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Biologische Wasseraufbereitung Biotechnologie: Zugang zu sauberem Trinkwasser für eine wachsende Weltbevölkerung

| Redakteur: Alexander Stark

Die biologische Aufbereitung von Trinkwasser durch Mikroorganismen ist eine preiswerte und energiesparende Methode, um Menschen sauberem Wasser zu versorgen. Angesichts der wachsenden Weltbevölkerung spielt die Biotechnologie deshalb eine immer wichtiger Roller.

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2,2 Milliarden Menschen haben noch immer keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.
2,2 Milliarden Menschen haben noch immer keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Berlin – Der Anteil der Weltbevölkerung mit Zugang zu einer sicher verwalteten Trinkwasserversorgung stieg nach Angaben der Vereinten Nationen zwischen 2000 bis 2017 von 61 auf 71 %. Das ist ein bemerkenswerter Fortschritt. Er bedeutet aber auch, dass rund 2,2 Milliarden Menschen noch immer keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und zu hygienischen Toiletten haben, wie die Weltgesundheitsorganisation 2019 mitteilte.

Diesem Notstand durch den Aufbau flächendeckender Versorgungsinfrastrukturen sowie durch effektive Methoden der Abwasserbehandlung und der Aufreinigung zu begegnen, ist essentiell für eine nachhaltige Entwicklung unserer Erde. Die Umweltbiotechnologie spielt dabei eine zunehmend wichtige Rolle. Denn die biologische Aufbereitung von Trinkwasser durch Mikroorganismen ist preiswerter und energiesparender und zudem prinzipiell gesünder als es physikalische oder chemische Desinfektionsverfahren sind. Sie macht sich die Fähigkeiten natürlich vorkommender, nicht krankmachender Bakterien zunutze, verunreinigtes Wasser zu entgiften und Keime auszuschalten.

Bewährte Aufbereitungsmethode

Biofilme, wie man die dünnen Schichten aus Mikroorganismen auch nennt, wurden bereits seit dem 19. Jahrhundert zur Abwasserreinigung verwendet, wissenschaftlich begründet aber erst in jüngerer Zeit. In Membran-Biofilm-Reaktoren etwa verstoffwechseln Bakterien zugeführten gasförmigen Wasserstoff und verdauen dabei Schadstoffe und krankmachende Keime und entgiften so das Wasser. Sie veratmen also sozusagen den Schmutz.

Maßgeblich entwickelt wurden Membran-Biofilm-Reaktoren von Bruce Rittmann, der dafür zusammen mit seinem Kollegen Mark van Loosdrecht 2018 als „Biotech-Pionier“ mit dem Preis des renommierten Stockholmer Wasserinstituts Siwi ausgezeichnet wurde. Weiterentwickelt wird eine solche Kombination aus Ultrafiltration und Biofilm-Entgiftung derzeit u.a. von einem Team der kanadischen Universität von British Columbia mit dem Ziel, kostengünstige, mobile Wasseraufbereitungsanlagen zu schaffen, die in aller Welt eingesetzt werden können.

101 Jahre Biotechnologie

Im Jahr 2019 feierte der Begriff „Biotechnologie“ hundertjähriges Jubiläum. Karl Ereky war Direktor der Viehverwertungsgenossenschaft ungarischer Großgrundbesitzer und Autor des deutschsprachigen Buches „Biotechnologie der Fleisch-, Fett- und Milcherzeugung im landwirtschaftlichen Großbetriebe“, in dem der Begriff Biotechnologie in die Welt kam. Die Veröffentlichung erschien 1919 erstmals in Berlin.

Deshalb wurde 2019 das erste Themenjahr „100 Jahre Biotechnologie“ ins Leben gerufen, in dem zwölf Monate lang Meilensteine der Biotechnologie der letzten 100 Jahre gefeiert und auch ein Blick in die Zukunft geworfen wurde. In der Weiterführung der Initiative, dem Themenjahr „101 Jahre Biotechnologie“ liegt der Fokus auf den Nachhaltigkeitszielen (Sustainable Development Goals, SDG) der Vereinten Nationen. Die Initiative „101 Jahre Biotechnologie“ wird unterstützt durch den Biotechnologieverbund Berlin-Brandenburg e.V. (bbb), die Biotechnologische Studenteninitiative (bts e.V.), die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (Acatech), die Gesellschaft für chemische Technik und Biotechnologie (Dechema e.V.), den Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin (VBIO e.V.), den Verein Deutscher Ingenieure (VDI e. V.) und die Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM e.V.).

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