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Die Big Five Persönlichkeitsmerkmale regional

Wie neurotisch sind Niedersachsen? Psychologische Deutschlandkarten erstellt

| Autor/ Redakteur: Sebastian Hollstein / Dr. Ilka Ottleben

Norddeutsche gelten als wortkarg und unterkühlt, Rheinländer als herzliche Plaudertaschden – die Liste der Klischees und Vorurteile hinsichtlich der Ausprägung bestimmter Persönlichkeitsmerkmale von Bewohnern unterschiedlicher Regionen Deutschlands ist lang. Doch was ist dran? Ein internationales Forscherteam hat nun für die so genannten Big Five, die fünf Persönlichkeitsmerkmale, die ab dem Erwachsenenalter relativ konstant bleiben, psychologische Deutschlandkarten erstellt. Sie förderten Überraschendes zutage, bestätigten aber auch einige vorherrschende Klischees.

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Psychologische Deutschlandkarte zum Merkmal Neurotizismus (rote Werte: hoch, blaue Werte: niedrig).
Psychologische Deutschlandkarte zum Merkmal Neurotizismus (rote Werte: hoch, blaue Werte: niedrig).
(Bild: Obschonka, Wyrwich, Fritsch, Gosling, Rentfrow, Potter)

Jena – Der Norddeutsche gilt als unterkühlt, der Süddeutsche eher als gemütlich – Großstädter sind weltoffen, Landbewohner dagegen reserviert. Es gibt nicht wenige Vorurteile gegenüber den Bewohnern einzelner Regionen in Deutschland und ihren Persönlichkeitsmerkmalen, zum Beispiel auch im Ost-West-Vergleich. Doch wie viel Wahrheit steckt in solchen Zuschreibungen wirklich und wie kommt es zu regionalen Persönlichkeitsunterschieden?

Wirtschaftswissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena haben nun gemeinsam mit Psychologen aus Australien, Großbritannien und den USA eine Antwort auf diese Fragen gefunden: Viele der zugeschriebenen Stereotypen treffen zu. Die Ergebnisse ihrer Studie werden die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Psychologische Rundschau“ vorstellen.

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Die Big Five Persönlichkeitsmerkmale im Fokus

Für ihre „psychologischen Landkarten“ haben die Wissenschaftler die Ausprägungen fünf verschiedener Persönlichkeitsmerkmale betrachtet. Sie analysierten Daten von über 73.000 Personen im Alter zwischen 20 und 64 Jahren, die an einer Online-Persönlichkeitsstudie im Rahmen des internationalen „The Big Five Project“ teilgenommen haben. „Die Forschung zu kulturellen Unterschieden von Regionen hat dank solcher großen Datensätze in den vergangenen Jahren wichtige Fortschritte gemacht, sodass wir nun zum ersten Mal psychologische Landkarten für Deutschland erstellen und auswerten können“, sagt Prof. Dr. Michael Fritsch, der gemeinsam mit seinem Kollegen PD Dr. Michael Wyrwich an der Universität Jena zu dem Thema forscht.

„Im Fokus unserer Arbeit standen dabei die sogenannten Big Five. Dabei handelt es sich um fünf Persönlichkeitsmerkmale, die ab dem Erwachsenenalter relativ konstant bleiben und mit denen sich die Persönlichkeitsstruktur eines erwachsenen Menschen umfassend beschreiben lässt“, erläutert Prof. Dr. Martin Obschonka von der Queensland University of Technology.

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Die Big Five Persönlichkeitsmerkmale

Bei den so genannten Big Five handelt es sich um fünf Persönlichkeitsmerkmale, die ab dem Erwachsenenalter relativ konstant bleiben und mit denen sich die Persönlichkeitsstruktur eines erwachsenen Menschen umfassend beschreiben lässt.

Diese fünf Persönlichkeitsmerkmale sind:

  • Extraversion, also eine nach außen gewandte, aktive und gesellige Haltung,
  • Verträglichkeit im Sinne von Kooperationsbereitschaft und Altruismus,
  • Gewissenhaftigkeit, d. h. eine organisierte, sorgfältig planende und zuverlässige Haltung,
  • Offenheit für neue Erfahrungen, die durch rege Fantasie, Wissbegierde und eine Vorliebe für Abwechslung gekennzeichnet ist sowie
  • Neurotizismus (geringe emotionale Stabilität), also einer Tendenz zu Angst, Nervosität und Unsicherheit.

Persönlichkeitsmerkmale: Verträgliche Bayern, gewissenhafte Mecklenburger

Betrachtet man nun die Ausprägungen der Persönlichkeitsmerkmale auf der Landkarte, so ergeben sich – trotz großer Vielfalt – einige charakteristische Profile, die gängige Vorurteile teilweise bestätigen. So kann man etwa herauslesen, dass Süddeutsche und die Bewohner großer Städte, wie Berlin, Hamburg oder München, stärker nach außen gewandt sind als etwa die Menschen an der Küste. Ein ähnliches Gefälle zeigt sich auch zwischen Ost- und Westdeutschland, was das Bild vom introvertierten Ostdeutschen und dem eher extrovertierten Westdeutschen bestätigt.

Die Verträglichkeit ist in Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise weniger ausgeprägt als im südlichen Bayern, im Südwesten Deutschlands rund um Freiburg sowie auch im westlichen Sachsen-Anhalt. Im Gegensatz dazu erreichen die Bewohner der Mecklenburger Seenplatte beispielsweise höhere Werte bei der Gewissenhaftigkeit – anders als beispielsweise die Region rund um die baden-württembergische Landeshauptstadt Stuttgart.

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