English China

Wasser- und Umweltanalytik Zweifeln, Untersuchen und Entdecken – Aufgaben eines Analytik- und Umweltlabors

Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Untersuchungen auf einem 135 ha großen ehemaligen Armeegelände oder das Biomonitoring von Bienen – vielfältig sind die Aufgaben eines Analytik- und Umweltlabors. Wie hier neue Analysemethoden helfen können und warum die Laborautomation in seinem Unternehmen keine große Rolle spielt, schildert Volker Liebig, Geschäftsführer der Orga Lab GmbH, im LP-Interview.

Anbieter zum Thema

LaborPraxis: Herr Liebig, die Bandbreite der zu untersuchenden Substanzen in der Wasser- und Umweltanalytik ist enorm groß. Bitte nennen Sie uns einige aktuelle Referenzprojekte ihres Unternehmens.

Liebig: Das größte Projekt – begonnen in unserem Gründungsjahr 1990 – ist die analytische Begleitung der Konversion des ehemaligen amerikanischen Stützpunktes in Erlangen, den Ferris Barracks. Sie können sich sicher vorstellen, dass wir auf dem 135 ha großen, vornehmlich bebauten Kasernenareal, heute noch Untersuchungen durchführen. Ein weiteres bundesweit bekanntes Projekt ist die flächendeckende Altlastenerkundung der NHM Stahlwerke GmbH in Sulzbach-Rosenberg. Am dortigen Schlackenberg übernehmen wir bis heute die Überwachung einer der modernsten Sickerwasseraufbereitungsanlagen. Die Europäische Kommission beauftragte uns 2003 mit dem Projekt „Effectiveness of vapour retardants in reducing risks to human health from painting strippers containing dichloromethane“ – eine sehr interessante, wenn auch bürokratisch aufwändige Aufgabe. Zu meinen persönlichen Lieblingsthemen gehört das fortlaufende Konzept „Biomonitoring mit Bienen an Deutschen Verkehrsflughäfen“. Eine reizvolle Aufgabenstellung mit süßem Nebeneffekt – immer ein Glas Honig als zusätzliches Dankeschön.

LaborPraxis: Welche Dienstleistungen auf dem Gebiet der Wasser- und Umweltanalytik bietet die Orga Lab GmbH an?

Liebig: Gemäß unseres Leitspruches analysieren – prüfen – testen, führt Orga Lab seit 1990 alle Untersuchungen der organischen und anorganischen Analytik für die verschiedenen Auftraggeber durch. Industrie-unternehmen benötigen etwa klassische Analysen aus dem Abfall- und Abwasserbereich oder auch im Altlastensektor. Ebenso führen wir Bestimmungen zur Erfassung von Gebäudeschadstoffen oder zur Einstufung von Kühlwasser durch. Unsere Stärke liegt beispielsweise in neuen Untersuchungsreihen, die die Entwicklung von passenden Methoden und Verfahren erfordern – hier können wir Flexibilität und Kreativität unter Beweis stellen. Dazu kommen eine ganze Reihe komplexer Prüfungen für unseren Mutterkonzern, die Müller-BBM GmbH in Planegg und dessen acht deutschlandweiten Niederlassungen, in den Fachbereichen Bau, Umwelt und Technik.

LaborPraxis: Die vielen unterschiedlichen Proben machen natürlich auch den Einsatz einer Vielzahl von Methoden erforderlich. Welche setzen Sie bei Ihren Untersuchungen ein?

Liebig: Die Komplexität ist absolut korrekt, unser Gerätepark ist enorm – vom einfachen Gaschromatographen über GC-MS, HPLC-Anlagen bis hin zum ICP-Massenspektrometer aus der X-Serie von Thermo Fisher Scientific. Es ist das kleinste Tisch-ICP-MS-Gerät am Markt und enthält als Baugruppen unter anderem das neue Infinity-Linsensystem und einen Off-Axis-Quadropol.

LaborPraxis: In den vergangenen Jahren hat sich gerade die Umweltanalytik durch eine Vielzahl neu hinzugekommener Substanzen (Medikamente, Hormone etc.) verändert. Welche Auswirkungen hat das auf Ihre Arbeit?

Liebig: Die Medien berichten täglich von neuen Substanzen, die unser Leben beeinflussen sollen. Doch zumeist gibt es am Anfang keine standardisierte Analysenmethodik – Methoden und entsprechende Technik müssen häufig erst entwickelt werden. Wir – ebenso wie andere privatwirtschaftliche Unternehmen – müssen dann sozusagen Kosten-Nutzen-Erwägungen anstellen: Handelt es sich um Strohfeuer mit kurzer Öffentlichkeitswirkung oder um eine relevante Materie, die einen andauernden Effekt ausübt? So wirbelten zum Beispiel die perflorierten organischen Tenside (PFT) wie PFT-Carboxylate (z.B. PFOA) oder PFT-Sulfonate (z.B. PFOS) im vergangenen Jahr kurzzeitig gehörigen Staub auf, und dann interessierten diese Tenside vorerst doch nur in gewissen Forschungsbereichen. Eine Expansion in neue Bereiche macht für uns oder andere Laboratorien erst Sinn, wenn für neue Substanzen und die zugehörigen Analyseverfahren Gesetze oder Verordnungen erlassen werden. Eine Untersuchung wird erst dann angefordert, wenn sie erforderlich ist, also wenn es hierzu eine gesetzliche Grundlage gibt.

LaborPraxis: Wie haben sich in diesem Zusammenhang die Analysentechniken geändert? Gibt es spezielle neue Techniken, die hier zum Einsatz kommen?

Liebig: Die Analysentechniken haben sich nicht wesentlich verändert; eher ändern sich die Relevanzen. So erlebt zum Beispiel die HPLC-Massenspektroskopie durch neue Fragestellungen einen gewissen Aufschwung. Ein Teil der privatwirtschaftlichen Laboratorien investiert daher in diese Techniken, um für die zukünftige Nachfrage gerüstet zu sein. Letztlich geht es darum, sich stets mit dem neuesten Stand der Technik vertraut zu machen, um einer neuen Nachfrage entsprechend nachkommen zu können.

LaborPraxis: Hat die Laborautomation einen großen Einfluss auf Ihre Arbeit, oder sind die Proben so unterschiedlich, dass eine Automation keinen Sinn macht?

Liebig: Für uns ist die Laborautomation nicht besonders relevant, da wir ein Speziallabor für Industrieanfragen sind. Unser breites Analysenspektrum im Material- und Produktbereich zusammen mit der jeweils aufgabengerechten Zusammenstellung erlaubt keine Automation. Dank entsprechender Technik können wir im Umweltbereich mit unseren Kapazitäten sehr ergonomisch arbeiten. In unserer Branche wird natürlich von einigen Mitbewerbern die Automation der Analytik nahezu perfektioniert, mit dem Ziel extrem hohe Stückzahlen an Proben in kürzester Zeit zu günstigsten Preisen anzubieten. Der Automatisierungstrend steht gerade erst am Anfang und wird sicherlich manchen Gerätehersteller auch zu der einen oder anderen Entwicklung beflügeln. Besonderer Fokus liegt hier auf der Probenvorbereitung; die Analysentechnik an sich ist bereits schon ausgesprochen leistungsfähig.

LaborPraxis: Wie sehen Sie die Situation von Anbietern im Bereich Spezialanalytik? Leidet Ihrer Meinung nach die Qualität der Dienstleistungen unter der Masse der Anbieter?

Liebig: Der Markt der Spezialanalytik ist wesentlich kleiner als der Markt der Umweltanalytik, dafür bietet er durchaus wirtschaftlich interessante Chancen. Um Spezialanalytik anzubieten, braucht es ein entsprechendes Know-how, erfahrene Analytiker und adäquate Technik. Hier ist die eigentliche Analytik nur ein Teil der Dienstleistung: Beratung, Erarbeitung von Lösungsvorschlägen und Methodenentwicklung bieten dem Kunden ein breites Leistungsspektrum – ein Mehrwert im Vergleich zu einem reinem Analyseergebnis. Ich bezweifele, dass die Qualität unter der Masse der Anbieter leidet, auch wenn der Trend im Markt der Umweltanalytik zum Produktionsbetrieb mit günstigen Preisen geht. Diese Laboratorien versuchen interne Abläufe zu optimieren und von vornherein auf große Stückzahlen auszulegen – jedoch nicht auf Kosten der Qualität.

LaborPraxis: Wie behauptet sich Ihr Unternehmen auf diesem Markt?

Liebig: Wir von Orga Lab sehen und verstehen uns als Berater der Industrie im Bereich Umwelt- und Materialprüfung. Dank hoher fachlicher Kompetenz, moderner Analysentechnik, Flexibilität im Umgang mit den an uns herangetragenen Aufgaben und Kontinuität unserer Mitarbeiter haben wir unsere Position im Markt erreicht und werden diese erhalten und zu erweitern suchen.

(ID:220157)