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Zoonosen-Monitoring 2018

Hähnchenfleisch: Campylobacter in jeder zweiten Probe

| Redakteur: Dr. Ilka Ottleben

Jede zweite Probe von frischem Hähnchenfleisch ist mit dem Durchfall-Erreger Campylobacter belastet. Das ist ein Ergebnis des jährlichen Zoonosen-Monitoring des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Weitere Ergebnisse und Zahlen finden Sie hier.

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Ein Ergebnis des Zoonosen-Monitoring 2018: Knapp die Hälfte der Proben von frischem Hähnchenfleisch (47,8 %) sind mit dem Bakterium Campylobacter verunreinigt. (Symbolbild)
Ein Ergebnis des Zoonosen-Monitoring 2018: Knapp die Hälfte der Proben von frischem Hähnchenfleisch (47,8 %) sind mit dem Bakterium Campylobacter verunreinigt. (Symbolbild)
(Bild: gemeinfrei)

Berlin – Die Nachweisraten von Campylobacter spp. bei Masthähnchen liegen unverändert auf einen hohem Niveau. Knapp die Hälfte der Halshautproben von Masthähnchenschlachtkörpern (46,3%) und der Proben von frischem Hähnchenfleisch (47,8%) wurde im Rahmen des Zoonosen-Monitoring 2018 positiv auf Campylobacter getestet. Knapp ein Viertel der Schlachtkörper wies Campylobacter-Keimzahlen von über 1.000 KbE/g auf. Das zum vergangenen Jahr eingeführte Prozesshygienekriterium hat somit noch nicht zu einer nennenswerten Senkung der Campylobacter-Belastung bei Masthähnchen geführt, wie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Berlin mitteilte.

Prozesshygienekriterium zeigt noch nicht erhoffte Wirkung

Das Prozesshygienekriterium von 1.000 koloniebildenden Einheiten pro Gramm (KbE/g) für Schlachtkörper von Masthähnchen wurde EU-weit eingeführt, um das Vorkommen von Campylobacter spp. in der Geflügelfleischkette zu senken. Seit 1. Januar 2018 müssen Betriebe, die die Anforderungen der EU-Verordnung nicht erfüllen, geeignete Maßnahmen zur Sicherstellung der Prozesshygiene einleiten.

2017, vor Einführung des Prozesshygienekriteriums, hatten 22,7% der Schlachtkörper den besagten Wert überschritten. Im vergangenen Jahr blieb die Quote mit 22,6% nahezu unverändert. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, dass in diesem Bereich weitere Anstrengungen unternommen werden müssen, um die Schlachthygiene zu verbessern.

Salmonellen in Putenfleisch – ein Hygieneproblem

In Halshautproben von Mastputenschlachtkörpern wurden Salmonellen zu 22,7% und damit fast doppelt so häufig nachgewiesen wie im Zoonosen-Monitoring 2016 (11,9% positive Proben). Die Tiere selbst waren dagegen nur selten Träger von Salmonellen (0,2% positive Proben von Blinddarminhalt). Die Nachweisrate von Salmonellen in Proben von frischem konventionell erzeugtem Putenfleisch lag bei 4,0% und damit ebenfalls etwas höher als im vorherigen Untersuchungsjahr (2,6%).

Steigende Kontaminationsraten von Schlachtkörpern bei geringer Belastung der Tiere verdeutlichen, dass Verbesserungen der Hygienepraktiken bei der Geflügelschlachtung notwendig sind, da es offenbar zu Kreuzkontaminationen bzw. einer Verschleppung von Keimen aus der Schlachtumgebung auf die Schlachtkörper kommt.

Listeria monocytogenes in Rohwürsten

In 3,4% der Proben von streichfähigen oder schnittfesten Rohwürsten aus Hähnchen- und/oder Putenfleisch wurden Listeria monocytogenes nachgewiesen. Allerdings waren die Keimzahlen gering, da in keiner Probe Listerien oberhalb der Nachweisgrenze von 10 KbE/g mit der quantitativen Methode nachgewiesen wurden.

Im Vergleich hierzu wurden in streichfähigen Rohwürsten aus Schweinefleisch im Zoonosen-Monitoring 2017 in einzelnen Proben Keimgehalte an L. monocytogenes gemessen, die eine potenzielle Gesundheitsgefahr für den Menschen darstellen (220 KbE/g und 550 KbE/g).

ESBL/AmpC-bildende E. coli

ESBL/AmpC-bildende E. coli wurden in etwa der Hälfte der untersuchten Kotproben aus konventionellen Mastputenbetrieben (51,8% positive Proben) und in 37,6% der Proben von konventionell erzeugtem Putenfleisch nachgewiesen. Im Vergleich hierzu waren Kotproben aus ökologisch wirtschaftenden Mastputenbetrieben und insbesondere Proben von ökologisch erzeugtem Putenfleisch mit Nachweisraten von 36,8% bzw. 12,2% deutlich seltener positiv für ESBL/AmpC-bildende E. coli.

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ESBL/AmpC-bildende Bakterien zeichnen sich dadurch aus, dass sie Enzyme bilden, die die Wirksamkeit von Penicillinen und Cephalosporinen herabsetzen bzw. aufheben können, sodass die Bakterien unempfindlich gegenüber diesen Antibiotika sind. Der häufige Nachweis von ESBL/AmpC-bildenden E. coli bei Nutztieren ist aufgrund der besonderen Bedeutung der Cephalosporine der 3. und 4. Generation für die Therapie des Menschen besorgniserregend, zumal nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand davon auszugehen ist, dass diese resistenten Keime auch über Lebensmittel auf den Menschen übertragen werden können.

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