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Medikamentöse Behandlung

Arthrose: Weltgrößte genetische Studie entlarvt neue Behandlungsansätze

| Redakteur: Dr. Ilka Ottleben

Die weltweit bislang größte genetische Studie zu Arthrose liefert Ansätze wie sich die degenerative Gelenkerkrankung mit teilweise schon existierenden Medikamenten behandeln lassen könnte. Bislang steht dazu außer der Gabe von Schmerzmitteln nur der operative Einsatz künstlicher Gelenke zur Option. Die Studie förderte 52 neue Veränderungen im Erbgut zutage, die das Erkrankungsrisiko für Arthrose erhöhen.

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In der weltgrößten genetischen Studie zu Arthrose fanden die Forscher neben 52 neue Veränderungen im Erbgut, die mit Arthrose in Verbindung stehen, auch Ansätze, um die Krankheit medikamentös besser behandeln zu können. (Symbolbild)
In der weltgrößten genetischen Studie zu Arthrose fanden die Forscher neben 52 neue Veränderungen im Erbgut, die mit Arthrose in Verbindung stehen, auch Ansätze, um die Krankheit medikamentös besser behandeln zu können. (Symbolbild)
(Bild: gemeinfrei)

Neuherberg – Zunehmend unbewegliche Finger, Knie, Schultern, Hand- oder Fußgelenke, Schmerzen, eingeschränkte Beweglichkeit, Erschöpfung: Arthrose ist die am meisten verbreitete muskuloskelettale Krankheit der Welt und die Hauptursache für entsprechende Behinderungen. Die degenerative Erkrankung kann nahezu alle Gelenke betreffen und bewirkt, dass diese Schaden nehmen, an Beweglichkeit verlieren und schmerzen. Bislang gibt es keine krankheitsspezifische Behandlung, sodass außer der Gabe von Schmerzmitteln lediglich der operative Einsatz künstlicher Gelenke zur Option steht.

480.000 Teilnehmer untersucht

Um den Krankheitsursachen auf den Grund zu gehen und neue Behandlungsmöglichkeiten zu finden, haben Forscher des britischen Wellcome Sanger Institute gemeinsam mit dem Unternehmen GSK das Erbgut von über 77.000 Arthrosepatienten analysiert und mit dem von mehr als 370.000 gesunden Menschen verglichen. Die Proben stammten aus der arcOGEN-Studie sowie der UK-Biobank im Vereinigten Königreich. Die Wissenschaftler schlossen dabei viele verschiedene Arthrosetypen mit ein, darunter auch solche im Knie- und Hüftbereich. arcOGEN war eine Studie, an der ein von Arthritis Research UK finanziertes britisches Konsortium beteiligt war. Ziel war es, die genetischen Determinanten der Osteoarthritis (OA), der häufigsten Form der Arthritis, durch einen groß angelegten genomweiten Assoziationsscan zu identifizieren.

52 neue Erbgut-Veränderungen entdeckt, die Arthrose-Erkrankungsrisiko erhöhen

Prof. Dr. Eleftheria Zeggini, Direktorin des neu gegründeten Instituts für Translationale Genomik am Helmholtz Zentrum München und zuvor am Wellcome Sanger Institute kommentiert: „Arthrose ist eine sehr häufige, unheilbare Krankheit. Wir haben die bisher größte Studie zur Arthrose durchgeführt und über 50 neue genetische Veränderungen gefunden, die das Erkrankungsrisiko erhöhen. Das ist ein großer Fortschritt für die Entwicklung von Therapien, die Millionen von Betroffenen helfen könnten.“ Durch diesen Fortschritt verdoppelt sich die Anzahl der diesbezüglich bekannten Stellen. Im Video erklärt Prof. Dr. Eleftheria Zeggini die Hintergründe der Arbeit.

Um herauszufinden, welche Gene für die Erkrankung verantwortlich sind, hatte das Team zusätzlich zum Erbgut auch funktionelle Genomdaten aufgenommen sowie die Genaktivität und Proteinexpression analysiert. So konnten die Wissenschaftler nachvollziehen, welche Gene besonders oft abgelesen und zu Proteinen umgesetzt wurden. Das entsprechende Gewebe stammte von Arthrose-Patienten, die sich einer Gelenkersatzoperation unterzogen hatten.

Mit Krebsmedikament gegen Arthrose?

Durch das Zusammenführen mehrerer verschiedener Datensätze konnten die Forscher die Gene identifizieren, die sehr wahrscheinlich ursächlich für die Arthrose sind. Zehn davon sind bereits Ziel von Medikamenten, die sich entweder in der klinischen Entwicklung befinden oder bereits gegen Arthrose und andere Krankheiten zugelassen sind. Unter diesen Medikamenten befindet sich u.a. INVOSSA (ein Medikament, das bereits für Arthrose im Knie zugelassen ist) und LCL-161 (ein Wirkstoff gegen Brustkrebs, Leukämie und Myelome, das sich in der klinischen Testung befindet).Den Forschern zufolge wären diese Medikamente vielversprechende Kandidaten, um sie im Einsatz gegen Arthrose zu testen.

Dr. Stephen Simpson, Forschungsdirektor der Wohltätigkeitsorganisationen Versus Arthritis, das die arcOGEN-Studie unterstützte, sagt: „In ganz Großbritannien sind über 8,5 Millionen Menschen von Arthrose betroffen. Wir wissen, dass sich die Erkrankung sehr verschieden auf die Menschen auswirkt: Eine Behandlung, die bei einer Person wirkt, muss bei einer anderen Person nicht unbedingt erfolgreich sein. Daher stellt diese Studie einen wichtigen Meilenstein dar, um die Komplexität von Arthrose zu verstehen und neue Behandlungsmöglichkeiten zu finden. Wir freuen uns, dass unsere Unterstützung für die arcOGEN-Studie dazu beigetragen hat. Langfristig sollte die Forschung dabei helfen, die Schmerzen, die Isolation und die Erschöpfung der Menschen mit Arthritis zu beenden.“

Originalpublikation: Tachmazidou, I. et al. (2018): Identification of new therapeutic targets for osteoarthritis through genome-wide analyses of UK Biobank. Nature Genetics, DOI: 10.1038/s41588-018-0327-1

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