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Frauen in der Forschung Deutschland hat ein Frauenproblem – in der Wissenschaft

Redakteur: Christian Lüttmann

Bei Wissenschaftlern denken viele an Männer mit Laborkittel und Schutzbrille. Wenig verwunderlich, sind in Deutschland doch nur ein Drittel der Stellen in Wissenschaft und Ingenieurswesen von Frauen besetzt. Europaweit liegt die Bundesrepublik damit deutlich unter dem Durchschnitt. Mit Aktionstagen und Projekten will das Bundesforschungsministerium hier aufholen und mehr Frauen für die Forschung gewinnen.

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Beim Girls' Day können sich Mädchen in technisch-naturwissenschaftlichen Berufen ausprobieren.
Beim Girls' Day können sich Mädchen in technisch-naturwissenschaftlichen Berufen ausprobieren.
(Bild: BMBF)

Berlin – Eine Physikerin regiert Deutschland, doch in den tatsächlichen Arbeitsfeldern der Naturwissenschaften und des Ingenieurswesens gibt es trotzdem noch immer deutlich weniger Frauen als Männer. Um diese Lücke in der Bundesrepublik und darüber hinaus zu schließen, haben die Vereinten Nationen den „Internationalen Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft“ ins Leben gerufen. Der auf den 11. Februar gelegte Aktionstag soll helfen, Frauen in Berufen aus Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) zu stärken.

Maßnahmen für mehr Frauen in der Forschung laufen

Für Deutschland sei man auf einem guten Weg, erklärte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek angesichts des Aktionstages am 11. Februar in einer Pressemitteilung: „Das Bundesforschungsministerium hat bereits ein Bündel von Maßnahmen aufgelegt. So hat das erfolgreiche Professorinnenprogramm des Bundes und der Länder wesentlich dazu beigetragen, die Anzahl der Professorinnen an Hochschulen in Deutschland nachhaltig zu erhöhen.“ Im Vergleich zu 2007 sei der Anteil von rund 16 auf nahezu 25% gesteigert worden, sagt Karliczek. Sie sieht aber weiterhin „noch Luft nach oben“.

Femgineering – Conference & Award

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Femgineering

Mit Femgineering – Conference & Award am 9. Dezember 2021 in Würzburg wollen wir für mehr Transparenz und einen selbstverständlichen Umgang mit der Führung durch Frauen im Ingenieurswesen werben. Inspirierende und exzellente Beispiele zeigen erfolgreiche Frauen, aber auch Unternehmen mit einer klaren Haltung zur Förderung von Frauen und mixed digital leadership – denn es gibt sie und wir stellen diese Persönlichkeiten und Unternehmen ins Rampenlicht.

Im europäischen Vergleich liegt Deutschland tatsächlich zurück. Während in ganz Europa durchschnittlich 41% der Beschäftigten in Wissenschaft und Ingenieurswesen weiblich sind, kommt die Bundesrepublik nur auf 33% – zum Vergleich: Weltweit liegt der Frauenanteil von Angestellten in Forschung und Entwicklung laut Unesco bei 29%. Spitzenreiter innerhalb von Europa sind Bulgarien, Dänemark, Lettland, Litauen und Norwegen. Dort ist über die Hälfte der Angestellten in wissenschaftlichen und Ingenieursberufen weiblich.

Nobelpreise gehen öfter an Frauen

In Deutschland steht den Mädchen und Frauen – zumindest in der Theorie – einer Karriere im MINT-Sektor nichts im Weg. Alteingesessene Strukturen einer männerdominierten Branche brechen mehr und mehr auf. Und auch die öffentliche Anerkennung nimmt zu, nicht nur in Deutschland. Ein Beispiel für die stärkere Wahrnehmung von Frauen in der Wissenschaft sind die Nobelpreise, die seit 1901 von einer Stiftung in Stockholm übergeben werden. Zwar gingen von den bisher über 800 Nobelpreisen nur 56 an Frauen. Über die Hälfte davon wurde jedoch erst seit den 2000er Jahren verliehen. In den Medien besonders präsent war zuletzt die Arbeit der Preisträgerinnen Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna an der Genschere CRISPR-Cas9.

Um mehr solcher Erfolgsgeschichten hervorzubringen, fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Zeitraum 2020 bis 2026 unter dem Schwerpunkt „Innovative Frauen im Fokus“ Projekte, mit denen die Sichtbarkeit von Frauen, ihrer Leistungen und ihres Potenzials in Wissenschaft erhöht werden sollen. Insgesamt 41 Millionen Euro stehen dafür laut Karliczek bereit. „Auch durch die vielfältigen Angebote rund um den „Girls‘ Day“ werden jedes Jahr Schülerinnen für Studiengänge und Berufskarrieren im MINT-Bereich begeistert“, betont die Bundesforschungsministerin.

Wie der Frauenanteil in Wissenschafts- und Ingenieursberufen deutschlandweit und in den EU-Ländern aufgestellt ist, zeigen die folgenden Infografiken auf Basis von Eurostat-Daten aus dem Jahr 2019:

In Deutschland zeigt sich, dass der Osten eine deutlich höhere Frauenquote in der Forschung aufweist als der Rest des Landes:

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