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Gesundheitsrisiko Zoonose

Großstadt-Ratten als Überträger multiresistenter Krankheitserreger

| Autor/ Redakteur: Nina Grötschl* / Dr. Ilka Ottleben

Ratten sind als Überträger von Krankheitserregern, die auch dem Menschen gefährlich werden können, nach wie vor relevant. Nun haben Forscher der Veterinärmedizinischen Universität Wien in einer aktuellen Studie gezeigt, dass Großstadt-Ratten auch als Überträger von multiresistenten Keimen in Frage kommen. Klimawandel und Landflucht könnten dieses Szenario noch begünstigen.

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Ratten und andere Nagetiere können Träger gefährlicher multiresistenter Keime sein. Das hat eine aktuelle Studie an Großstadt-Ratten aus Wien gezeigt. (Symbolbild)
Ratten und andere Nagetiere können Träger gefährlicher multiresistenter Keime sein. Das hat eine aktuelle Studie an Großstadt-Ratten aus Wien gezeigt. (Symbolbild)
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Wien/Österreich – Ratten und die Pest – das war über Jahrhunderte ein allgegenwärtiges, tödliches Bedrohungsszenario in Europa. Doch die von Ratten ausgehende Gefahr für den Menschen ist nicht gebannt, wenn auch in anderer Form: Eine aktuelle Studie zeigt, dass viele in Wien lebende Ratten Träger gefährlicher multiresistenter Keime sind.

Die Arbeit ist das Ergebnis einer internationalen Kooperation zwischen der Vetmeduni Vienna (Forschungsinstitut für Wildtierkunde/Ökologie, Institut für Mikrobiologie), der Österreichischen Agentur für Ernährungssicherheit (AGES), der Freien Universität Berlin sowie dem Leibniz-Institut für Photonische Technologien.

Multiresistente Krankheitserreger sind globale Bedrohung

Die Entstehung von multiresistenten Krankheitserregern wird zu einem immer größeren, globalen Problem für die Gesundheit von Mensch und Tier. Ein Forschungsteam hat nun bei in der Wiener Innenstadt zwischen 2016 und 2017 gefangenen Ratten festgestellt, dass rund jede siebente davon (14,5%) multiresistente Enterobakterien – deren wichtigster Vertreter als Kolibakterien bekannt sind – in sich trug. Die in Wien erhobene Häufigkeit ist damit vergleichbar zum in früheren Studien in anderen Großstädten festgestellten Auftreten. So betrug die Prävalenz beispielsweise in Berlin 13,6% und in Hongkong 13,9%. Zudem trugen mehr als die Hälfte der Ratten in Wien (59,7 %) gefährliche, multiresistente Staphylokokken in sich.

Besorgniserregende Häufigkeit von multiresistenten Bakterien in Großstadt-Ratten

„Obwohl die genaue Wechselwirkung zwischen mit multiresistenten Keimen belasteten Ratten und dem Risiko für die menschliche Gesundheit derzeit noch nicht geklärt ist, ist die von uns beobachtete Häufigkeit multiresistenter Keime besorgniserregend“, so die Autoren. „Eine der von uns untersuchten Ratten wurde beispielsweise in einem Grünbereich gefangen, der im Sommer von Obdachlosen als Schlafstelle genutzt wird. Diese besondere Situation erhöht das Risiko einer Übertragung der resistenten Bakterien. Grundsätzlich ist für eine Übertragung aber auch eine Vielzahl weiterer Szenarien denkbar. Die Bekämpfung von Ratten, aber auch anderer Nagetiere wie Mäuse, ist und bleibt in Städten deshalb eine wichtige Priorität für die öffentliche Gesundheit“.

Ratten – ein gefährlicher Krankheitsüberträger

In Bezug auf die Verbreitung und Entwicklung multiresistenter Keime sind Wanderratten (Rattus norvegicus) besonders relevant. Ratten gelten als die produktivste und am weitesten verbreitete städtische Schädlingsart. Sie ernähren sich von menschlichen Abfällen und besiedeln das Abwassersystem, wodurch sie häufig mit menschlichen Fäkalien interagieren und multiresistente Bakterien aufnehmen und verbreiten können.

Über die genaue Rolle von Ratten in der Epidemiologie multiresistenter Keime ist bisher noch wenig bekannt. Die vorliegende Studie liefert deshalb einen wichtigen Beitrag, um den Kenntnisstand in diesem Bereich zu verbessern.

Klimawandel und Landflucht begünstigt Zoonosen

In einer Lebendfalle gefangenes Exemplar einer Wanderratte
In einer Lebendfalle gefangenes Exemplar einer Wanderratte
(Bild: Foto © Amélie Desvars-Larrive/Vetmeduni Vienna)

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Städten, und bis 2030 wird dieser Anteil auf 60% gestiegen sein. Die dichte menschliche Bevölkerung, die zunehmende Interaktion mit der städtischen Tierwelt und das wärmere städtische Mikroklima begünstigen die Entstehung von Zoonosen – also Krankheiten, die von wildlebenden Tieren auf den Menschen übertragen werden – in Städten. Städte können dadurch Orte sein, an denen Krankheitserreger eingeschleppt und verbreitet werden.

Trotz ihres schlechten Rufes sind die kleinen Nagetiere nützlich für die Wissenschaft. Ratten sind in städtischen Gebieten allgegenwärtig und kommen mit allen Arten von Abwässern in Berührung. Die Wissenschaft macht sich dies zu Nutze, um Informationen über mögliche Antibiotikaresistenzen bei Ratten in der urbanen Umgebung zu gewinnen.

Das LABORPRAXIS-Dossier „Antibiotikaresistenz“ Sie möchten mehr zum Thema „Multiresistente Keime“ erfahren? Dann besuchen Sie unser Dossier „Antibiotikaresistenz“, in dem wir entsprechende Artikel zu wichtigen Fortschritten aus der Medizinforschung zusammengestellt haben.

Originalpublikation: Amélie Desvars-Larrive, Werner Ruppitsch, Sarah Lepuschitz, Michael P Szostak, Joachim Spergser, Andrea T Feßler, Stefan Schwarz, Stefan Monecke, Ralf Ehricht, Chris Walzer, Igor Loncaric: Urban brown rats (Rattus norvegicus) as possible source of multidrug-resistant Enterobacteriaceae and meticillin-resistant Staphylococcus spp., Vienna, Austria, 2016 and 2017 separator ; Eurosurveillance / Volume 24, Issue 32, 08/Aug/2019

* N. Grötschl: Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna), 1210 Wien, Österreich

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