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Biolebensmittel Biolebensmittel richtig authentifizieren

| Autor / Redakteur: Marc Platthaus / Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Wissenschaftler aus elf europäischen Ländern wollen Bio-Betrügern in der Nahrungsmittelbranche das Leben schwer machen. LP-Chefredakteur Marc Platthaus sprach mit Dr. Johannes Kahl vom Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften der Universität Kassel über wesentliche Ziele des Projektes.

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„ Wir haben analytische Methoden ausgewählt, die versprechen, schnell, sicher und in einem vertretbaren Kostenrahmen, Ergebnisse zu liefern.“ Dr. Johannes Kahl, Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften, Universität Kassel (Bild: Universität Kassel)
„ Wir haben analytische Methoden ausgewählt, die versprechen, schnell, sicher und in einem vertretbaren Kostenrahmen, Ergebnisse zu liefern.“ Dr. Johannes Kahl, Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften, Universität Kassel (Bild: Universität Kassel)

LP: Bio-Lebensmittel sind Produkte aus ökologisch-kontrolliertem Anbau, die einen immer größeren Anteil am Markt haben und oft zu einem höheren Preis angeboten werden als konventionelle Produkte. Bisher fand eine entsprechende Kontrolle nur über Zertifizierungen statt. Was bedeutet das genau? Welche Probleme ergeben sich hieraus?

Dr. Johannes Kahl: Die Produktion von Bio-Lebensmitteln unterliegt zusätzlich zu den üblichen Anforderungen einer weiteren Zertifizierung. Diese Zertifizierung wird von privaten Zertifizierungsunternehmen durchgeführt und umfasst u.a. eine Dokumentenprüfung und eine Betriebsprüfung vor Ort. Die Zertifizierung, deren Art und Umfang, kommt aus der europäischen Verordnung für die Erzeugung von Bio-Lebensmitteln. Es handelt sich um die Verordnungen Nr. 834/2007 und 889/2008, die eine bereits seit 1991 bestehende EU-Verordnung abgelöst haben. In diesen Verordnungen ist die Produktion von Bio-Lebensmitteln in der Landwirtschaft, der Verarbeitung und dem Handel, sowie auch der Import aus nicht EU-Staaten geregelt. Eigentlich gibt es hier kein Problem. Die Frage ist aber, wie kann man es für den Kunden noch sicherer machen, d.h. Wege finden, mögliche Betrugsfälle frühzeitig zu erkennen. Ein Weg ist, dass zusätzlich zur Kontrolle durch die Zertifizierung, auch das Produkt selbst untersucht wird. Es handelt sich also quasi um einen Herkunftsnachweis auf Bio, wie er z.B. für die geographische Herkunft erarbeitet wird.

LP: Herr Dr. Kahl, Sie sind gemeinsam mit Wissenschaftlern aus elf europäischen Ländern am Forschungsprojekt „Authentic Food“ beteiligt. Was ist das Ziel dieses Projektes?

Dr. Kahl: Das Ziel dieses Projektes ist es, Methoden oder ein Methodenset zu finden, mit dem Fälschungen im Bio-Lebensmittelbereich frühzeitig, also bevor es die Kunden erreicht, am Lebensmittel bzw. seinen Vorstufen (Rohware) selbst erkannt werden können. Also dem Zertifizierer zu helfen, z.B. nach einer Messung sagen zu können: „Achtung, hier besteht der Verdacht, dass es kein Bio ist“!

LP: Welche analytische Methoden sollen untersucht und bewertet werden und warum haben Sie gerade diese für Ihr Projekt ausgewählt?

Dr. Kahl: Wir haben solche Methoden ausgewählt, die versprechen, sicher, schnell und in einem vertretbarem Kostenrahmen auswertbare Ergebnisse zu liefern. Dies sind Methoden, die bereits entwickelt sind und im Bereich Authentifizierung von Bio-Lebensmitteln schon erste Anwendung gefunden haben. Danach erfolgte die Auswahl. Es handelt sich z.B. um Isotopenanalyse, Elementanalyse oder Metabolomics und hier um die entsprechenden Methoden. Die Bewertung erfolgt anhand der Ergebnisse an definierten Proben aus ökologischer im Vergleich zu nicht-ökologischer Herkunft. Wir setzen da auf eine Auswahl pflanzlicher Lebensmittel.

LP: Wie erfolgt die Auswahl der analytischen Methoden, die dann letztendlich für den Fingerabdruck der ökologischen Lebensmittel verwendet werden sollen?

Dr. Kahl: Die Methoden werden anhand von Messungen an definierten Proben verglichen, die alle Labore – und damit Methoden – parallel erhalten. Die Methoden müssen Bio-Lebensmittel aus nicht ökologischer Erzeugung auch als solche erkennen können (Authentifizierung). Dies wird meines Erachtens auch von der Güte und Menge der Messdaten abhängig sein. Zusätzlich wollen wir prüfen, ob sich eventuell Methodenparameter beziehungsweise Methoden koppeln lassen, um die Zuordnung verbessern zu können. Dafür wenden wir multivariate Verfahren über alle Methoden an. Die am Projekt beteiligten Labore kommen aus Dänemark, England, Frankreich, Holland, Italien und der Tschechei.

LP: Wann werden die Ergebnisse von „Authentic Food“ europaweit Anwendung finden?

Dr. Kahl: Das Projekt hat gerade erst begonnen und läuft bis Mitte 2014. In dem Arbeitspaket, welches ich leite, werden wir die Ergebnisse der Methoden mit Vertretern von Zertifizierern hinsichtlich ihrer Umsetzbarkeit in der Praxis besprechen. Wir haben aber schon jetzt entsprechende Unternehmen in das Konsortium eingebunden.

Vielen Dank für das Gespräch Herr Dr. Kahl.

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