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Wassertemperaturen Extremer Sommer: Nord- und Ostsee erreichen Rekordwerte

Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Seit 1968 misst und analysiert das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) regelmäßig die Oberflächentemperaturen der Nordsee und seit 1990 mithilfe von Satelliten auch die Oberflächentemperatur der Ostsee. In diesem Jahr haben die BSH-Wissenschaftler Rekordwerte für beide Meeresregionen feststellen können.

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Mit 16,3 Grad erreichte die Nordsee im Juli den zweithöchsten, jemals vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie in fünfzig Jahren aufgezeichneten Wert.
Mit 16,3 Grad erreichte die Nordsee im Juli den zweithöchsten, jemals vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie in fünfzig Jahren aufgezeichneten Wert.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Hamburg – Seit 1968 misst und analysiert das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie regelmäßig die Oberflächentemperaturen der Nordsee vom Englischen Kanal im Süden bis zur Linie Shetlands – Bergen im Norden. Für die Auswertungen wird auf Daten aus dem maritimen Messnetz des BSH Marnet, auf Daten, die von den Schiffe erhoben werden, sowie auf Satellitendaten zurückgegriffen.

Die Nordsee wies mit 16,3 °C die zweithöchste Oberflächentemperatur seit 50 Jahren auf. Sie blieb im Juli um nur 0,1°C hinter der Rekordtemperatur vom Juli 2014 zurück. Die mittlere Temperatur liegt in diesem Jahr 2 °C über dem Langzeitmittel des Zeitraums von 1971 bis 1993.

Dargestellt ist die Entwicklung der mittleren Oberflächentemperatur der Nordsee seit 1969. Die schwarze Linie unterdrückt starke zwischenjährliche Schwankungen und hebt so die langfristige Entwicklung deutlicher hervor. An der rechten Achse lässt sich die Abweichung der Oberflächentemperaturen vom Mittelwert (14,3 °C) der klimatologischen Referenzperiode 1971-1993 ablesen.
Dargestellt ist die Entwicklung der mittleren Oberflächentemperatur der Nordsee seit 1969. Die schwarze Linie unterdrückt starke zwischenjährliche Schwankungen und hebt so die langfristige Entwicklung deutlicher hervor. An der rechten Achse lässt sich die Abweichung der Oberflächentemperaturen vom Mittelwert (14,3 °C) der klimatologischen Referenzperiode 1971-1993 ablesen.
(Bild: BSH)

Die Auswertung der Temperaturentwicklung ergab auch, dass die Nordsee aufgrund des Kälteeinbruchs im Frühjahr ihr saisonales Minimum erst im März erreichte. Mit 4,9 °C lag sie um fast 1°C unter dem Langzeitmittel des Zeitraums von 1971 bis 1993. Normalerweise tritt die saisonal niedrigste Temperatur Ende Februar auf. Der Temperaturanstieg zwischen März und Juli verlief mit 11,4 °C extrem steil und wurde in dieser Form zum ersten Mal beobachtet.

Ostsee mit höchstem, jemals gemessenen, Wert

Die mittlere Oberflächentemperatur der Ostsee erreichte im Juli eine Rekordtemperatur von 20,0°C. Damit liegt die Temperatur 0,5 °C über der letzten Höchsttemperatur im Juli 2014 und um 2,8 °C über dem Langzeitmittel der letzten rund dreißig Jahre. Das BSH erhebt seit 1990 über Satellit die Daten der Oberflächentemperatur der Ostsee. Jeweils wöchentlich liegen damit aktuelle Daten der gesamten Ostsee vor. In Verbindung mit den steigenden Wassertemperaturen beobachten die Wissenschaftler auch den Sauerstoffgehalt des Wassers. Die Ergebnisse der Auswertungen sollen Mitte August zur Verfügung stehen.

Ursache für den Temperaturanstieg in Nord- und Ostsee ist eine seit Mai recht stabile Hochdruckbrücke von den Azoren bis in die Barentssee. Eine Umstellung der Großwetterlage ist nicht in Sicht, sodass sich die extremen Temperaturbedingungen im August weiter verschärfen werden. Erst mit Einsetzen der Sturmsaison im Herbst soll eine Abkühlung der Oberflächentemperaturen durch die Vermischung mit kühlerem Tiefenwasser möglich sein.

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