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Biopharmazeutika Biopharmazeutika die Zukunft der Pharmaindustrie?

Redakteur: Tobias Hüser

Arzneimittelforscher setzen zunehmend auf Biopharmazeutika, um Medikamente gegen Krankheiten zu entwickeln. Die Forschungsprojekte mit Biopharmazeutika haben sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt. Dieser Trend bestätigte sich auch auf der Fachtagung „Win 3 – Biopharmazeutika nutzen Patienten, Gesellschaft und Standort“. Die Experten des Kongress waren sich einig, dass Krankheiten wie Krebs von großen Pharmafirmen nicht mehr im Alleingang bewältigt werden können – die Arbeit muss im Verbund mit kleinen und mittleren Unternehmen und Forschungsinstituten erfolgen.

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Vfa Bio veranstaltete zusammen mit der Interessensgruppe Biotechnologie im Verband der forschenden Pharma-Unternehmen und CI3 die Fachtagung „Win 3 – Biopharmazeutika nutzen Patienten, Gesellschaft und Standort“.
Vfa Bio veranstaltete zusammen mit der Interessensgruppe Biotechnologie im Verband der forschenden Pharma-Unternehmen und CI3 die Fachtagung „Win 3 – Biopharmazeutika nutzen Patienten, Gesellschaft und Standort“.
(Bild: Verband der forschenden Pharmaunternehmen)

Mainz – Biopharmazeutika haben in den letzten Jahrzehnten die Behandlungsmöglichkeiten insbesondere bei Krebs, rheumatoider Arthritis und angeborenen Stoffwechselkrankheiten revolutioniert. „Nun werden Biopharmazeutika zunehmend gegen neue Krankheiten entwickelt, die bisher nur konventionell oder gar nicht behandelt werden konnten. Die Aussichten sind gut, dass sie auch hier große Fortschritte bringen“, sagte Dr. Frank Mathias, Geschäftsführer von Vfa Bio, anlässlich der Fachtagung „Win 3 – Biopharmazeutika nutzen Patienten, Gesellschaft und Standort“ in Mainz. Mathias wieß darauf hin, dass sich Entwicklungsprojekte mit dieser Medikamentensorte in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelt haben – mittlerweile auf 550. Und fast jedes zweite betrete medizinisches Neuland.

„Hoch komplexe Krankheiten wie Krebs und Autoimmunerkrankungen erfordern diversifizierte Behandlungsstrategien“, erläuterte Dr. Rainer Wessel. Der Direktor des Clusters für Individualiserte Immunintervention CI3 weiß: „Die Entwicklung solch individualisierter Therapieansätze muss dabei mehrere Krankheitsfaktoren sowie die genetische Disposition berücksichtigen. Das kann auch von großen Pharmafirmen nicht mehr im Alleingang bewältigt werden. Erfolgversprechend ist dabei die Arbeit im Verbund mit kleinen und mittleren Unternehmen und Forschungsinstituten.“ CI3 vernetzt mehr als 120 Partner aus Wirtschaft, Forschung, Krankenversorgung und Politik, um die sehr erfolgreiche Pharmaregion Rhein-Main im Bereich der Individualisierten Immunintervention weiter an der internationalen Spitze zu etablieren.

Allgemein gilt, dass die Behandlungserfolge von klassischen Arzneien in vielen Fällen bedingt durch individuelle Besonderheiten von Patient zu Patient erheblich variieren. Auf Basis des großen biotechnologischen Fortschritts ist es nun möglich, stratifizierte und sogar individuelle Therapieansätze zu entwickeln und anzuwenden. Immuntherapien besitzen dabei ein sehr hohes Potential, da sie sich das Arsenal der körpereigenen Krankheitsabwehr zu Nutze machen. Diese maßgeschneiderten Therapien bieten die Chance für eine zielgenaue und schonendere Medizin.

Therapieforschung nur mit Risikokapital und Fördergeldern möglich

Schon relativ weit gediehen sind neue Medikamente gegen die meist schubförmig verlaufende Immunstörung Lupus erythematodes, die mit Entzündungen, Erschöpfung und Organschädigungen einher geht. Ein erstes Biopharmazeutikum, das gezielt in die Entzündung eingreift, ist seit kurzem im Einsatz. Es hat bereits vielen Patienten geholfen, da diese weniger Krankheitsschübe erleiden mussten. Weitere Präparate sind in Entwicklung.

Therapieforschung brauche aber nicht nur eine solide medizinische und organisatorische Grundlage, sondern auch eine finanzielle, so Mathias abschließend: „Die teure Entwicklung neuer Medikamente wird bei den Start-Ups mit Risikokapital und Fördergeldern finanziert. Etablierte Firmen können sie jedoch nur aus den Einnahmen mit Medikamenten bestreiten." Die Gesundheitssysteme der Industrienationen versuchten jedoch, hier immer mehr zu sparen. Steht aber zu wenig Geld für Neuentwicklungen zur Verfügung und sind deren Chancen auf spätere gute Umsätze schlecht, dann müssen die Firmen Projekte kappen.

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