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MOF zieht Wasser aus der Luft und kühlt Umgebung Cooles Material für eine heiße und trockene Zukunft

Quelle: Pressemitteilung Christian-Albrechts- Universität zu Kiel 3 min Lesedauer

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Es klingt fast zu gut, um wahr zu sein: Ein Metal-Organic Framework (MOF) von Forschern der Uni Kiel macht aus Luft Trinkwasser, und kühlt zudem die Umgebung. Was hinter dem porösen MOF steckt und welche Leistung tatsächlich erbringen kann, haben die Wissenschaftler mit zwei Studien demonstriert.

Kalle Mertin demonstriert die poröse Struktur von CAU-10-H anhand eines Modells: Dass sein Arm hindurchpasst, veranschaulicht die durchgehenden, röhrenartigen Poren, in denen das Material Wassermoleküle aufnimmt und wieder freisetzt. (Bild:  Christina Anders, Uni Kiel)
Kalle Mertin demonstriert die poröse Struktur von CAU-10-H anhand eines Modells: Dass sein Arm hindurchpasst, veranschaulicht die durchgehenden, röhrenartigen Poren, in denen das Material Wassermoleküle aufnimmt und wieder freisetzt.
(Bild: Christina Anders, Uni Kiel)

Forschende aus der Chemie und den Materialwissenschaften der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) arbeiten gemeinsam mit weiteren Partnern daran, neue Wasserquellen für den Mittelmeerraum zu erschließen. „Regionen wie diese kämpfen mit steigenden Temperaturen und sinkenden Niederschlagsmengen. Wir wollen eine umweltfreundliche Technologie entwickeln, um Wassermoleküle aus der Luft in Trinkwasser umzuwandeln“, sagt Professor Norbert Stock vom Institut für Anorganische Chemie.

„Zwei neue Studien, die wir kürzlich in ‚Journal of Materials Chemistry A‘ und ‚Industrial & Engineering Chemistry Research‘ veröffentlicht haben, zeigen wie man große Mengen des Materials hergestellt hat und die Effizienz von Kühlanlagen verbessert werden kann.“ Außerdem stellt das Team einen neuen Ansatz vor, mit dem die Forschenden Wasser aus der Luft effizienter und schneller zugänglich machen können als mit bisherigen Materialsystemen.

Wie ein molekularer Schwamm Wasser aus der Luft zieht

Ähnlich wie ein Schwamm nehmen Materialien aus der Klasse der Metall-organischen Gerüstverbindungen (Metal-Organic Frameworks, MOFs) in kurzer Zeit viel Wasser auf und können es auch schnell wieder abgeben. Möglich macht das ihre extrem poröse Struktur mit unzähligen fein vernetzten Hohlräumen: Die Grundlagenarbeit dazu wurde im Jahr 2025 mit dem Nobelpreis für Chemie gewürdigt.

Abbildung aus der originalen Publikation zum MOF CAU-10: Rasterelektronenmikroskopische Aufnahmen des unmodifizierten Kohlenstoffschaums (A), CAU-10@CF (B), MOF-303@CF (C1 und C2) und MOF-801@CF (D). (C1) zeigt einen Bereich des Verbundwerkstoffs, in dem die Agglomeration der Kristallite sichtbar ist, während (C2) einen Bereich mit stärker verteilten MOF-Partikeln darstellt. Der vergrößerte Ausschnitt in (D) zeigt den engen Kontakt der MOF-801-Kristalline mit der Kohlenstofffaser.(Bild:  https://doi.org/10.1039/d6ta00544f; Fig.2)
Abbildung aus der originalen Publikation zum MOF CAU-10: Rasterelektronenmikroskopische Aufnahmen des unmodifizierten Kohlenstoffschaums (A), CAU-10@CF (B), MOF-303@CF (C1 und C2) und MOF-801@CF (D). (C1) zeigt einen Bereich des Verbundwerkstoffs, in dem die Agglomeration der Kristallite sichtbar ist, während (C2) einen Bereich mit stärker verteilten MOF-Partikeln darstellt. Der vergrößerte Ausschnitt in (D) zeigt den engen Kontakt der MOF-801-Kristalline mit der Kohlenstofffaser.
(Bild: https://doi.org/10.1039/d6ta00544f; Fig.2)

In Kiel optimiert Stocks Team die Synthese des MOFs „CAU-10-H“ für die Wasseraufnahme und Wärmetransformation. (Das MOF ist benannt nach dem Entwicklungsort an der Kieler Universität, der Materialnummer und dem Elementsymbol von Wasserstoff.) Es bindet bereits bei Raumtemperatur oberhalb von 18 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit Wassermoleküle in seinem Porensystem und setzt sie bei etwa 70 °C wieder frei.

Doch das war den Wissenschaftlern noch nicht genug. Indem die Forschenden die MOFs mit leitfähigen Kohlenstoffstrukturen kombinieren, lässt sich dieser Prozess zusätzlich beschleunigen. Das finale Kompositmaterial lässt sich gezielt durch Strom oder Sonnenlicht erwärmen. Dadurch gibt es aufgenommenes Wasser besonders schnell wieder ab und arbeitet in kurzen, wiederholbaren Zyklen.

Ein Kilo MOF könnte einen Menschen mit Trinkwasser versorgen

Lasse Wegner (l.) und Kalle Mertin (r.) sind Erstautoren der beiden Studien und präsentieren eine Testzelle für die Wassergewinnung und ein Modell der hochporösen Metall-organischen Gerüstverbindung (MOF), die das Forschungsteam für die Wassergewinnung aus Luft und energieeffiziente Kühlung optimiert hat. (Bild:  Christina Anders, Uni Kiel)
Lasse Wegner (l.) und Kalle Mertin (r.) sind Erstautoren der beiden Studien und präsentieren eine Testzelle für die Wassergewinnung und ein Modell der hochporösen Metall-organischen Gerüstverbindung (MOF), die das Forschungsteam für die Wassergewinnung aus Luft und energieeffiziente Kühlung optimiert hat.
(Bild: Christina Anders, Uni Kiel)

Unter trockenen Bedingungen gewinnt das System kontinuierlich Trinkwasser aus der Luft und erreicht eine Wasseraufnahme von bis zu 0,17 g Wasser pro g Material. Die Zyklen dauern wenige Stunden und ermöglichen einen effizienten und kontinuierlichen Betrieb. Unter diesen Bedingungen kann man mit CAU-10-H potenziell bis 1,8 Liter Wasser pro Tag und Kilogramm Kompositmaterial aus Luft gewinnen. „Dies macht seinen Einsatz für die Trinkwassergewinnung auch in trockenen Regionen interessant“, sagt Erstautor Lasse Wegner.

Parallel zeigt CAU-10-H auch großes Potenzial für die Kühlung: In Adsorptionskälteanlagen erreicht es eine bis zu dreifach höhere Kühlleistung im Vergleich zu Silicagel, einem weit verbreiteten Trockenmittel auf Basis von Siliciumdioxid. Solche Systeme könnten künftig Abwärme nutzen, etwa von Rechenzentren oder Bäckereien. Das würde den Energieverbrauch solcher Klimaanlagen im Vergleich zur herkömmlichen Technologie deutlich senken und Kühlung nachhaltiger machen.

Vom Labor zur industriellen Produktion

Kalle Mertin bereitet im Labor die MOF-Beschichtungen von Wärmetauschern für die Kühlanwendung vor. (Bild:  Christina Anders, Uni Kiel)
Kalle Mertin bereitet im Labor die MOF-Beschichtungen von Wärmetauschern für die Kühlanwendung vor.
(Bild: Christina Anders, Uni Kiel)

„Wir haben CAU-10-H bereits vor rund 15 Jahren entdeckt, seine Anwendung wurde seitdem weltweit erforscht“, sagt Stock, der seit über zwei Jahrzehnten auf dem Gebiet der MOFs forscht.

Unterstützt durch den Validierungsfond der CAU Kiel gelang es dem Team nun die Herstellung in den Technikumsmaßstab zu übertragen – der entscheidende Zwischenschritt vom Labor zur industriellen Produktion. Unter Leitung von Kalle Mertin, ebenfalls Erstautor der Studie, produzierte das Team rund 30 kg Material, etwa 60-mal mehr als zuvor im Labor. Parallel optimierten die Forschenden die Prozesse weiter und konnten anhand einer techno-ökonomische Analyse zeigen, dass die Produktionskosten auf etwa 12 bis 14 US-Dollar pro Kilogramm gesenkt werden können.

„Damit rückt der Einsatz unserer Materialien in realen Anwendungen in greifbare Nähe“, sagt Gruppenleiter Stock. „Wir zeigen, dass sie nicht nur im Labor funktionieren, sondern auch wirtschaftlich skalierbar sind.“

Originalpublikationen:

(ID:50900599)

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