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Partikelfilter statt Software-Update? Diesel: Experten halten Feinstaub für deutlich schädlicher als Stickoxide

| Autor/ Redakteur: Berit Kramer* / Dr. Ilka Ottleben

Der Dieselskandal beschäftigt nach wie vor: Automobilhersteller, Politik, Autobesitzer, Anwohner ... Studien wollen belegen, dass durch den vermehrten Stickoxid-Ausstoß von Diesel-Motoren europaweit jährlich Tausende Menschen vorzeitig sterben. Doch nun legen neueste Forschungsergebnisse nahe, dass nicht die Stickoxide Ursache der Gesundheitsgefährdung sind, sondern ein anderer Übeltäter: Feinstaub oder vielmehr so genannter Ultrafeinstaub. Das perfide: Diese Feinstäube sind nach Ansicht der Experten eigentlich besser und zudem kostengünstiger zu beseitigen als die Stickoxide: Per Partikelfilter-Nachrüstung.

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Dieselskandal: Sind Stickoxide das geringere Übel und vielmehr ultrafeine Feinstaub-Partikel das weitaus größere Problem für unsere Gesundheit?
Dieselskandal: Sind Stickoxide das geringere Übel und vielmehr ultrafeine Feinstaub-Partikel das weitaus größere Problem für unsere Gesundheit?
(Bild: ©Thaut Images - stock.adobe.com)

München – Seit bekannt ist, dass Automobilhersteller die Motorsteuerung ihrer Fahrzeuge durch illegale Abschalteinrichtungen manipulierten um Abgasnormen zu umgehen, kocht die Debatte um den Dieselskandal immer wieder hoch. 11 Millionen Dieselfahrzeuge weltweit wurden mit einer Software ausgestattet, die sie sauberer erscheinen lässt als sie sind. In Wirklichkeit überschreiten ihre Abgase deutlich den gesetzlich vorgegebenen Grenzwert für Stickoxide. Es gibt Studien, die meinen den Nachweis erbringen zu können, dass europaweit jährlich etwa 5.000 Menschen vorzeitig sterben, weil Dieselautos im realen Straßenverkehr diese Stickoxid-Grenzwerte überschreiten. Neueste Erkenntnisse weisen nun allerdings darauf hin, dass vermutlich nicht Stickoxide, sondern ultrafeine Partikel die Ursache für Gesundheitsgefahren sind. Dabei sind diese Feinstäube besser zu beseitigen.

Was ist Stickstoffdioxid?

Stickstoffdioxid (NO2) entsteht beim Verbrennen von Brenn- und Treibstoffen, insbesondere bei hohen Verbrennungstemperaturen, wie in Dieselmotoren. Als Hauptquelle für die Bildung von NO2 gilt der Straßenverkehr. Stickstoffdioxid ist stark gesundheitsgefährdend – insbesondere für Asthmatiker, Kinder oder ältere Menschen. In der EU gilt daher seit 2010 ein Jahresmittel-Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft. Zum Vergleich: Der Grenzwert in den USA liegt etwa bei 100 Mikrogramm, in der Schweiz dagegen sind nur 30 Mikrogramm erlaubt.

Was ist an Dieselabgasen so gefährlich?

Feinstaub dringt tief in Lunge und Herzkreislaufsystem ein und kann Krankheiten wie Schlaganfall, Herzerkrankungen, Lungenkrebs oder Atemwegsinfekte verursachen. Laut jüngsten Berichten der Weltgesundheitsorganisation WHO erleiden jährlich ca. 7 Millionen Menschen schwerwiegende gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Feinstaub. In diesem Bericht wird Stickstoffdioxid als Schadstoff allerdings nicht explizit erwähnt, sondern vielmehr auf ultrafeine Partikel (UFP) und Metallabrieb aus dem Motor hingewiesen, die für die lebensbedrohenden Gesundheitsschäden verantwortlich sein sollen.

Medizin und Umweltschutz haben den technischen Fortschritt übersehen

Wenn nicht Stickstoffdioxid die tödlichen Gesundheitsschäden auslöst sondern ultrafeine Partikel, haben dann Umweltmedizin und Umweltschutz den technischen Fortschritt und neuesten Stand der Forschung übersehen? Dieser Auffassung ist Dr. Heinz Fuchsig, Arbeitsmediziner und Umweltreferent der Tiroler und Österreichischen Ärztekammer. In der aktuellen Ausgabe der ASU – Zeitschrift für Prävention fasst er die aktuellen Kenntnisse zusammen. Fuchsig erklärt darin, dass durch technische Weiterentwicklung und Erhöhung des Motorendrucks die erzeugten Partikel in den letzten Jahrzehnten immer kleiner geworden sind. Diese „neuen“, ultrafeinen Feinstaub-Partikel seien bei aktuelleren Vermessungen nicht erfasst und in der medizinischen Forschung daher schlicht übersehen worden. Aber auch das Verkennen von Emissionen durch mechanischen Motorenabrieb oder die starke Emissionserhöhung infolge der Schwefelentfernung aus Schiffsdiesel hätten zu der „Täuschung“ beigetragen, Stickstoffdioxid sei der gesundheitsschädigende Übeltäter statt ultrafeine Partikel.

Partikelfilter statt software-Update? Feinstäube sind besser zu beseitigen als Stickoxide

In der weiteren Dieseldebatte muss unbedingt diesen ultrafeinen Partikeln die Hauptaufmerksamkeit gelten, so Heinz Fuchsig. Eine Nachrüstung großer Schwerfahrzeuge mit entsprechenden Filtern wäre daher wesentlich wichtiger als die Nachrüstung von PKWs mit Hardware zur Verminderung der weniger relevanten Stickoxide aus Auspuffabgasen. Die Technik ist dabei nicht nur erheblich günstiger, sondern auch wirksamer: Studien ergeben eine Partikel-Reduktion um 99,99%. Die Schweiz hat 95% der öffentlichen Busse mit Filtern nachgerüstet und kann dadurch einen Grenzwert von 12 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft vermutlich bald einhalten. In Deutschland werden währenddessen doppelt so hohe Grenzwerte sogar überschritten. Notwendig werde auch ein zielgerichtetes Handeln in der Politik, sei es durch steuerliche Vergünstigungen nachgerüsteter Fahrzeuge, die Förderung von Elektromobilität oder das Schaffen höherer Anreize, ein autofreies Leben zu führen – zum Schutz der Gesundheit in der Bevölkerung.

* B. Kramer: Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V., 80336 München

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