Zusammenhang die einzelnen Daseinsformen bekannt sein, wie lebensfähige Organismen, Überdauerungszustände (z. B. Sporen, Viren etc.) und/oder biologische Molekülketten. Danach richtet sich, mit welchem Gasgemisch eine Desinfektion durchzuführen ist. Üblicherweise sollten die Gasgemische in der Wirksamkeit für die jeweiligen Erreger validiert sein. In Deutschland sind für eine Begasung entweder Formaldehyd oder Wasserstoffperoxid (H2O2) üblich.

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Neben den gesetzlichen Anforderungen, die in der Gentechnik-Sicherheitsverordnung (GenTSV) und Biostoffverordnung (BioStoffV) beschrieben sind, gibt es zusätzlich zu berücksichtigende Forderungen aus der Nutzung, die eine höhere Dichtigkeit voraussetzen. Jedoch muss festgestellt werden, dass hinsichtlich der Gasdichtheit keine technisch eindeutig nachvollziehbaren Dichtigkeitsanforderungen und keine konkreten Maßnahmen und Prüfszenarien beschrieben werden. Auch auf internationaler Ebene gibt es keine umsetzungsfähigen eindeutigen Aussagen in den Dichtigkeitsanforderungen. Die oftmals herangezogene „Kanadische Richtlinie“ bietet aus anwendungstechnischer Sicht keine geometriebezogenen Grenzwerte an.

Bei der weiteren Vorgehensweise ist zu unterscheiden, um welche Erregerart es sich bei der Gefährdungseinstufung S3/BSL3 handelt und ob es sich dabei um luftgängige und nicht luftgängige Erreger bzw. Agenzien handelt. Dabei wird folgende Herangehensweise empfohlen:

  • Klärung mit dem Nutzer, wie hoch die Verfügbarkeit der eigentlichen S3-Anlage sein muss, einschließlich der benachbarten Räume. Dabei ist festzulegen, ob gegebenenfalls die benachbarten Räume während eines Begasungsvorgangs geräumt werden, das heißt außer Betrieb genommen werden können.
  • Es ist sicherzustellen, dass während eines Begasungsvorganges die Ver- und Entsorgung, sowie die Fluchtwege gesichert sind und der Zutritt in angrenzende Räume, z.B. bei einem Tierhaus/Tierhaltung, nach wie vor möglich ist.
  • Die Anforderungen der Gesetzgeber, beziehungsweise der abnehmenden Behörde sind ebenfalls zu berücksichtigen.
  • Beim Begasen muss die Materialbeständigkeit der technischen Ausstattung des Labors, des Mobiliars, der Oberflächen und deren eventuelle katalytische Wirkung berücksichtigt werden.

Neben diesen vorgenannten Randbedingungen sind natürlich die gesamte Sicherheitssituation, bzw. die speziellen eventuell nutzerspezifischen Sicherheitsanforderungen auf Relevanz zu betrachten und einzuhalten.

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