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Gängiges Antiparasitikum mit weitreichenden Folgen Wurmmittel für Weidetiere bringen Nahrungsketten durcheinander

Quelle: Pressemitteilung Christian-Albrechts-Universität zu Kiel 3 min Lesedauer

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Ein gängiges Mittel gegen Parasiten gelangt über den Boden zu Pflanzen und Insekten – und stört dort das ökologische Gleichgewicht. Das haben Forschende in einer aktuellen Studie veröffentlicht und fordern nun, dass komplexe ökologische Beziehungen zwischen Arten künftig stärker berücksichtigt werden, wenn die Wirkung von Tierarzneimitteln auf die Umwelt untersucht wird.

Moxidectin ist ein Endektozid mit Wirkung gegen eine Vielzahl von Endo- und. Ektoparasiten beim Rind. (Symbolbild)(Bild:  © Anselm – stock.adobe.com)
Moxidectin ist ein Endektozid mit Wirkung gegen eine Vielzahl von Endo- und. Ektoparasiten beim Rind. (Symbolbild)
(Bild: © Anselm – stock.adobe.com)

Forschende der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und der Universität Trier weisen erstmals nach, dass ein weitverbreitetes Wurmmittel für Weidetiere nicht nur einzelne Pflanzen und Insekten schädigt, sondern ganze ökologische Beziehungsgefüge verändert. Untersucht wurde der Wirkstoff Moxidectin im Präparat Cydectin, das Landwirte häufig gegen Parasiten bei Weidetieren einsetzen.

Bislang war bekannt, dass Wurmmittel einzelne Arten beeinflussen können: Samen von typischen Grünlandpflanzen verändern etwa ihr Keimungsverhalten, wenn sie mit Wurmmitteln in Kontakt kommen. Käfer- und Fliegenlarven, die im Kot behandelter Weidetiere leben, zeigen geringere Überlebensraten. Wie sich diese Effekte auf das Zusammenspiel mehrerer Arten auswirken, hatte bisher niemand untersucht.

Aufbau des Semi-Field-Experiments: Das Team setzte die Tiere und Pflanzen in kleine, insektendichte Käfige.(Bild:  © Andrés García, Uni Kiel)
Aufbau des Semi-Field-Experiments: Das Team setzte die Tiere und Pflanzen in kleine, insektendichte Käfige.
(Bild: © Andrés García, Uni Kiel)

Weidetierhalter setzen Wurmmittel ein, um ihre Tiere gesund zu halten und wirtschaftlich zu arbeiten. Ein Verzicht auf die Mittel ist daher meist keine Option. Das untersuchte Präparat enthält den Wirkstoff Moxidectin. Dieser gehört zur Gruppe der makrozyklischen Laktone – das sind Antiparasitika mit Langzeitwirkung. Der Körper der Tiere baut den Wirkstoff kaum ab. Er gelangt deshalb in großen Teilen über den Kot behandelter Tiere in den Boden – oder wenn Landwirte ihre Felder mit Gülle oder Festmist düngen.

Weniger Früchte, mehr Blattläuse

Für ihre Untersuchung bauten die Forschenden in einem einfachen Modell eine Nahrungskette nach. Sie kombinierten drei Arten: die Kultur-Erdbeere, die Grüne Pfirsichblattlaus und die Hainschwebfliege. Die Erdbeerpflanze diente den beiden Insekten als Nahrung. Die Blattlaus saugte Pflanzensaft. Die Schwebfliege nutzte im ausgewachsenen Stadium Pollen und Nektar der Blüten und fraß im Larvenstadium die Blattläuse. Das Team setzte die Tiere und Pflanzen in kleine, insektendichte Käfige. Die Hälfte der Käfige enthielt Erdbeertöpfe mit wurmmittelbelastetem Boden, die andere Hälfte unbelastete Kontrollpflanzen. Anschließend erfassten die Forschenden, wie viele Früchte die Pflanzen bildeten, wie viele Blattläuse an den Pflanzen auftraten und wie viele Eier die Schwebfliegen legten.

Aufbau des Semi-Field-Experiments: Die Hälfte der Käfige enthielt Erdbeertöpfe mit wurmmittelbelastetem Boden, die andere Hälfte unbelastete Kontrollpflanzen.(Bild:  © Andrés García, Uni Kiel)
Aufbau des Semi-Field-Experiments: Die Hälfte der Käfige enthielt Erdbeertöpfe mit wurmmittelbelastetem Boden, die andere Hälfte unbelastete Kontrollpflanzen.
(Bild: © Andrés García, Uni Kiel)

Alle drei Arten reagierten auf das Wurmmittel: Die Erdbeerpflanzen bildeten unter Wurmmitteleinfluss rund ein Viertel weniger Früchte und die Blattläuse vermehrten sich zehnmal stärker – allerdings nur, wenn keine Schwebfliegenlarven anwesend waren. Eine mögliche Erklärung: Das Wurmmittel schwächt die Abwehrkräfte der Pflanze gegen die Blattläuse. Auch die Schwebfliegen reagierten: Weibchen, die Blüten wurmmittelbehandelter Pflanzen besuchten, legten viermal mehr Eier. Diese Eier waren jedoch ungleichmäßiger in der Größe und wirkten optisch weniger vital. Unter dem Strich könnte das den Fortpflanzungserfolg der Schwebfliegen verringern.

„Wir waren überrascht, wie weitreichend ein einzelnes Präparat das Zusammenspiel zwischen Pflanze und Insekt verändern kann", sagt Dr. Andrés García. „Das zeigt, dass wir bei der Bewertung von Tierarzneimitteln nicht nur einzelne Arten, sondern ganze ökologische Beziehungen im Blick behalten müssen."

Wirkung von Tierarzneimitteln auf die Umwelt

Offen ist bisher, wie das Wurmmittel diese Effekte genau auslöst. Weitere Studien sollen zeigen, welchen Anteil der Wirkstoff Moxidectin, die übrigen Inhaltsstoffe und deren Abbauprodukte an diesen Effekten haben und wie sie in der Nahrungskette weitergegeben werden. Die Autoren der Studie fordern, komplexe ökologische Beziehungen zwischen Arten künftig stärker zu berücksichtigen, wenn die Wirkung von Tierarzneimitteln auf die Umwelt untersucht wird.

Originalpublikation: García A, Diekötter T, Sabu J, Greene LO, Kuhtz L, Donath TW, Eichberg C (2026): Effects of a formulation of the veterinary drug moxidectin on the performance of a plant-insect food chain. Science of the Total Environment 1031, 181822.

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