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Nebenwirkung von Schrotmunition Wie umweltverträglich sind Jagdschrote?

| Autor/ Redakteur: Sabine Letz* / Christian Lüttmann

Ihre tödliche Wirkung ist Jägern bekannt und gewünscht – sofern es um die ballistische Zerstörungskraft der Schrotmunition geht. Doch ins Wasser gelangte Kugeln setzen Metallionen frei, die toxisch für die Umwelt sind. Dies gilt nicht nur für weitgehend verbotenes Bleischrot, sondern auch für einige alternative Munitionsmaterialien – und das teilweise gravierender als bei Bleikugeln, wie eine neue Studie der TU München zeigt.

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Schrotkugeln aus verschiedenen Materialtypen wurden für die Studie getestet.
Schrotkugeln aus verschiedenen Materialtypen wurden für die Studie getestet.
(Bild: A. Göttlein/ TUM)

München – Aufgrund ihrer ballistischen Eigenschaften galten Bleischrote bislang als optimale Munition für die Jagd auf Wasservögel. In die Kritik geriet dieses Material, als Bleivergiftungen bei Enten und Seeadlern beobachtet wurden, die die Schrotkugeln beim Gründeln oder mit der Beute aufgenommen hatten.

Inzwischen bieten Munitionshersteller eine Reihe alternativer Jagdschrote an: Eisen, Kupfer, Zink, Wolfram oder Wismut sind dort als Hauptbestandteile deklariert. Ein Team der Technischen Universität München (TUM) um Prof. Dr. Axel Göttlein und Prof. Dr. Jürgen Geist hat diese Schrote genauer untersucht und festgestellt: Einige der Alternativen sind für Gewässerorganismen sogar toxischer als die konventionelle Bleimunition.

Bedenkliche Ionenabgabe bei bleifreien Kugeln

Im Rahmen der TUM-Studie wurden Schrotkugeln der verschiedenen Materialtypen unter jeweils gleichen Bedingungen in Wasser gegeben. Dabei zeigte sich zum einen, dass die Metallionenabgabe in die Lösung sehr unterschiedlich ist: Während Schrote aus Wolfram, Wismut und ein beschichteter Bleischrot fast keine Metallionen in die Wasserlösung abgaben, wurden für Schrote aus Kupfer und Zink bedenklich hohe Konzentrationen gemessen.

Zum anderen stellten die Forscher fest, dass nicht unbedingt die Hauptkomponente des Schrotmaterials die Ionenfreisetzung dominiert. Besonders auffällig war hier ein Eisenschrot, der kaum Eisen, sondern stattdessen große Mengen an Zink freisetzte, welches offensichtlich aus einer Beschichtung stammte.

Wenn der Große Wasserfloh träge wird…

Um die toxische Wirkung der freigesetzten Metallionen einzuordnen, wendeten die Forscher einen nach DIN standardisierten Test an. Dazu untersuchten sie, wie sich die im Wasser gelösten Ionen auf die Mobilität des Großen Wasserflohs auswirkten. Wie die Studie zeigte, beeinflussten Schrote aus reinem Eisen, Wismut und Wolfram die Mobilität der Wasserflöhe Wasserflöhe im Vergleich mit einer Kontrollgruppe überhaupt nicht. Und selbst Bleischrote beeinträchtigten die Mobilität der Flöhe nicht signifikant.

Anders sah es hingegen bei Munition aus Kupfer und Zink aus: Schon geringe Mengen führten stets zu einer sehr hohen bis totalen Immobilisierung der Wasserflöhe. Dies ist den Wissenschaftlern zufolge ein Zeichen verringerter Vitalität dieser Zeigerorganismen – und damit der hohen toxischen Wirkung von Kupfer- und Zinkmunition.

Neue Gesetze nötig?

Wenn aus Umweltschutzgründen ein Verbot von Bleischrot gefordert wird, müssten nach aktuellem Wissensstand unbedingt auch die Metalle Kupfer und Zink für die Schrotherstellung verboten werden, so das Fazit der Studie. Da aber in der Natur sehr verschiedene Bedingungen der Wasserqualität mit den entsprechend angepassten Organismen vorkommen, seien unbedingt weitere Studien nötig. Nur so ließen sich den Forschern zufolge Entscheidungen über Alternativen zu Bleischrot auf eine gesicherte Grundlage stellen.

Originalpublikationen: Fäth J, Feiner M, Beggel S, Geist J, Göttlein A: Leaching behavior and ecotoxicological effects of different game shot materials in freshwater. Knowledge & Management of Aquatic Ecosystems. (419); 24, 2018, DOI: 10.1051/kmae/2018009

* S. Letz, Technische Universität München, 80333 München

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