Suchen

Demenzforschung

Alzheimer-Diagnose per Bluttest – Lizenz für USA

| Autor/ Redakteur: Dr. Katarina Werneburg* / Christian Lüttmann

Forscher der Universität Leipzig haben einen Bluttest zur Diagnose von Alzheimer entwickelt. Die Exklusivlizenz dafür hat nun eine Biotechnologie-Firma in den USA gekauft. Wenn der Test weiter vereinfacht wird, könnte er in Zukunft vom Hausarzt durchgeführt werden und Fälle der Alzheimerkrankheit frühzeitig aufdecken.

Firmen zum Thema

Ein spezieller Bluttest ermöglicht die Diagnose der Alzheimerschen Erkrankung.
Ein spezieller Bluttest ermöglicht die Diagnose der Alzheimerschen Erkrankung.
(Bild: Universität Leipzig)

Leipzig – Alle 100 Sekunden erkrankt in Deutschland ein Mensch an Demenz, titelt die Deutsche Gesellschaft für Alzheimer. Die meisten von ihnen leiden an der Alzheimer-Krankheit, einer Form der Demenz. Jedes Jahr kommen mehr als 300.000 Neuerkrankungen hinzu. Die genaue Ursache ist noch immer unklar. Bislang wird die Krankheit anhand der Symptome, einer Liquor-Punktion oder durch bildgebende Verfahren wie die Positronen-Emissions-Tomografie (PET) diagnostiziert. Das ist für den Patienten nicht nur unangenehm und aufwändig, diese Form der Diagnosestellung ist auch sehr teuer.

Alzheimer im Blut nachweisen

Wesentlich einfacher und effizienter kann ein Bluttest die Krankheit nachweisen, der in den vergangenen 20 Jahren an der Universität Leipzig entwickelt wurde: In einer Blutprobe des Patienten werden die weißen Blutkörperchen mit bestimmten Stoffen stimuliert, welche die Zellteilung anregen. Darauf antworten Zellen eines an Alzheimer erkrankten anders als die eines gesunden Patienten. „Anhand dieser erkrankungsspezifischen Antwort der Zellen können wir zweifelsfrei die Diagnose Alzheimer stellen. Das haben unsere klinischen Studien in den vergangenen Jahren deutlich gezeigt“, sagt Prof. Dr. Thomas Arendt, Direktor des Paul-Flechsig-Institutes für Hirnforschung.

Die Exklusivlizenz zur Nutzung dieses Tests hat das US-Unternehmen Amarantus Bioscience nun von der Universität erworben. Die Firma will den Test zukünftig weiterentwickeln und auf dessen Grundlage einen Biomarker zur Diagnose bestimmen. Ziel ist es, Alzheimer schon in der Frühphase zu entdecken, um sofort eine geeignete Therapie beginnen zu können.

Den Ursachen von Alzheimer auf der Spur

Arendt und sein Team arbeiten seit fast 40 Jahren auf dem Gebiet der Alzheimerschen Erkrankung. Sie waren in den 1980er Jahren an der Entdeckung beteiligt, die die Grundlage für die bis heute einzig mögliche Behandlung schuf: Die Forscher beobachteten, dass Neuronen im Gehirn von Alzheimer-Patienten absterben, die Signale mithilfe des Botenstoffs Acetylcholin übertragen.

Aus Arendts Sicht ist bei dieser Krankheit das Programm der Zellteilung gestört. Er vermutet hier die Ursache von Alzheimer: „Nervenzellen teilen sich eigentlich nicht. Doch bei der Alzheimerschen Erkrankung wird der molekulare Schalter wieder umgelegt und so kommt es offenbar zur falschen Zeit am falschen Ort zur Reaktivierung der Zellteilung“, erläutert der Hirnforscher. Eine Gentherapie könnte diese Teilungsprozesse aufhalten, den Zellschutz wieder aktivieren und so das Absterben der Neuronen verhindern.

Ganz unabhängig von der möglichen Therapieform von Alzheimer: Bevor man eine Behandlung beginnt, muss die Erkrankung zweifelsfrei nachgewiesen werden. Und der Bluttest der Leipziger Forscher bietet nun eine weitere Möglichkeit zur Diagnose. „Wir freuen uns sehr, dass unsere Forschung nun Eingang in die Klinik findet“, sagt Arendt. „Auch zukünftig arbeiten wir daran, dass der Test weiter vereinfacht und irgendwann vom Hausarzt durchgeführt werden kann.“

* Dr. K. Werneburg, Universität Leipzig, 04109 Leipzig

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 45663858)

Über den Autor

Christian Lüttmann

Christian Lüttmann

Volontär, Vogel Communications Group GmbH & Co. KG