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Aktimeter misst Bewegungen Das Schlaflabor im eigenen Bett

| Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Chronobiologen der Ludwig-Maximilians-Universität München wollen mithilfe eines so genannten Aktimeters das Schlafverhalten untersuchen. Vorteil ihrer Methode: Der Proband kann dies in den eigenen vier Wänden durchführen und muss sich nicht in die ungewohnte Umgebung eines Schlaflabors begeben.

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Mithilfe eines Gerätes am Handgelenk wollen Münchner Wissenschaftler den menschlichen Schlaf charakterisieren.
Mithilfe eines Gerätes am Handgelenk wollen Münchner Wissenschaftler den menschlichen Schlaf charakterisieren.
(Bild: gemeinfrei / CC0)

München – Was bisher nur im Schlaflabor möglich war, lässt sich künftig dank einer neuen Methode unkompliziert von überall aus machen: Ein Gerät am Handgelenk ist ausreichend, um wesentliche Charakteristika des menschlichen Schlafs zu erfassen. Das zeigt eine Veröffentlichung im Fachmagazin Current Biology von Professor Till Roenneberg, Leiter der Arbeitsgruppe „Humane Chronobiologie“ am Institut für Medizinische Psychologie der LMU, und Dr. Eva Winnebeck, Leiterin des Schlaflabors der Arbeitsgruppe.

16.000 Schlafepisoden analysiert

Selbst im Schlaf kommt der Mensch nicht vollständig zur Ruhe. Dies machten sich die LMU-Chronobiologen in der dritten Sparte ihres „Human Sleep Projects“ zunutze. Sie haben nun im Rahmen einer Studie, die mehr als 16.000 Schlafepisoden von 573 Personen im Alter von 8 bis 92 Jahren auswertete, Bewegungsmuster identifiziert, die sich etwa alle 90 Minuten wiederholen. Sie nennen ihr neues Maß, das diese Bewegungsrhythmen zeigt, „Locomotor Inactivity During Sleep“ (LIDS). Das Auf und Ab der Bewegung stimmt im Wesentlichen mit den so genannten REM- und Non-REM-Zyklen überein, die während des Schlafs mehrmals aufeinanderfolgen. Doch während die REM- und Non-REM-Phasen im Schlaflabor mittels EEG gemessen werden, lässt sich das LIDS-Muster mit einer Art Uhr am Handgelenk bestimmen.

Schichtarbeiter bewegen sich mehr im Schlaf

„Unsere neue Methode macht es möglich, mit einem einfachen Mittel objektive Informationen über individuelle Schlafcharakteristika und -phasen außerhalb des Labors zu gewinnen. Mit diesem Ansatz wird die ganze Welt zum Schlaflabor“, sagt Till Roenneberg. So konnten die Wissenschaftler beispielsweise schon feststellen, dass sich Schichtarbeiter, die ihre Schlafzeiten ständig ändern müssen, mehr im Schlaf bewegen als Tagarbeiter mit regelmäßigen Schlafzeiten. Generell bewegen sich Männer in diesen Nachtphasen auch mehr als Frauen. Und je jünger die Probanden waren, desto ausgeprägter waren die Bewegungsrhythmen im Schnitt und desto mehr nahm die Bewegung zum Ende des Schlafs hin zu.

Besonders geeignet für Langzeitmessungen

Für ihre Messungen nutzen die Chronobiologen einen so genannten Aktimeter, der die körperliche Bewegung misst, meist wie eine Armbanduhr getragen wird und Aktivitäts- und Ruhedaten über mehrere Monaten erfassen kann. Diese Geräte funktionieren nach dem gleichen Prinzip wie die Fitnessarmbänder und -uhren. Auch diese versuchen, anhand von Bewegung Aussagen über Schlafcharakteristika zu treffen. „Unsere Methode ist jedoch transparent und einfach und funktioniert besonders in Langzeitmessungen“, erklärt Roenneberg. Mit der neuen Methode wird es nun nicht nur für die Wissenschaftler leichter, die Qualität von Schlaf zu erforschen, die bisher nicht objektiv messbar ist. Langfristig soll sie dazu beitragen, Menschen mit Schlafproblemen zu helfen. „Wir hoffen, dass dadurch stärker ins Bewusstsein rückt, wie wichtig Schlaf für die Gesundheit und unser Wohlbefinden ist“, sagt Roenneberg.

Originalpublikation: Eva Charlotte Winnebeck, Dorothee Fischer, Tanya Leise, Till Roenneberg; Dynamics and Ultradian Structure of Human Sleep in Real Life, Current Biology DOI: 10.1016/j.cub.2017.11.063

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