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Statistik der Chemiestudiengänge 2022 Chemiestudium in Deutschland: Dauer, Noten, Ersti-Zahlen und mehr

Von Christian Lüttmann Lesedauer: 7 min

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Durchschnittliche Dauer eines Chemiestudiums, Erstsemesterzahlen, Abbrecherquote im Studienfach Chemie und Benotung der Abschlüsse – zu all diesen Themen gibt die aktuelle GDCh-Statistik der Chemiestudiengänge Auskunft. Außerdem: An welcher Uni wurden 2022 anteilmäßig die meisten Promotionen „mit Auszeichnung“ abgeschlossen?

Die GDCh bringt jährlich eine Statistik zum Chemiestudium heraus (Symbolbild).
Die GDCh bringt jährlich eine Statistik zum Chemiestudium heraus (Symbolbild).
(Bild: ©Davizro Photography - stock.adobe.com)

Verzögerungen im Promotionsablauf – dies scheint das Jahr 2022 im Studiengang Chemie geprägt zu haben. Ein Blick auf die Statistik der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) zeigt zumindest einen deutlichen Rückgang der abgeschlossenen Promotionen im diesem Studienfach. Die Erhebung wird seit 1952 jährlich durchgeführt und liefert einen umfassenden Blick auf die aktuelle Studiensituation u. a. im Fachbereich Chemie.

Ebenfalls ein leichter Rückgang ist bei den Bachelor-Abschlüssen zu verzeichnen, wohingegen die Masterabschlüsse auf Vorjahresniveau blieben.

Insgesamt begannen im Jahr 2022 8.137 Personen einen Chemiestudiengang in den Universitätsstudiengängen Chemie, Biochemie und Lebensmittelchemie sowie an den Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW). Im Vorjahr 2021 waren es 8.233 Personen.

Die folgenden Grafiken zeigen einige Trends und Highlights aus den Daten der GDCh-Statistik für den Universitätsstudiengang Chemie. Die ausführlichen Ergebnisse zu den Bereichen Biochemie, Lebensmittelchemie und HAW sind in der Statistik der Chemiestudiengänge 2022 der GDCh einzusehen.

Erstsemester-Zahlen auf Tiefpunkt

Die seit 2017 sinkende Zahl an Studienanfängern im Bereich Chemie ist im Berichtsjahr 2022 erneut zurückgegangen, wenn auch nur noch leicht. Hatten sich 2017 über 7.100 Erstis in der Chemie eingefunden, lag deren Zahl im zuletzt nur noch bei rund 5.000. Ob sich die Anfängerzahl nun um diesen Wert einpendelt oder noch weiter zurückgeht, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.

Wie viele Studierende hat das Fach Chemie momentan?

Insgesamt waren 2022 rund 16.000 Studierende im Bachelor Chemie eingeschrieben. Erstaunlich ist auf den ersten Blick, dass die meisten Studenten nicht in Semester 1+2 sind, sondern in Semester 5 oder höher – obwohl doch typischerweise gerade in den ersten Semestern die Abbrecherquote besonders hoch ist und weniger Studenten in den höheren Semestern „übrig bleiben“ müssten. Hier mag sich allerdings auswirken, dass viele Studenten länger als die sechs Regelsemester für den Bachelor brauchen, weshalb der Teil „Semester 5 oder höher“ in der Grafik unten entsprechend groß ist.

Insgesamt veranschaulicht die Grafik einen allgemeinen leichten Rückgang der aktuell Studierenden über alle Semester hinweg. Am deutlichsten ist dies im zweiten Studienjahr erkennbar (Semester 3+4), wo verglichen zum Vorjahr ein Rückgang von elf Prozent zu verzeichnen ist. Damit dürften in den kommenden Jahren auch die Studierendenzahlen von Master und Promotion zurückgehen.

Kein „Männerfach“: Chemie ist für alle interessant

Bei der Geschlechter-Parität ist das Chemiestudium auf einem guten Weg. Der Anteil an weiblichen Studenten im Bachelor Chemie liegt bei 42 %. Bei den Studienanfängern allein liegt der Frauenanteil bei 46 %, das ist zwar ein Prozentpunkt unter dem bisherigen Höchstwert (47 %, 2021) bleibt aber weiterhin ein starkes Zeichen dafür, dass Chemie als Studium längst kein männerdominiertes Fach mehr ist. Zu höheren Abschlüssen hin ist der Frauenanteil allerdings weiterhin erheblich geringer: 37 % unter den aktiven Doktoranden und nur 33 % bei den abgeschlossenen Promotionen.

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Wie lange dauert ein Chemiestudium?

Eine der wichtigsten Fragen beim Studium ist: Wie lange dauert es? Gerade im naturwissenschaftlichen Bereich ist die Regelstudienzeit (sechs Semester Bachelor und vier Semester Master) eher ein theoretisches Konstrukt und wird nur von wenigen Studierenden tatsächlich eingehalten. Im Mittel (bestimmt über den Median) dauert das Chemiestudium vom Beginn des Bachelors bis zum Masterabschluss zwölf Semester, also sechs Jahre – ein Jahr länger als nach Regelstudienzeit angedacht. Wer nach dem Master auch noch die Promotion anschließt, ist weitere vier Jahre beschäftigt und verlässt folglich erst nach einem Jahrzehnt die Uni mit dem Doktorgrad. Die Grafik unten zeigt, dass sich die Studiendauer tendenziell immer weiter verlängert hat. Bachelor und Master dauern heute je ein Semester länger als 2010.

Abbruchrate im Chemiestudium

Wie für naturwissenschaftliche Studienengänge nicht unüblich, weist der Studiengang Chemie eine hohe so genannte Schwundquote im Bachelor auf: Es gibt deutlich weniger Abschlüsse, als man anhand der Erstsemesterzahlen drei Jahre zuvor erwarten würde. Über die vergangenen Jahre hat sich dieser Wert weitgehend eingependelt und liegt im Mittel (2009 bis 2022) bei rund 61 %. Das bedeutet, dass nur knapp 40 % der Studienanfänger bis zum Bachelorabschluss dabei bleiben. Dieser hohe Anteil an Studienabbrechern ist laut GDCh aber schon zu Zeiten der Diplomstudiengänge in ähnlicher Ausprägung vorgekommen und kein Phänomen durch die Bologna-Reform (Umstellung auf Bachelor- und Master-Studiengänge im Jahr 2002)

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Bologna-Reform und das Auslaufen des Diplomstudiums

Die Bachelorabschlüsse haben sich seit 2016 Jahren auf ein einigermaßen konstantes Niveau eingependelt. Davor waren die Zahlen über viele Jahre gestiegen, da erst seit 2002 die Bachelor- und Mastergänge mit der Bologna-Reform eingeführt worden sind. Bis heute sind noch vereinzelt Diplomstudenten an den Universitäten „unterwegs“. So wurden 2020 noch vier Vordiplom- und neun Diplomabsolventen gemeldet.

Ein Grund für die Studienreform war seinerzeit, den Studierenden mit dem Bachelor einen anerkannten Zwischenabschluss und damit einen schnelleren Start in das Berufsleben zu ermöglichen. Zumindest im Bereich Chemie hat dies aber nicht den gewünschten Erfolg gebracht, da hier nahezu alle Bachelorabsolventen direkt den Master anschließen.

Wie geht es nach dem Master weiter?

Prinzipiell könnte man nach den typischen sieben Semester für einen Bachelorabschluss mit selbigem von der Uni abgehen und ins Berufsleben starten. Dies ist aber die große Ausnahme. Tatsächlich setzen 98 % der Bachelorabsolventen ihr Studium mit dem Master fort. Und auch der ist meist nicht das Ende, denn weiterhin stellt die Promotion in der Chemie den Standard-Karriereweg dar: 86 % der Masterabsolventen schließen eine Promotion an. Im langjährigen Mittel liegt der Anteil mit 90 % sogar noch höher, hat sich aber in den vergangenen Jahren offenbar auf rund 85 % eingependelt.

Wer auf die Promotion verzichtet, beginnt nach dem Master i. d. R. mit dem Berufseinstieg (11 %). Nur ein kleiner Anteil von rund 2 % gibt an, auf Jobsuche zu sein. Der Wert der „echten“ Stellensuchenden dürfte laut GDCh allerdings wie in jedem Jahr etwas geringer sein. Aufgrund des Stichtags der Erhebung am 31. Dezember werden Absolventen, die im Januar oder Februar ihre neue Stelle antreten, nämlich noch als stellensuchend erfasst.

Wohin geht es nach der Promotion?

Wer die im Schnitt vier Jahre dauernde Promotion geschafft hat, findet sich vor der Frage: Wohin nun? Für den Großteil der ehemaligen Doktoranden ist die Antwort klar: Über die Hälfte der Promotionsabsolventen geht in die Wirtschaft. Der zweitgrößte Teil schließt einen befristeten Postdoc-Vertrag an (17 %), um z. B. die Forschung aus der Doktorarbeit weiter zu führen, oder geht zunächst ins Ausland (9 %). Eine unbefristete Forschungsstelle an einer Hochschule oder einem Forschungsinstitut haben lediglich 5 % der Absolventen – es bleiben langfristig also nur wenige Absolventen länger der Forschung erhalten. Schlechtere Bezahlung im Vergleich zur Wirtschaft mag hier ein Grund sein, sicher aber auch die immer noch übliche Praxis im Universitätssektor, Stellen nur befristet auszuschreiben, Stichwort #IchBinHanna.

Positiv hervorzuheben ist der gesunkene Anteil an Stellensuchenden: Waren es in der Umfrage für 2020 noch 10 %, und im Vorjahr 7 %,geben im aktuellen Berichtsjahr nur noch 5 % der Promovierten an, auf Jobsuche zu sein. Damit liegt der Anteil unter allgemeinen Arbeitslosenquote in Deutschland von 5,3 %.

Laut GDCh verdeutlichen die vorliegenden Daten, dass die Corona-Pandemie den Berufseintritt in 2022 im Vergleich zu den Werten der Vorjahre nicht stark beeinflusst hat.

Wie gut ist meine Abschlussnote im Vergleich zu anderen Chemiestudenten?

Abschlussnoten im Chemiestudium werden besser, je höher der Abschluss ist. So werden Bachelorarbeiten noch überwiegend mit „gut“ bewertet und die Bewertung „mit Auszeichnung“ ist eine seltene Ausnahme. Masterarbeiten in der Chemie erhalten schon eher die Note „sehr gut“ oder besser. Und bei der Promotion schließen sogar 21 % „mit Auszeichnung“ ab, während nur noch 9 % mit „gut“ ihr Studium endgültig abschließen. Dieser Trend zeigt, dass sich die Absolventen mit jedem Abschluss besser mit ihrem Thema auskennen. Schließlich haben sie auch mehr Zeit für ihre Arbeit: ca drei Monate für die Bachelorarbeit, sechs bis acht Monate für die Masterarbeit und drei bis vier Jahre für die Promotion.

Abschlussnoten: Welche Uni gibt die besten Promotionsnoten?

Ein näherer Blick auf die Benotungen der Abschlüsse zeigt, dass es erhebliche Unterschiede zwischen den Universitäten gibt. Wir haben die Unis mit mindestens 40 abgeschlossenen Promotionen im Jahr 2022 verglichen und die Notenspiegel in der Grafik unten dargestellt. Die besten Abschlüsse wurden in dieser Auswahl an der Ruhr-Universität Bochum erzielt. Hier bekam gut ein Drittel der Promovierenden die den Abschluss „mit Auszeichnung“. Eine ähnliche hohe Quote an „ausgezeichneten“ Promotionsarbeiten hatten die TU Dresden und die Universitäten Jena und Leipzig.

Den kleinsten Anteil an Promotionen „mit Auszeichnung“ gab es bei den Universitäten mit mindestens 40 Promotionen an der TU Darmstadt: hier erhielt nur ein Zehntel der Abschlüsse die Bestnote, ähnlich wie bei den Universitäten Hannover und Münster.

Ob diese unterschiedlichen Ergebnisse auf die Leistung der Studierenden oder auf die Strenge der Bewertung zurückzuführen ist, lässt sich aus den Daten allerdings nicht schließen. Am Ende ist jede Promotion ein Zeichen größten Einsatzes für das eigene Fachgebiet und ein Beleg für die Fähigkeit zu eigenständigem, wissenschaftlichen Arbeiten.

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