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DIN Normenausschuss

Fachbericht über Methoden der Thrombozytendiagnostik

| Autor / Redakteur: Rainer Schmidt* / Dr. Ilka Ottleben

Abb.1: Mit verschiedenen diagnostischen Verfahren kann die Anzahl und die Funktion von Thrombozyten festgestellt werden.
Abb.1: Mit verschiedenen diagnostischen Verfahren kann die Anzahl und die Funktion von Thrombozyten festgestellt werden. (Bild: Fotolia)

Thrombozyten spielen eine wichtige Rolle bei der Blutgerinnung. Bereits seit 2010 arbeitet der Arbeitsausschuss „Hämostaseologie“ im Normenausschuss Medizin an einem Fachbericht über moderne Methoden der Thrombozytendiagnostik.

Anzahl und Funktion der Thrombozyten sind mit entscheidend für die Hämostase, d.h. das Verschließen von Gefäßverletzungen. Zudem besitzen die Thrombozyten eine wichtige Rolle in der Pathogenese arterieller Gefäßverschlüsse. Thrombozytenfunktionshemmer gehören wegen der epidemiologischen Bedeutung dieser Gefäßverschlüsse zu den am häufigsten eingesetzten Medikationen. Ziel der Thrombozytenfunktionsdiagnostik ist die Messung einer verminderten, normalen oder gesteigerten Thrombozytenfunktion. Hier stehen verschiedene Maßnahmen im Vordergrund:

  • Nachweis oder Ausschluss von Störungen der Thrombozytenfunktion im Sinne einer Blutungsneigung oder einer gesteigerten Aggregation;
  • Nachweis oder Ausschluss einer Krankheits- oder Medikamenten-induzierten Thrombozytenfunktionsstörung, vor allem bei Erkrankungen der Organsysteme Leber, Niere sowie Knochenmark mit Auswirkung auf die Thrombozyten. Substanzen und Arzneimittel mit thrombozytenhemmenden Nebenwirkungen sind zum Beispiel nicht-steroidale Antirheumatika, bestimmte Psychopharmaka, Antihypertensiva und Antibiotika sowie verschiedene Nahrungsergänzungsmittel;
  • Kontrolle der Wirkung thrombozytenfunktionshemmender Medikationen;
  • funktionelle Beurteilung des von-Willebrand-Faktors als wesentlicher Komponente der primären Hämostase.

Fachbericht beschreibt verschiedene Verfahren

In dem Fachbericht DIN SPEC 58961 werden folgende verschiedene Verfahren zur Thrombozytenfunktionsdiagnostik beschrieben:

  • Lichttransmissionaggregometrie nach Born (LTA): Die Methode nach Born wird seit 1960 angewendet und gilt als „Goldstandard“ in der Thrombozytenaggregation. Sie beruht auf der turbidimetrischen Bestimmung von Zellsuspensionen. Weltweit sind unterschiedliche Aggregometer im Handel erhältlich. Diese unterscheiden sich im Aufbau der photometrischen Baugruppe, Anzahl der Messkanäle und der Auswertung des Messergebnisses. Je nach Hersteller werden die Ergebnisse in %Transmission oder nach Umwandlung in Extinktion in %Aggregation dargestellt.
  • Vollblutaggregationsverfahren – Impedanzaggregation nach Cardinal und Mehrfach-Elektroden-Aggregometrie (MEA): Cardinal und Flower beschrieben 1979 die elektrische Impedanzaggregometrie (EIA). Sie ermöglicht die Analyse der Thrombozytenaggregation im antikoagulierten Vollblut, wobei auch eine Analyse im plättchenreichen Plasma möglich ist. Zwischenzeitlich wurde mit der MEA ein weiterentwickeltes Verfahren eingeführt, welches die Aggregation mittels vierer Elektroden in einer Einweg-Messzelle aufzeichnet.
  • PFA-Systeme (PFA-100, PFA-200): Die In-vitro-Blutungszeit nach Kratzer und Born misst die Thrombozytenadhäsion und -aggregation in Vollblut unter hohen physiologischen Scherkräften. Hierdurch werden bis zu einem gewissen Grad die Mechanismen der primären Hämostase wie sie in vivo auftreten simuliert.

Methoden werden beschrieben

Die Zielsetzung des Fachberichts 58961 ist die Beschreibung von Methoden zur Thrombozytenfunktionsanalyse in klinischen Laboratorien. Es werden alle Aspekte der Analyse von der Präanalytik, Probenbehandlung, Reagenzienvorbereitung, Testdurchführung und klinischen Anwendung beschrieben.

Methoden, die vornehmlich zu Forschungszwecken eingesetzt werden, sowie Methoden, die in klinischen Laboratorien nicht oder selten eingesetzt werden, werden nicht behandelt.

Die verschiedenen Methoden der Thrombozytenfunktionsdiagnostik sind untereinander nicht vergleichbar. Verwendete Ergebnisse, Referenzbereiche bzw. therapeutische Bereiche sollten im Vorfeld mit weitgehend übereinstimmenden präanalytischen und analytischen Verfahren bestimmt worden sein. Insbesondere können Ergebnisse aus Studien und klinische Erfahrungen, die mit einem Messprinzip ermittelt wurden, nicht ohne eine Korrelationsbetrachtung auf andere Gerätesysteme übertragen werden.

Erkenntnisse, die auf unterschiedlichen Messprinzipien und -verfahren basieren, sind nach bisheriger Datenlage nicht übertragbar. Für die Analyse sollten etablierte Reagenz-Gerätesystem-Kombinationen verwendet werden.

* R. Schmidt: DIN Deutsches Institut für Normung e.V., 10787 Berlin

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