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Azofarbstoff Gesundheitlich bedenklicher Textilfarbstoff in Lebensmitteln nachgewiesen

Autor / Redakteur: Dietmar Töpfer* / Dr. Ilka Ottleben

Angeblich sollten nur natürliche Farbstoffe enthalten sein: Mit speziellen Analyseverfahren wollen Lebensmittelwissenschaftler der Universität Hohenheim den für Lebensmittel nicht zugelassenen Textilfarbstoff „Reactive Red 195“ in einem angeblichen „Hibiskus- und Rote-Bete-Extrakt“ nachgewiesen haben. Die Chemikalie gehört zur Gruppe der Azofarbstoffe.

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Rote Beete ist ein natürliches Färbemittel
Rote Beete ist ein natürliches Färbemittel
(Bild: gemeinfrei)

Stuttgart – Angeblich sollten nur natürliche Farbstoffe enthalten sein: Mit speziellen Analyseverfahren wollen Lebensmittelwissenschaftler der Universität Hohenheim den für Lebensmittel nicht zugelassenen Textilfarbstoff „Reactive Red 195“ in einem angeblichen „Hibiskus- und Rote-Bete-Extrakt“ nachgewiesen haben. „In der Lebensmittelproduktion werden solche Produkte eingesetzt, um wiederum andere Lebensmittel appetitlich rot zu färben“, erläutert Lebensmittelwissenschaftler Prof. Dr. Reinhold Carle die Brisanz. Das untersuchte Produkt sei vermutlich 2015 auf den Markt gekommen und sollte laut Spezifikation lediglich natürliche Farbstoffe beinhalten. Weil es aber so viel intensiver färbe als bekannte natürliche Lebensmittelfarbstoffe, hätten Lebensmittelhersteller Verdacht geschöpft und sich an die Lebensmittelexperten der Universität Hohenheim gewandt.

Stabilität der Färbung des neuen Produktes ließen Zweifel aufkommen

Unbehandelt hätten beispielsweise Wurst und zubereitete Fleischwaren einen grau Farbton, erläutert Prof. Dr. Reinhold Carle, Lebensmittelwissenschaftler der Universität Hohenheim: „Damit sie appetitlicher aussehen, färben Lebensmittelhersteller ihre Produkte z.T. mit natürlichen Farbstoffen. Sind diese Farbstoffe in sogenannten färbenden Lebensmitteln enthalten, müssen diese nicht als Zusatzstoffe mit E-Nummern auf der Verpackung deklariert werden.“

Allerdings leiden die meisten natürlichen Lebensmittelfarbstoffe an geringer Licht- und Hitzestabilität. Bei unterschiedlichen pH-Werten veränderten sie teilweise auch ihren Farbton. Lebensmittelhersteller wünschten sich daher einen natürlichen Farbstoff, der stabiler sei.

Im Jahr 2015 sei ein neues Produkt auf den Markt gekommen, das dieses Wundermittel zu sein schien. Es habe intensiv und dauerhaft rot gefärbt. Laut Spezifikation habe es allein aus Rote-Bete- und Hibiskus-Extrakten bestanden. „Damit durfte es als natürlich färbendes Lebensmittel bezeichnet werden.“

Die versprochene Stabilität der Färbung habe bei mehreren Lebensmittelherstellern jedoch Zweifel aufkommen lassen, ob das neue Produkt wirklich allein aus natürlichen Zutaten bestünde. Sie hätten sich deswegen an Prof. Dr. Carle und sein Team vom Lehrstuhl Technologie und Analytik pflanzlicher Lebensmittel an der Universität Hohenheim gewandt.

Zugespielte Materialproben enthalten höchstwahrscheinlich „Reactive Red 195“

Für die folgenden Untersuchungen hätten Prof. Dr. Carle und sein Team drei Proben des Färbemittels benutzt, die ihnen von drei Lebensmittelherstellern aus der Bundesrepublik, Frankreich und der Türkei überlassen worden seien. Den Lebensmittelherstellern sei das Material von Händlern angeboten worden.

Nach mehreren Anläufen sei es den Wissenschaftler gelungen, den Verdacht der Lebensmittelhersteller zu erhärten: Laut ihrer Einschätzung rührt die rote Farbe von dem Textilfarbstoff „Reactive Red 195“, der für Lebensmittel nicht zugelassen sei.

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