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EU-Zulassung von Corona-Impfstoff lässt warten Curevac-Impfschutz gleicht einem Münzwurf

Redakteur: Christian Lüttmann

Bisherige Studienergebnisse deuten darauf, dass der vor EU-Zulassung stehende Corona-Impfstoff von Curevac nur eine Wirksamkeit von knapp 50 Prozent hat. Woran das liegen könnte und was das für die Impfkampagne in Deutschland bedeutet, lesen Sie hier.

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Geschüzt oder nicht? Der Impfstoff von Curevac wird wegen seiner geringen Wirksamkeit von knapp 50 Prozent keine baldige EU-Zulassung erhalten (Symbolbild).
Geschüzt oder nicht? Der Impfstoff von Curevac wird wegen seiner geringen Wirksamkeit von knapp 50 Prozent keine baldige EU-Zulassung erhalten (Symbolbild).

Tübingen/Berlin (dpa) – Im Kampf gegen die Corona-Pandemie kann der Impfstoff des Tübinger Biotech-Unternehmens Curevac in absehbarer Zeit nicht helfen. Die Wirksamkeit des Impfstoffkandidaten fällt deutlich geringer aus als bei bereits zugelassenen Impfstoffen. Eine EU-Zulassung für das Präparat des Unternehmens, an dem auch der Bund beteiligt ist, ist somit erst einmal nicht absehbar.

Wirksamkeit unter 50 Prozent

Grund für die Enttäuschung ist eine Pflichtbörsenmitteilung von Curevac vom Mittwochabend. Darin gibt das Unternehmen, das mit dem Pharmakonzern Bayer kooperiert, bekannt, dass sein Impfstoff einer Zwischenanalyse zufolge eine vorläufige Wirksamkeit von 47 Prozent gegen eine Covid-19-Erkrankung „jeglichen Schweregrades“ hat. Die vorgegebenen statistischen Erfolgskriterien seien nicht erfüllt. Bei den anderen in der EU zugelassenen Präparaten liegt der Wert mit etwa 65 bis 95 Prozent deutlich höher.

Den vergleichsweise niedrigen Wert begründete das Unternehmen am Donnerstag mit neuen Virusvarianten. „Wir bekämpfen eigentlich ein anderes Virus“, sagte Vorstandschef Franz-Werner Haas. So sei der Wildtyp des Coronavirus bei der Zwischenanalyse in weniger als einem Prozent der Infektionsfälle nachgewiesen worden. Alle anderen Infektionen entfielen auf neuere Virusvarianten.

Zweite Vakzin-Generation möglicherweise besser

Curevac will in den nächsten zwei bis drei Wochen die finale Analyse von mehr als 200 Infektionen abschließen. „Die endgültige Wirksamkeit könnte sich noch verändern“, teilte Haas mit.

Ein Sprecher des Verbands forschender Arzneimittelhersteller (vfa) dämpfte die Erwartungen an eine deutliche Zunahme der Wirksamkeit jedoch. Die Effizienz eines Impfstoffes könne nach der Zwischenauswertung bis zur finalen Zulassung noch um wenige Prozent steigen. „Eine enorme Zunahme ist aber nicht zu erwarten.“

Hoffnung setzt der Sprecher nun vor allem auf die zweite Generation des Curevac-Impfstoffkandidaten. Diese verfüge über eine grundlegende Veränderung im Aufbau des Präparats. Sollte sich dieser Impfstoff bewähren, wäre Curevac bei der künftigen Impfstoffversorgung sicher dabei, sagt der Sprecher.

Nach EMA-Angaben haben die Zwischenergebnisse vorerst keine Folgen für das laufende Prüfverfahren. Eine harte Mindestgrenze bei der Wirksamkeit gebe es nicht, hieß es am Donnerstag. Bei klinischen Studien werde zwar von einer Mindestgrenze von 50 Prozent Wirksamkeit ausgegangen. Aber vor allem im Zusammenhang mit neuen Virusvarianten müsse man die Daten sehr gut prüfen und Vorzüge gegen Nachteile abwägen. Vor einer Bewertung müssten alle Ergebnisse vorliegen.

Impfkampagne in Deutschland soll ungebremst weiterlaufen

Das Curevac-Präparat ist Teil der EU-Impfstoffstrategie, über die auch Deutschland seine Dosen bezieht. Die Bundesregierung sieht die deutsche Impfkampagne dennoch nicht gefährdet. „Eine Auswirkung auf das Tempo unserer Impfkampagne hat diese Mitteilung nicht“, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am 17. Juni. Auch die EU-Kommission geht weiter davon aus, dass bis Ende Juli genügend Impfdosen geliefert werden könnten, um den EU-Staaten die Impfung von 70 Prozent ihrer erwachsenen Bevölkerung zu ermöglichen, wie ein Sprecher sagte.

Das Gesundheitsministerium rechnet derzeit nicht mehr mit Lieferungen von Curevac, wie aus einer Lieferübersicht im Internet hervorgeht. Ursprünglich hatte der Bund allerdings auch diesen Impfstoff eingeplant. Nach Lieferprognosen vom März erwartete das Gesundheitsressort für das gesamte Jahr 323,7 Millionen Impfdosen – 24,5 Millionen davon sollten von Curevac kommen.

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