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Migräne-Auren behandeln Eine Aura zum Abgewöhnen – neuer Ansatz gegen Migräne-Symptom

Quelle: Pressemitteilung

Flimmern, Lichtblitze, blendende Kreise – als wäre die Migräne nicht schlimm genug, erleiden viele Patienten auch temporäre Sehstörungen, Aura genannt. Wie sich diese Effekte behandeln lassen, hat ein Tübinger Forscherteam mithilfe von Migräne-Mäusen untersucht.

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Migräne verursacht bei vielen Betroffenen Sehstörungen: die Migräne-Aura
Migräne verursacht bei vielen Betroffenen Sehstörungen: die Migräne-Aura
(Bild: gemeinfrei, Matteo Vistocco / Unsplash)

Tübingen – Rund jeder Zehnte in Deutschland ist von ihr betroffen: Migräne. Ein Drittel der Erkrankten leidet zusätzlich unter vorübergehenden neurologischen Symptomen. Bei ihnen geht z. B. ein Flimmern vor den Augen dem Kopfschmerz voraus, die so genannte Migräne-Aura. Im Gehirn beobachtet man während der Auren ein typisches Aktivitätsmuster: Nachdem eine starke Erregungswelle wie ein Tsunami über die Hirnrinde gezogen ist, folgt eine große Stille.

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Ein Forscherteam unter Federführung von Professor Tobias Freilinger vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung in Tübingen ist nun im Tiermodell einem der zugrundeliegenden Mechanismen auf die Spur gekommen. Bei so genannten Migräne-Mäusen, die die Erkrankung beim Menschen nachbilden, ist eine bestimmte Art von Nervenzellen überaktiv, berichtet das Team in seiner aktuellen Publikation. „Wir können in diesen Tieren die neuronale Entsprechung der Migräne-Auren untersuchen: eine heftige Aktivitätswelle gefolgt von einer Ruhephase“, sagt Studienleiter Freilinger.

Migräne-Mäusen helfen bei der Forschung

Die von den Neurologen untersuchten Migräne-Mäuse haben, wie Patienten mit einer bestimmten erblichen Form der Migräne, einen Gendefekt. Der Fehler im Erbgut führt dazu, dass bestimmte Membranporen – so genannte Natriumkanäle – stärker durchlässig werden. Die Forscher beobachteten nun bei den Mäusen, dass Nervenzellen dadurch übermäßig aktiv wurden. „Allerdings nicht alle Neurone, sondern nur die, die Aktivität so genannter Pyramidenzellen hemmen“, berichtet Freilinger. „Eine Überraschung für uns: Bislang hatte man überwiegend Pyramidenzellen unter Verdacht, Auslöser der Migräne-Auren zu sein“, sagt Neurowissenschaftler und Co-Studienleiter Professor Nikolaus Plesnila vom Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung des LMU Klinikums München.

Die krankhafte Hirnaktivität bei den Mäusen besserte sich, als die Wissenschaftler eine Substanz verabreichten, die die übermäßige Natriumkanalaktivität blockiert. „Damit haben wir einen Ansatzpunkt für die medikamentöse Behandlung von Patientinnen und Patienten – zumindest bei dieser bestimmten Form der Migräne“, schlussfolgert die Tübinger Wissenschaftlerin und Co-Erstautorin Dr. Ulrike Hedrich-Klimosch.

Suche nach dem generellen Auslöser

Migräne kann viele Auslöser haben. Oftmals spielen erbliche Faktoren eine Rolle. Die untersuchte Unterform ist weltweit sehr selten. Auren können allerdings bei verschiedenen Migräneformen vorkommen und betreffen fast ein Drittel aller Patienten. Sie gehen dem Kopfschmerz voraus und dauern typischerweise zwischen 15 und 30 Minuten an. Meist handelt es sich um Sehstörungen, wie etwa ein Flimmern vor den Augen, das langsam durch das Sehfeld wandert. Auren können sich aber auch als andere vorübergehende neurologische Symptome zeigen. Die Erkenntnisse der Forscher sollen helfen, den generellen Auslösemechanismus von Migräne-Auren zu entschlüsseln.

Originalpublikation: Auffenberg E., Hedrich UB, Barbieri R, Miely D, et al. (2021) Hyperexcitable interneurons trigger cortical spreading depression in an Scn1a migraine model, Journal of Clinical Investigation, 2021; DOI: 10.1172/JCI142202

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