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Radiocarbon-Methode Fragment eines Korans auf das 7. Jahrhundert datiert

| Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Ein Koranfragment aus dem Bestand der Universitätsbibliothek Tübingen ist überraschend auf das 7. Jahrhundert datiert worden, die Frühzeit des Islam. Experten untersuchten drei Proben des Pergaments der Handschrift und kamen zu dem Schluss, dass dieses mit einer hohen statistischen Wahrscheinlichkeit aus den Jahren 649-675 n. Chr. stammt. Es wurde somit nur etwa 20 bis 40 Jahre nach dem Tod des islamischen Propheten Mohammed hergestellt.

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Ein Experte entnimmt der Koranhandschrift eine Probe für die Datierung. Foto: Dr. Wilfried Lagler/Universitätsbibliothek Tübingen.
Ein Experte entnimmt der Koranhandschrift eine Probe für die Datierung. Foto: Dr. Wilfried Lagler/Universitätsbibliothek Tübingen.
(Bild: Dr. Wilfried Lagler/Universitätsbibliothek Tübingen)

Tübingen – Im Falle des Tübinger Fragments hatte ein Mitarbeiter des Projekts Coranica die Proben entnommen. Das Kooperationsprojekt der Académie des Inscriptions et Belles-Lettres Paris und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der französischen Agence Nationale de la Recherche (ANR) gefördert und beschäftigt sich mit der Neukontextualisierung des Koran vor seinem historischen Hintergrund: Es zeichnet die Textgeschichte des Korans unter anderem durch die Untersuchung von „materiellen Zeugnissen“ wie Handschriften nach.

C14-Isotopen-Anteil als Altersbestimmung

Dafür werden beispielsweise paläographische Analysen, die das Alter von Texten anhand von Schriftbesonderheiten bestimmen, mit naturwissenschaftlichen Methoden überprüft. Die Analyse des Pergamentmaterials wurde vom Institut für Ionenstrahlforschung der ETH Zürich mithilfe der Radiocarbon-Methode durchgeführt, die in der archäologischen Altersbestimmung angewandt wird. Dabei macht man sich zunutze, dass der Kohlenstoff in organischen Materialien einen geringen Anteil radioaktiver C14-Isotope enthält, die zeitabhängig zerfallen. Der heutige C14-Anteil des Kohlenstoffs in einem Objekt gibt Forschern daher indirekt Aufschluss über dessen Alter ‒ so auch im Falle des untersuchten Pergaments.

Die Tübinger Handschrift mit der Signatur Ma VI 165 gehört zu insgesamt mehr als 20 Koranfragmenten im Bestand der Universitätsbibliothek: Die Pergamente sind in kufischer Schrift beschrieben, einer der ältesten Schriftformen des Arabischen. Die untersuchte Handschrift hatte aufgrund ihres Duktus und Formats die Aufmerksamkeit der Wissenschaftler geweckt. Sie ist in einer sehr frühen Schriftvariante (hiǧāzī) beschrieben, wobei ihre Abmessungen im Vergleich zu anderen frühen Handschriften jedoch recht klein ausfallen ‒ die Datierung auf das 7. Jahrhundert überraschte die Experten deshalb. Bisher war man von einer Entstehungszeit etwa im 8. oder 9. Jahrhundert ausgegangen.

Die Koranhandschrift gelangte im Jahr 1864 in die Universitätsbibliothek, als diese einen Teil der Sammlung des preußischen Konsuls Johann Gottfried Wetzstein aufkaufte. Sie ist im Verzeichnis der arabischen Handschriften von Max Weisweiler genauer beschrieben.

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